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26.06.2017 - 07:18 Uhr
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Artikel über Die Nibelungen Teil 4
König Etzel und seine Frau Kriemhild kamen ihnen mit einem Reitertross entgegen geritten um sie persönlich zu begrüßen. Auf dem Weg zu den Besuchern schüttelte der alte Fuchs staunend den Kopf. In seinen Augen war wieder das Glitzern des argwöhnischen Kämpfers auszumachen. Er beugte sich zu seiner Gattin nieder, die ein kleineres Pferd ritt. „,Oh Gattin, wie viel Leute um alles in der Welt hast du da eingeladen?"
Sie lächelte überheblich. „Daran kannst du sehen, mein Gebieter, wie beliebt ich in Burgund war,"
Der Hunnenkönig wurde zornig: „Und dazu bringt er ein Heer von fast tausend Rittern mit? Hat Dein Bruder dieses Weichei etwa Angst davor, dass ich eine seiner Dauerwellen abschneide? Schließlich habe ich den Hosenscheißer zur Sonnwendfeier eingeladen und nicht zu einem Kampf gefordert." Kriemhild setzte zu einer spöttischen Antwort an, aber Etzel schnitt ihr das Wort mit einer Handbewegung ab.
„Schweig Weib!"
Tja, nach sieben Jahren schrumpelt auch der schönste Paprika und die schönsten Trauben...
Schließlich trafen die beiden so unterschiedlichen Herrschaften aufeinander. Obwohl jeder sein Gegenüber misstrauisch beäugte, fiel man sich, fast so wie im Komödienstadel herzlich in die Arme, als würde man sich ewig kennen. Tatsächlich aber war es ihr erstes Zusammentreffen, denn Kriemhild hatte bei ihrer Hochzeit die Brüder und Mutter ausgeladen. Danach galt es Streicheleinheiten zwischen der Königin und ihren Brüdern. Als sie jedoch die finstere Gestalt Hagens auftauchen sah, wurde sie kreidebleich. „Was hast du hier zu suchen? Du warst gar nicht geladen!" Hagen grinste breit und gemein. „Erstens du königliche Dirne: Wie ich das so verstanden habe hast du wohl sehr viel Wert darauf gelegt, mich von deinen Gesandten persönlich einzuladen. Aber auch ohne großzügige Einladung wäre ich den Spuren deines Bruders, meines Königs, gefolgt. Schließlich stehe ich als sein persönlicher Berater in Dienst und Brot."
Kriemhild fauchte wie eine Wildkatze: „Dann war auch dies deine letzte Reise, Edler von Tronje!"
Hagen packte sie an den Schultern. „Ich weiß längst was du vorhast. Höhere Mächte haben mir den Zweck dieser Einladung genannt und mich davor gewarnt. Warum glaubst du denn, haben wir ein Heer von tausend Rittern dabei?" Kriemhild war noch blasser geworden. „Dann kennen meine Brüder den Grund der Einladung also auch?"
„Nein mein Lämmchen, diese Narren glauben an die Liebe und die Güte ihrer Schwester."
Dabei stieß er wieder sein diabolisches Lachen aus, welches die Umstehenden erschauern ließ.
Ruckartig wendete sie sich von ihm ab und ging zu Mann und Brüdern zurück, denn dieser Dialog war abseits der Anderen geführt worden.
Danach ritten sie zurück zur Burg und nur eine kleine Truppe Hunnen begleiteten die Burgunder hinein in die Stadtburg. Der Stadt, Die damals Buda genannt wurde, und später einmal Budapest heißen würde. Eigentlich Buda und Pest, eine Hälfte rechts und die andere Hälfte links, die durch die Donau getrennt war (ähnlich wie Lauf rechts und links der Pegnitz).
Kurz vor der Stadt kam ihnen eine kleine Schar Reiter entgegen: Ritter, edle Helden und Kempen die für gutes Geld in Etzels Dienst standen. Unter ihnen befand sich der legendäre Dietrich von Bern (der nichts mit Fußball zu tun hatte) und der ergrauter Waffenmeister Hildebrand, einst Ritter und Lehrmeister von Hagen. Als sie aufeinander trafen, umarmten sie sich herzlich, denn schließlich mochte der finstere Held aus Tronje noch so einen schlechten Ruf haben, so war sein Umgang und der unerschrockene Mut mit dem Schwert doch weit über die Grenzen bekannt. Die Legionäre Etzels warnten noch einmal eindringlich vor der Rache Kriemhilds, die mit ihren Brüdern und den mitgereisten Burgundern nichts Gutes im Sinn hatte.
„Ach was" winkte der König der Burgunder ab „Kriemhild hat sich gefreut uns nach so langen Jahren wieder zu sehen. Sie hat uns ohne Argwohn und mit liebevollem Herzen eingeladen. Wir werden friedlich feiern und nach dem Sonnwendfest wieder unbeschadet die Heimreise antreten."
In der Burg wurden die Edelleute und Ritter untergebracht, während Pferde, Knechte und Knappen in provisorischen Holzbauten nahe der Donau wohnten. Im kleine Saal der Burg wurde zunächst eine Stärkung gereicht: Das Nationalgericht Gulasch, einem feurig scharfen Eintopf nach Art der wilden Mongolenvölker. Dazu roter und weißer Wein, der schwer und erdig schmeckte. Mit ihm spülten die Reiter ihren Staub hinunter und der musste doch reichlich gewesen sein. Bald sah man rote Gesichter und glänzende Augen. Nach dem Essen wechselten die übrigen teuren Geschenke den Besitzer, was von beiden Seiten mit teils anerkennenden und oft neidvollen Blicken vor sich ging.


