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23.10.2017 - 17:19 Uhr
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Artikel über Lauschgift
David Byrne: Grown Backwards

Die Jüngeren werden mit diesem Namen kaum etwas anfangen können, oder doch? David Byrne war der Kopf der TALKING HEADS, die von 1977 bis 1988 existierten. Eine kleine geile Gruppe, die neben dem genialen Song – und Textwriter Byrne über einen herausragenden Tasten - Instrumentalisten und Gitarristen (Jerry Harrison) eine Bass zupfende Lady (Tina Weymouth) und einen exzellenten Schlagzeuger (Chris Frantz) bestand. Singen konnten sie alle, aber den Hauptpart übernahm eben ihr Mastermind, der auch die Leadgitarre bediente. Seine Stimme klang zwar monoton, oft auch fast weinerlich und gehetzt klingend, aber sie war knapp und präzise, schleuderte nahezu die Lyrics von sich! Der gebürtige New Yorker trug mehr oder weniger kleine Kurzgeschichten vor, die voll aus dem Leben gegriffen waren. Er skizzierte die Menschen seiner Umgebung mit mehr als offenen Augen, setzte sie in Texte um, und warf ihre Lebenslügen zurück. Hits wie „Psycho Chicken“, „Take me to the River“, “Once in a Lifetime”, “Slippery People” oder “Road to Nowhere” schlugen zu wie ein Vorschlaghammer und katapultierten das Quartet in den Rockolymp. Bis David Byrne 1988 plötzlich das Ende der Band bekannt gab, was selbst für die Mitglieder sehr überraschend erfolgte. Byrne ließ zwar die Option offen, dass es die Talking Heads irgendwann wieder geben würde, aber daraus wurde nie etwas. Im Gegenteil: Als sich die restlichen Mitglieder unter dem alten Namen reformieren wollten, erzwang Byrne ein Gerichtsurteil, welches den Mitgliedern diesen Schritt untersagte (sie taten sich unter dem Namen „Heads“ dennoch zusammen, hatten aber keinerlei Erfolg). Byrne selbst arbeitete mit verschiedenen Musikern an Soloalben oder produzierte andere Kollegen. Seine Soloprojekte kamen nur tröpfelnd daher, und soviel ich weiß, gab’ s auch nur deren drei, wovon „Music fort he Knee plays“ 1985 erschien. Jetzt 2004 also was Neues und Interessantes zugleich. David Byrne scheint zurück zu finden zu den Wurzeln, die ihn einst ausmachten. Vielleicht hat er diese CD auch deshalb „Grown Backwards“ (zurück – wachsen) genannt. In einem Interview gab er freimütig bekannt, dass der Akku leer war, ihm keine Texte und Kompositionen mehr eingefallen waren, daher die langen
Pausen. Erst jetzt habe er wieder die Motivation an alte, bessere Zeiten anknüpfen zu können. Wollen wir es hoffen, denn „Grown Backwards“ ist ein stilles Meisterwerk geworden…