Die Nibelungen Teil 4  (Seite 2 von 8)
Man war guter Dinge, und nach und nach begaben sich die meisten Reisenden zur Mittagsruhe um Kräfte für das abendliche Festbankett zu sammeln.
Einige der Ritter wechselten die Rüstung gegen ihren normalen Wams aus, und verließen waffenlos die Burg um Buda, deren Bewohner und die nähere Umgebung zu erkunden. Staunend mussten sie feststellen, dass Buda und der Teil jenseits der Donau wesentlich größer war, als angenommen. Sie selbst hatten selten Städte in diesem Umfang gesehen. Es herrschte geschäftiges Treiben: Bauern boten ihre Waren feil und es gab Tand, Schmuck und seltene Köstlichkeiten. Aber überall wohin sie auch kamen, wurden sie begeistert beklatscht, ihnen auf die Schultern geschlagen und Schnaps und Wein angeboten.
An diesem Nachmittag blieb wohl kein Ritter wirklich nüchtern. Trotz der normalen Gastfreundlichkeit wurden von der Bevölkerung die beiden teils weißen oder gebräunten Gesichter bestaunt, denn sie selbst hatten durchwegs einen fahlgelben, oliv - ähnlichen Teint. Viel Aufmerksamkeit schenkte man auch den „langen Nasen" und dem teils üppigen Bartwuchs der im Reich der Magyaren nur noch Edelleuten gestattet war....
Auch Hagen wollte sich die Beine vertreten und hatte unterwegs den Fiedler Volker getroffen. Beide hatten zwar auf die Rüstung verzichtet, aber ihre Schwerter doch noch umgeschnallt. Auch sie hatten vom Essen und den unzähligen Weingläsern und Schnäpsen doch schwere Beine bekommen.
So setzten sie sich auf eine kleine Bank in einem wunderhübschen kleinen blühenden Park und wischten sich den Schweiß von der Stirn. Obwohl erst die dritte Juniwoche hereinbrechen würde meinte es die Sonne mit ihren fast 26 Grad zu gut....
In ihrer Nähe hatten sich ein paar Hunnen versammelt, die mehr aus Neugier die beiden Gäste betrachteten. Volker grinste, und griff zum Gürtel wo seine Fiddel mit Bogen hing. Dann begann er ein munteres Lied aufzuspielen. Binnen kürzester Zeit waren aus ihren Beobachtern fast einhundert Einheimische geworden, die zu den ungewohnten Weisen klatschten, tanzten und mitzusingen versuchten.
Von den beiden Rittern unbemerkt hatte auch Kriemhild diese Szene beobachtet, denn sie hatte einige Räumlichkeiten im Haupthaus des Parks.
Flugs schickte sie Boten zu den Zuhörern, die immer zahlreicher wurden. Sie versprach jedem 100 Goldstücke zu zahlen der die beiden Recken töten würde. Hagen von Tronje spürte den Stimmungsumschwung, zog sein Schwert und legte es auf die Knie. Dabei bewegte er sich provokativ so, dass die Reflektion seiner Waffe die Menge teilweise blendete. Die Aggressionen der Zuhörer wuchs und war fast auf 200 Leute angewachsen. Die Königin tobte vor Zorn als sie in Hagens Schwert das legendäre Balmung ihres ermordeten Gatten erkannte.
Sie erhöhte ihr Angebot um weitere 100 Goldstücke. Auch Volker, der Fiedler, hatte inzwischen gemerkt, dass Merkwürdiges vorging. Er reagierte sofort: Statt den lustigen Liedchen stimmte er nun traurige Oden an, die von Tod, Untergang und Trauer kündeten. Als die vorrückenden Hunnen immer näher kamen schien die Situation doch brenzlig zu werden.

Volker, der mit dem Schwert noch schneller war, als mit der Fiddel, zog sein Schwert und tat es Hagen nach. Näher und näher rückte die zusammen gewürfelte Armee. Plötzlich erschallte ein Ruf durch die Menge: „Bei Gott! Das ist ja der unerschrockene Hagen von Tronje - man sagt der wäre unsterblich und vermag hunderte von Kämpfern zu besiegen. Nein: Nicht für ein Haus voller Gold würde ich versuchen mich ihm mit einem Dolch nut zu nähern."

Unruhe kam auf, die sich blitzschnell fortpflanzte. Binnen von Minuten hatten sich die Ansammlung der Magyaren aufgelöst und war schneller verschwunden als sie sich zusammengerottet hatten. Derweilen Kriemhild laut tobte und von zwei Soldaten festgehalten werden musste, sonst wäre sie selbst mit dem Dolch in der Hand auf die beiden recken losgegangen…

Hagen grinste breit. „Siehst du Spielmann, manchmal ist es ganz gut einen schlechten Ruf zu haben".
Am Abend fand das große Festbankett statt. Jedem Ritter wurde ein Burgfräulein zugeteilt, die ihn mit einem KUSS begrüßte und als Geschpie..., äh Begleitung zur Verfügung stand. Im riesigen Festsaal wurden die Gäste mit dem Besten bewirtet, was Küche und Weinkeller hergab, und das war schon eine Menge.

König Günther saß neben Etzel und seiner Schwester, die immer noch blass wirkte und deutlich einen unglaublichen Frust schob. Immer wieder tauchten vor ihren Augen jene Bilder auf, als man ihr den toten Gemahl vor ihre Tür legte, die beschämende Niederlage des Tages…

Nach dem Essen ging es zur leichten Unterhaltung über, die von Tanzeinlagen mongolischer Völker begleitet wurde. Der Tokajer floss in Strömen und rötete so manche Backen. Als dann auch noch die Gäste den ersten Bauchtanz ihres Lebens genießen durften stieg den Rittern nicht nur der schwere süße Wein durch die Blutbahnen sondern erhitzte auch ihre Körper. Allmählich verließ Ritter um Ritter den Saal, um einen kleinen Verdauungs-Spaziergang zu machen. Ein Quickie war damals übrigens unkomplizierter als heute, denn Unterwäsche gab es damals noch nicht und erst Recht keine Strumpfhosen. Und auch die Herren Ritter mussten nur die Leggings herunter ziehen, da sie ja


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nicht in Rüstungen erschienen waren. Wie man sich denken kann wurden bei diesem Tet á Te nicht nur die Freundlichkeiten ausgetauscht…

Im Saal selbst wurden die Unterhaltungen auch immer lockerer. So konnte es sich Etzel nicht verkneifen seinen Schwager (das Weichei) zu fragen: „Sag mir lieber Schwager, warum bist du mit so einem großen Heer nach Buda gekommen?"

Günther spielte das Unschuldslamm: "Aber Kriemhild hat doch in ihrer Einladung betont, dass es ihr eine Freude wäre, wenn ihr jede gute Ritter und Edelmann zu Burgund die Ehre seines Kommens erweisen würde. Und diese Ehre, edler König, wollte ihr natürlich jeder erweisen....."

Nach einem tiefen Schluck (0,25l) fuhr er fort: „Ohne unsere Ritter wären wir auch kaum sicher angekommen, da wir von den bayerischen Fürsten überfallen wurden." Etzel wollte natürlich die ganze Geschichte wissen und so erzählte ihm Günther die Sache mit dem Fährmann und dem heimtückischen Überfall der schwarzgewandeten Bajuwaren auf seine Nachhut die doch 40 seiner Recken das Leben gekostet hatte. Etzel hörte interessiert zu „Gefährlich, dieses bajuwarische Gesindel. Obwohl sie aus einzelnen Fürsten und Bistümern bestehen, rotten sie sich im Namen Gottes angesichts eines Gegners zusammen und kämpfen rücksichtslos und brutal. Wegen ihrer schwarzen Rüstungen nennt man sie auch die „Schwarzen". Zahlenmäßig sind es zwar nicht viel Recken, aber sie berauschen sich vor ihren Schlachten mit einem Gesöff, welches man 'Birae" nennt. Eine Art Met, die aus Gersten, Malz , wilden Kräutern und geheimnisvollen Beeren bestehet, die angeblich doll machen. Da ich ja Kontakt nach Franken und der oberen Pfalz unterhalte, weiß ich von Edelleuten aus Nuremberga, dass ungelittene Leute wie Mörder, Diebe, Bettler und andere Halunken dazu grobschlächtige Handwerker, wie Zimmerleute, Schmiede, Bäcker, Metzger, arme Bauern und Knechte oder Taglöhner aufgefordert wurden, Franken zu verlassen. Sie taten sich dann zusammen um Siedlungsland im Süden zu suchen. Ihre Anzahl dürften zwischen drei und viertausend Gestalten gewesen sein. Im Frankenland tat man drei Kreuze als sie das Land verließen. Trotz Dekret der Herren von Franken, überschritten sie unerlaubt die Donau (wahrscheinlich weil viele dieses Dekret nicht lesen konnten) wo bereits Siedlungen versprengter Schwaben, Tyroler, Bürger des
Österreichischen Kaiserreichs und ehemalige Römer existierten. Diese Dörfer und Anwesen wurden gebrandschatzt und deren Einwohner mit Frauen, Kindern und Greisen einfach hingemetzelt. Dabei vermehrte sich das Volk der Bajuwaren (übersetzt: die man fortgejagt hatte) rasend schnell. So gerne sie sich im Lederwams auch rauften, so zeugungsfreudig waren sie auch. Heute dehnen sich ihre Gebiete immer mehr aus - ein gefährliches Volk und ein Schandfleck für das Heilige Römische Reich."

Mit diesen, und anderen Schauermärchen verstrich die Zeit schnell und man feierte fast bis zum Anfang des neuen Tages. Nicht so die Ritter, die kurz nach Mitternacht auf Geheiß von Hagen das Fest verließen und ihre Unterkünfte aufsuchten. Hagen traute dem Frieden nicht und so bat er die Recken in Kampfbereitschaft zu bleiben, so dass sie innerhalb kürzester Zeit gestiefelt und gespornt zur Verfügung stehen konnten. So manch einer sah in diesem Akt zwar fast schon einen Verfolgungswahn des finsteren Ritters, aber man fügte sich seiner Befehlsgewalt. Hagen teilte drei Wachen zu je zwei Stunden ein(denn dann würde es ja wieder hell werden) er selbst übernahm die erste Wache. Und tatsächlich: Als der Fiedler Volker auf Wachposten war erkannte er im Mondlicht glänzende Uniformen und die mit Lederkappen bedeckten Köpfe von etwa 200 bewaffneten Hunnen. Als er Hagen weckte, schienen die Hunnen aber zu merken, dass ihr Plan eines Überraschungsangriffes gescheitert war.

Worauf sie blitzschnell wieder in der Nacht verschwanden. Danach herrschte Ruhe auf der Burg Etzels.
Am nächsten Morgen noch vor dem Morgenmahl nahm Hagen die Ritter zur Seite und klärte diese über das spätnächtliche Ereignis auf. Da bekam manch tapferer Recke plötzlich weiche Knie, und das blanke Entsetzen stand ihnen ins Gesicht geschrieben.
Doch der finstere Ritter Hagen war nicht zuletzt Kriegsherr und rechte Hand seines Königs, wäre er nicht auch ein kluger Taktiker und Krieger.

An diesem Sonntag war ein gemeinsamer Kirchgang mit Etzel und seinen Edelleuten angesagt. Danach sollten sich die Tapfersten der Tapferen auf beiden Seiten in Ritterspielen während einem großen Turnier ihre Kräfte gegen einander messen.

„Zunächst werden wir nicht unsere Festtagsgewänder tragen sondern die Rüstungen anlegen.
Bei den Ritterspielen bitte ich darum, eure wahren Stärken nicht zu zeigen. Tut nur das Nötigste, damit wir uns


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nicht blamieren, aber reizt diese Hunnen nicht im Übermaß. Es ist besser, seine Trümpfe in der Hinterhand zu haben, als vom Gegner überrascht zu werden. Sollte nur einem von uns je ein Haar gekrümmt werden, sollen diese Mongolen unsere Schwerter schmecken". Danach zog er sich für ein, zwei Stunden zurück, denn die Nacht war kurz gewesen. Zu kurz für einen Recken, der schon die dreißig Lenze überschritten hatte (Schließlich war das Durchschnitts-Lebensalter eines Mannes mit 35 bis 40 datiert, und da galt man mit 30 Jahren schon als „Grufti".

Löscht also euere falschen Vorstellungen von uralten Männern mit Bart, denn unsere Ahnen wurden damals selten über Vierzig)! König Günther, Gernot und Giselher nebst Edelleuten hatten mit Etzel und seinen Gefolgsleuten gefrühstückt, und bekamen erst jetzt, kurz vor der Kirche ihre Ritter zu Gesicht. Dem König fielen fast die Augen aus dem Kopf, als er seine gerüsteten Ritter sah. Auch Etzels wohlwollendes Lächeln war plötzlich wie weggewischt. Günther ging zu seinem Kriegsherrn hinüber, der dort gelassen stehen geblieben war.

„Hagen, bist du des Teufels? Was soll der Unfug mit den bewaffneten Rittern?" Hagen schilderte ihm in knappen Worten was ihnen am gestrigen Nachmittag und den frühen Morgenstunden widerfahren war. Günthers Zornesröte war inzwischen einer vornehmen Blässe gewichen. „Sollen alle diese Warnungen und Andeutungen nicht ganz umsonst gewesen sein? Aber sag' mir noch Eines: Was haben dir diese beiden Nixen an der Donau wirklich geweissagt?“

„Herr, erlaube mir, diese Worte für mich selbst zu behalten". Um sofort bissig hinzuzufügen:" Oder wollt ihr noch vor dem Gottesdienst die Beinkleider wechseln?" Günther unterbrach ein Fluchen und begab sich zurück zu seinem Schwager, dem mächtigsten Herrscher des asiatischen Reiches, der außer Etzel auch noch Attila genannt wurde.

Günthers Haltung war plötzlich die eines alten, geschundenen Knechtes geworden. Mit einer Mischung aus Mitleid, Liebe und bedingungsloser Treue sah ihm Hagen auf seinem Weg zu Etzel nach. Plötzlich wurden seine Augen starr...
Der Knabe zählte zwölf Lenze als Krieger vor der Burg seiner Eltern, dem Geschlecht von Tronje, auftauchten und um Einlass baten. Sie gaben sich als Ritter und Soldaten versprengter Einheiten aus, die dem Teutschen Frankenreich angehörten, und gegen die Habsburger kämpften. So gewährte man den etwa 200 Leuten Einlass und bewirtete sie vom Feinsten.

In den frühen Morgenstunden wurde der Knabe Hagen durch das Klappern von Stiefeln und Todesschreien wach. Verängstigt verkroch er sich in eine große Kiste aus Eichenholz, die in seinem Gemach der schmutzigen Wäsche diente. Die Eindringlinge vergewaltigten und mordeten die gesamten Burgbewohner sowie Hagens Eltern. Danach hatten sie systematisch geplündert und das restliche Inventar und die Burg angesteckt.

So tobten auch zwei Mordgesellen in Hagens Schlafge mach, wo sie aber nichts Wertvolles vorfanden. Auch in die Wäschetruhe, in der sich Hagen versteckt hielt, wühlten sie nur in den obersten verschmutzten Kleidern. Der Sohn des Königs von Tronje überlebte nur deshalb, weil die beiden Plünderer es nicht vermochten, die schwere Truhe aus Eichenholz mit ihren Fackeln nicht richtig zu entzünden. Sie qualmte nur vor sich hin und trieb den Mördern Tränen in die Augen. Wütend packten sie die Truhe und warfen sie aus dem Fenster der Kammer, wo sie nach fast fünfzehn Metern klatschend im Wasser des Burggrabens landete. Das Wasser löschte die Flammen sofort und so trieb die Kiste aus Eichenholz im Graben der Burg.

Vor Angst wartete der junge Adelige fast zwei Tage bis er den Deckel seines Gefängnisses zurückklappte. Beißender Geruch empfing ihn. Die Burg seiner Väter existierte nicht mehr, stand da wie ein gerußter Mittel-Zeigefinger und Daumen, die rauchend in die Wolken ragten. Der Zwölfjährige war zwar durstig und hungrig, aber vom Wasser des Grabens traute er sich nicht zu trinken. Im Schlafgewand gekleidet (und leicht miefend) machte er sich auf den Weg in ein nahe gelegenes Dorf dass er kannte. Doch auch hier hatten die fremden Truppen gewütet. Aber nach etlicher Zeit fand er doch noch über zwanzig Überlebende, die sich bisher versteckt hielten. Auch ihnen standen noch die Ereignisse in Gesicht geschrieben.

Als dann doch auf wundersame Art und Weise geräucherte Schweineschinken, Würste, Brot, Wein und frisches Quellwasser auf dem Tisch stand, war das Martyrium wieder leichter zu ertragen.


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Als sie nach dem Essen jedoch hörten, dass auch die Burg zerstört war, und es keine helfende Hand mehr gab, waren sie enttäuscht. Um den jungen Adeligen nicht völlig zu entmutigen, kleideten sie ihn mit abgelegter Kleidung ein, die mit zahlreichen Flicken repariert worden war. Mit ein paar Lebensmittel und ein paar Kreuzern ausgestattet hießen sie ihn an, weiter zu ziehen, weil er keiner Arbeit gewohnt und somit überflüssig war.So zog Hagen weiter, ein Vollwaise, ein Adliger ohne Titel und Mittel. Der Jüngling ernährte sich von Feldfrüchten, Waldbeeren und kleinen Tieren. Hin und wieder sah er sich zu kleinen Diebstählen veranlasst .So tauchte er mit knapp 13 Jahren in Worms zu Burgund auf. So abgewetzt wie er war, wollte ihn niemand zu Diensten haben. Zur schweren Arbeit war er zu jung und so stand der Königssohn wieder da, mittellos ohne einen blassen Dunst, wie er in dieser großen Stadt überleben könnte.

Er begann in Worms zu betteln, mit kleinen raffinierten Diebestouren zu überleben. Die Stadtgarde war zunächst ratlos, denn der Dieb ließ kostbares Geschmeide, Gold und Geld zurück und bediente sich mehr mit Lebensmitteln und Kleinigkeiten die man für den Alltag braucht. Per Zufall gelang ihnen das Bürschchen zwar zwischen die Hände, aber meist ließ ihn der Wachhabende wieder frei und so wurden seine Diebstähle immer dreister. Wie es der Zufall wollte lief er der Stadtgarde geradezu in die Hände, als er sich gerade ein quiekendes, fettes Ferkel gemopst hatte. Natürlich war der Knabe schneller, aber als er dann merkte, dass seine Verfolger immer weniger wurden, jubelte er lautstark. Auf Umwegen kehrte er in sein Versteck zurück, dass er sich in all den Wochen im Wald nahe Worms zusammengebastelt hatte. Das Wasser kochte gerade im Kessel und das Ferkel war geschlachtet und ausgenommen als er die Hunde bellen hörte. Zunächst verstand er gar nichts, aber als er dann aufsprang und den Fluchtweg antreten wollte, standen zwei große schwarze Hunde zähnefletschend vor ihm. Kurz darauf kamen die Landsknechte der Stadtgarde in sein Versteck: „Na Bursche, haben wir dich endlich wieder" triumphierte deren Anführer, dann jedoch pfiff er anerkennend durch die Zähne und bestaunte des Knaben handwerkliches Geschick. So hatte sich der verwaiste Prinz einen Felsvorsprung ausgesucht, der dadurch eine kleine Höhle von etwa vier mal vier Metern bildete. Dort hatte er seinen Schlafplatz eingerichtet. Das dichte Gebüsch vor der Höhle hatte er zusammen geschnitten und eine Zeltplane mit Ösen an beiden Seiten angebracht. Bei schlechtem Wetter brauchte er diese Plane nur in die Kronen der Büsche zu hängen und war selbst bei Regen und Wind geschützt. In
der Nähe der Höhle hatte er ein Loch ausgegraben und darüber eine Feuerstelle gebaut. Bei kalten Temperaturen konnte er so auch seine Schlafstelle erwärmen. Ein geniales Versteck, welches mit Höhle fast 30 Meter im Quadrat hatte. Selbst an einen Fluchtweg hatte der Knabe gedacht. Da der Fels vor dem er sich befand fast halbrund zulief, hatte er zwischen dem Stein und den Büschen eine Presche von knapp eineinhalb Metern geschaffen.

So konnte er um den gesamten Fels herumgehen um auf dessen Rückseite wieder in den Wald zu gelangen. Am Ende des kombinierten Eingangs oder Fluchtweges hatte er das Gebüsch künstlich verdünnt und die Wurzeln vom Boden gekappt. Damit konnte er den Busch in den Pfad schwenken so dass dieser Weg nicht eingesehen werden konnte.Diese Höhle, also das Versteck des Knaben tauchte in den Analen der Stadtgarde niemals auf, denn scheinbar war es dem Gerichtsschreiber zu kompliziert, diese Höhle zu beschreiben. Welches Schicksal Hagen nun entgegenblickte, ahnte er bereits: Viermal im Jahr wurde auf dem Marktplatz zu Worms mehr zur Volksbelustigung ein Galgen errichtet, der auf jene Diebe, Ehebrecher, Mörder oder andere Halunken wartete. Zwar wurde der Angeklagte vor ein Tribunal gestellt, aber nach einer kurzen Verhandlung doch durch Tod durch den Strick verurteilt. Doch der junge Prinz hatte Glück: Einmal im Jahr besuchte König Dankhart diese Volksbelustigung und gewährte in leichten Fällen Amnestie für den Angeklagten der sich dann aber, unter dem Gejohle der Masse, selbst verteidigen musste.

Der junge Herr von Tronje verteidigte sich geschickt als Waise, der Hab und Gut verloren, auch in Worms keine Möglichkeit gefunden hatte, Arbeit oder gar einen Lehrherren zu finden. So blieb ihm nichts anderes übrig, als sein Überleben mit dem zu sichern, was ihm kleine Diebstähle boten. Dem König gefiel das Auftreten des Knaben, der geschliffen und selbstbewusst auftrat. So gewährte er ihm Amnestie mit der Voraussetzung, dass er auf seinem Hof in der Burg zu Worms dienen sollte.

Seine erste Station war die Küche. Sein aufgewecktes Wesen verschaffte ihm viele Sympathien und gar manches Filetstück extra. So entwickelte sich aus dem schmächtigen Bürschchen von einst ein gut gewachsener junger Mann, der ohne ein Gramm Fett zu viel am Körper dennoch mit reichlich ausgebildeten Muskeln ausgestattet war. Die mühselige Knochenarbeit in der Küche waren mehr als Training für ihn.


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Nach gut einem Jahr fiel Dankhart der junge schmächtige Bürschchen von einst wieder ein, denn in der Wahl seine Stallburschen hatte er in letzter Zeit kein glückliches Händchen gehabt. Wenngleich diese Bauernlümmel kräftig und ausdauernd waren, so waren sie geistig doch zu unbeweglich. Zwar hegte der König noch Zweifel ob der schmächtige Jüngling, dem er vor einem Jahr Amnestie gewährt hatte, auch körperlich den Strapazen gewachsen wäre, ließ ihn aber dennoch zu sich kommen.

Der König war gut gelaunt und beim Anblick von Hagen war er noch mehr als angetan. Fast hätte er ihn nicht mehr erkannt, so hatte sich der Junge entwickelt. Mit leuchtenden Augen führte er den Knaben in die königlichen Ställe und präsentierte ihm stolz seine edlen Pferde. Dann ließ er ihn bei den anderen Stallknechten zurück und holte bei den Köchen und Köchinnen ein Urteil über seinen Schützling ein. Nachdem er ein mehr als positives Zeugnis erhalten hatte suchte er umgehend den Knaben auf und fragte ihn, ob er sich zutrauen würde, im königlichen Stall zu arbeiten. Völlig überrascht sagte Hagen zu.

Auch als Stallknecht bewährte sich Hagen dank seiner außergewöhnlichen Intelligenz vorzüglich. Als sechs Monate später eine wichtige Schlacht gewonnen wurde, lud Dankward die tapfersten der Recken an seinen Hof. Vater des Sieges war damals der edle Ritter Hildebrand, der mit einem Schwertstreich fünf Feinde töten konnte.

Als er Hildebrand seine edlen Vierbeiner vorführte, geschah es, das eines der Pferde, ein Araberhengst, scheute und in wilder Panik ausbrach. Hagen gelang es mit beruhigenden Worten und Gesten das bockende Pferd wieder zu zügeln und brachte es an seinen Platz im Stall zurück. Anerkennend nickte Hildebrand in Richtung des Königs. „Herr dieser Knabe ist ja erstaunlich. Nicht nur dass er schneller reagiert hat als alle anderen, sondern mit welcher Geschmeidigkeit er sich dabei bewegte". Dankwart nickte. „Ja, Ritter Hildebrand, ich kenne die Qualitäten dieses Knaben ganz genau und fürchte auch, dass er für meinen Stall fast zu wertvoll ist". Dann setzten beide ihre Besichtigung fort.

Abends an der Tafel fand man sich in Worten wieder an den Knaben erinnert, der so kühn und schnell reagiert hatte, was König Dankward auf eine Idee brachte:" Höret, Ritter Hildebrand, habt ihr derzeit einen Knappen?" „Nein mein König. Ihr wisst ja selbst dass ich noch zusätzlich als Waffenmeister fungiere und da bleibt mir eigentlich wenig Zeit, mich noch zusätzlich mit der Ausbildung eines Knappen zu
belasten." König Dankward überlegte kurz nach einem Argument „Und wenn euch dieser Knappe mehr helfen als beschäftigen würde, mein Ritter, wie würdet ihr dann zu der Sache stehen?" Hildebrand hatte längst gemerkt, aus welcher Richtung der Wind kam. „Mein König ich könnte mir durchaus vorstellen, dass sich meine ablehnende Haltung durch die richtige Person eines Knappen ändern könnte." Daraufhin der König „Wie wäre es heute mit dem Burschen im Stall?" „Ihr habt gewonnen mein König. Gebt mir dieses Knäblein und spätestens in zwei Jahren gebe ich euch einen Recken zurück". Und so kam es, dass der Fünfzehnjährige mit einem der besten Ritter des Hofes als dessen Knappe davon zog, um ein edler Ritter und Knappe zu werden. Die Zeit verstrich und Dankward hatte den jungen Hagen längst vergessen.

Zuviel war bisher geschehen. Immer mehr wurde Burgund vom Westen und Norden her bedrängt. Der König konnte sich nur auf seine Ritter verlassen. Die eigenen Söhne waren noch zu jung. Günther, mit zwölf Jahren der Atteste, widmete sich lieber dem Harfenspiel und der billigen Schauspielkunst der Gaukler, als dass er Pfeil und Bogen oder gar ein Schwert zur Hand nahm. Mit Gernot, dem Elfjährigen, war es zwar besser, aber für seine Ausbildung fand der König keinen geeigneten Mann. Der jüngste, Giselher, mit neun Jahren der Zwillingsbruder von Kriemhild, hatte durchaus nur kindliche Interessen, was der König auch einsah…

Gerade war eine wichtige Schlacht gewonnen, der Gegner erfolgreich zurückgedrängt. Aus diesem Anlass lud Dankward verdiente Ritter an seinen Tisch - und erneut befand sich Hildebrand unter ihnen. Da fiel dem König der Knappe wieder ein, den er seinem Waffenmeister zur Verfügung gestellt hatte. Zu später Stunde nach ein paar Krügen Wein befragte er Hildebrand nach dessen Bekunden und seiner Leistungsfähigkeit.

„Herr, würdet ihr mir Glauben schenken, wenn ich jetzt sage, dass ich mich vor diesem Knappen fürchte? Zu hart sein Schlag, zu schnell seine Technik, zu listig seine Ideen. Dieser Knabe muss mit dem Teufel in Verbindung stehen. Von mir, Herr, in aller Offenheit, kann dieser Hagen nichts mehr lernen. Und wäre ich nicht schon so betagt Herr, so müsste eigentlich er mein Lehrmeister sein". Staunend und mit einem stolzen Gefühl in der Brust hatte Dankward den Worten Hildebrands gelauscht. „Edler Hildebrand, folglich kann ich deinen Worten entnehmen, dass eine weitere


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Ausbildung an deiner Seite für den Knappen gar nicht mehr nötig ist?" „Mein König, ihr brecht mir zwar das Herz, weil ich mich nicht mehr daran erfreuen kann, meinen Knappen reiten, fechten, kämpfen, jagen und Falknern zu sehen. Aber wenn ihr ihn unbedingt zurück wollt, gebe ich ihn frei. Aber nur unter der Voraussetzung Herr, dass er nur euch und niemand anderem dienen darf. Erneut war Hagen von Tronje die Karriereleiter nach oben geklettert und diente seinem Herrn vorerst als Begleiter und dann als persönlicher Berater des inzwischen leicht senil gewordenen König Dankwards.

So pflegte der junge Mann mit seinem Können die Falknerei und die Jagd und erfüllte seine Anforderungen besser als man je von ihm erwartet hatte.

Als er dann auch noch gar seinem König beim Überfall einer Räuberbande das Leben rettete, schlug ihm Dankward selbst im zarten Alter von siebzehn Jahren zum Ritter des Königs, womit er fast zur Familie gehörte. Auf die Bitte des Königs hin sich um Günther, seinem inzwischen knapp dreizehn Jahre alt gewordenen Sohn zu kümmern und diesen zu unterrichten sagte Hagen zu. Er selbst sah in Günther den fehlenden kleinen Bruder, dem er alles was er selbst wusste, beibringen wollte. Dabei ging er auch auf Günthers Liebe zur Musik, Poesie und Schauspielerei ein, in dessen ihm unbekannten Fächern er selbst noch einen Nachholbedarf hatte. Wenngleich auch Günther zur Dickleibigkeit neigte und sich oft von Gefühlen leiten ließ, so lernte er doch nach und nach den Umgang mit dem Schwert, der Falknerei, der Jagd, dem Bogensport und dem exakten Führen einer Lanze, so dass dem alten König Dankward das Herz im Leibe hüpfte.Ein Geheimnis jedoch gab es um den jungen Ritter von Tronje. Des Nachts oder auch am späten Nachmittag verschwand der Jüngling einfach. Wer immer ihn auch suchte konnte ihn nirgendwo finden. Denn da streifte der Prinz durch den Wald, besuchte sein ehemaliges Versteck, brachte es wieder in Ordnung, baute es aus und verbesserte es. Dann hörte er wieder das Singen der Vögel, die vertrauten Geräusche des Waldes und das Murmeln der nahen Quellen, die gemeinsam in ein kreisrundes Felsloch liefen und dieses Loch gefüllt hatten. Die tiefste Stelle dieser Kuhle war fast fünf Meter tief, danach bildete das überfließende Wasser ein Bächlein, das von anderen Quellen gespeist immer größer und breiter wurde. So sehr auch Günther und Hagen zusammengewachsen waren, so wurden die beiden Freunde doch jäh getrennt. Auch wenn Dankward der König sich darüber grämte, einen seiner besten Ritter in den Kampf schicken zu müssen, so blieb ihm diesmal nichts anderes übrig: Französische Truppen aus dem Elsass hatten den Rhein
überquert um fruchtbaren Boden und vor allem die Weinberge Burgunds in ihren Besitz zu bringen. Viele Truppen Dankwards hatten sich weiter nördlich bereits aufgerieben, und so blieb Dankward nichts mehr weiter übrig, als seine letzten dreihundert Recken in einen ungleichen Kampf zu schicken. Dabei sollte er, Hagen, als Stellvertreter des erfahrenen Kommandeurs Lodewig eingesetzt werden. So ritt der bescheidene Haufen, Dankwards letzte Reserve, nach Süden und entdeckte das Lager des Feindes nach fünf Tagen.

Lodewig wollte die Franzosen sofort angreifen aber Hagen, sein Stellvertreter, riet davon ab. Schließlich handelte es sich bei den Feinden um mehr als das doppelte von Köpfen. Beide Ritter gerieten dabei in Harnisch (gschtritten hams) und gingen mit blanken Fäusten aufeinander los. Dabei erlitt Lodewig, der Kommandeur, einen Herzanfall und verstarb nach kurzer Zeit. Was der junge Hagen in keiner Weise bedauerte...

Er ließ des Nachts in aller Ruhe das Lager der Franzosen umzingeln und wartete bis zum ersten Morgengrauen ab. Dann, mit dem Überraschungsmoment auf ihrer Seite, griffen sie das Lager mit brutaler Härte an. Dabei kämpfte Hagen wie ein Berserker, so als würde der Teufel selbst das Schwert führen. Binnen von dreißig Minuten blieben vom Heer des Feindes nur noch Feuer und qualmende Asche zurück.
(Gefangene wurden auch nicht gemacht, was nicht unbedingt den Genfer Konventionen entsprach). Der Kampf selbst wurde auch nicht gerade sehr ritterlich geführt, denn statt im offenen Kampf wurde der Gegner überrumpelt und niedergemetzelt (heute würde man von einer terroristischen Guerilla-Taktik sprechen). Trunken von Blutgier, Macht und Wein zogen die Sieger nach Norden, immer weiter den Rhein hinauf. Immer dann, wenn man Gegner ausmachte, wandte man in etwa die gleiche Taktik an. In Sicherheit wiegen und im Morgengrauen dem Gegner den Garaus zu machen. Bei einem der Kämpfe hatte Hagen das linke Augenlicht verloren und trug nun eine schwarze Augenbinde. Mit dem Schwur, sich weder Haare noch Bart schneiden zu lassen bis auch der letzte Gegner aus Burgund vertrieben war, sah Hagen nun mehr wirklich so aus, wie der Leibhaftige selbst. Auch der Gegner erschauderte inzwischen schon, wenn der Name Hagen genannt wurde. Seine Kraft, seine Ausdauer, Brutalität und Hinterlist sprach sich schnell herum, und die Minnesänger des Landes hatten endlich wieder Stoff für ihre Darbietungen.

Je weiter Hagen nach Norden drang, desto mehr vergrößerte sich sein Heer durch versprengte Recken und Überläufer, so dass es fast auf zehntausend Seelen angewachsen war. So zog man nach Worms, wo auch


Die Nibelungen Teil 4  (Seite 8 von 8)
der letzte Gegner zwanzig Meilen vor der Stadt eine katastrophale Niederlage erlitt. Im Triumphzug marschierte das Heer in Worms ein. Die begeisterten Einwohner tanzten in den Straßen und wurden von der Burg aus umsonst bewirtet.

Und: Es gab nur einen Hagen von Tronje, jenen finsteren Ritter, der in nur zwei Jahren Burgund gerettet Hatte. Dankward ernannte ihn darauf als obersten Feldherren und Kriegsminister. Hagen wollte aber nur noch an der Seite Günthers bleiben. Als man den Heerführer zur späten Stunde suchte war er plötzlich wie vom Erdboden verschwunden. Erst zur Mittagstunde des nächsten Tages tauchte er wie von Geisterhand wieder auf, so als wäre nichts geschehen. Bald machte wie ein Lauffeuer das Gerücht die Kunde, dass sich der finstere Ritter im Wald mit Luzifer getroffen habe, dem er dereinst seine Seele verkauft hatte.

In der Tat hatten diese zwei Jahre das Leben des Ritters verändert. Aus dem lebenslustigen Ritter war ein gesetzter, fast weiser Mann geworden, obwohl er gerade erst zwanzig Jahre wurde.

Gab es da im Wald tatsächlich noch ein anderes dunkles Geheimnis?


Die Lösung des Rätsels und das weitere Schicksal der Burgunder an Etzels Hof erfahrt ihr im definitiv fünften und Wirklich letzten Teil



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