J.J. CALE: To Tulsa and Back

“Der Schweiger von Tulsa” wurde er einst genannt, da, als er noch „in“ war, mit seinen Longplayern durchaus für gute Umsätze sorgte. Lange her, denn 1985 hatte er seinen letzten größeren Erfolg mit „5“, aber auch da war schon seine goldene Zeit längst vorbei. Die folgenden Werke, jetzt auf CD waren auch nur noch beinharten Fans und Kennern der Materie vorbehalten: „Naturally“, Closer to you“, „Number 10, oder „Travel-Log“. Eine Ausnahme bildete da die „Guitar Man“, sowie das Best Of Album des Barden. 1939 in Oklahoma geboren, tauchte Cale bereits in jungen Jahren im Country – Mekka Nashville auf, zog mit seiner Band „The Valentines“ durch die Clubs des Südens und erzielte hin und wieder einen Achtungserfolg. Danach trat er nur noch solo auf, lebte in einem Wohnwagen und pendelte zwischen Oklahoma und Texas hin und her. Der wortkarge Südstaatler spielte seine Gitarre so, wie er sprach: Kurz, knapp, gemächlich, aufreizend langsam. Relaxed eben. Die mitunter brüchig wirkende Stimme setzte er ebenso knapp und gezielt als weiteres Instrument ein. 1970 kam er mit Musikern des Clapton Clans zusammen, die eines seiner Konzerte ansahen. Auch Eric, „Slowhand“ Clapton war von der skizzenhaften Lässigkeit, diesem schlichten Sound so begeistert, dass er zwei Titel von Jean Jaques Cale aufnahm: „After Midnight“ und „Cocaine“. Clapton fand mehrere Nachahmer, die eben falls Songs des „Schweigers von Tulsa“, wie man ihn nannte, aufnahmen. Schlagartig war J.J. Cale in aller Munde. Mit „Troubadur“ begann seine große Karriere, die er mit „Shades“ „Grasshopper“ und „5“ zementierte. Dann wurde es leider ruhig um ihn, der Musikgeschmack hatte sich verändert, obwohl einer seiner eifrigsten Nachahmer Mark Knopfler mit seinen Dire Straits ähnlich relaxed Triumphe feierte. Hier, das neueste Werk 2004: „To Tulsa and Back“. Wenn Cale auch über sich selbst spottete, „dass er stets versuche, jeder aktuellen Scheibe


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eine neue Richtung zu geben, im Endeffekt aber immer wieder das Gleiche dabei herauskommt…“ Mit „To Tulsa and Back“ hat er es fast geschafft, denn was er da alles an Soundmixturen zusammengewürfelt hat, ist unglaublich. Vom Rumba über Swing über Barmusik, Bigband - Sound und Geigen -Begleitung lässt er wirklich nichts aus. Aber er ist und bleibt J.J. Cale, unverwechselbar. Aber was solls? Er ist alt und knorrig geworden, wie seine heiße, staubige Umgebung und immerhin schon fast 66 Jahre jung. Den Wohnwagen hat er längst eingetauscht, gegen eine kleine Farm nahe San Diego, und ein Eheweib hat er auch schon lange. Und die alleine weiß, wie gut ihr Mann wirklich ist, wenn er an Sommerabenden entspannt in Socken auf seiner Veranda sitzt, ein kühles Bier in Reichweite und die unvermeintliche Gitanes im Mundwinkel. Dann spielt er wie Gott oder der Teufel in die warme Sommernacht hinaus…


Wilco: A Ghost is born

Irgendwie ist es Ironie, dass ausgerechnet in ALLMÄCHD 14 (Dezember 2002) gerade die neue WILCO „Yankee Hotel Foxtrott“ frisch in die Läden kam und von uns damals als CD des Quartals geadelt wurde. 2004 kam diese „A Ghost is born“ auf den Markt und wir müssten uns quasi wieder – holen!!! Damals sprachen wir von einer fast philosophischen Scheibe, aber dieser Silberling versteht es tatsächlich in noch höhere Sphären zu stoßen, sich wie eine kostbare, aber filigran verletzliche Blüte zu entwickeln – um danach schnell wieder ins morbide Welken zu verfallen. Wow – das klingt fast schon poetisch, ist aber so, mein Wort darauf. Da kann man Seiten füllen, viel sagen, aber dennoch ständig am Kern herumreden. Diese CD ist einfach zum heulen schön, zart und zerbrechlich, kraftstrotzend und unverwundbar. Tut sie euch an, spätere Reue fast ausgeschlossen. Dieses Werk nun noch zu toppen erscheint mir fast unmöglich, da müssten Tweedy und Kollegen schon zu ihren Country – Punk Wurzeln zurückgehen, was allerdings schon beinahe eine Beleidigung wäre…
Norah Jones: Feels like Home

Ich habe über sie einen kurzen Artikel im Stern gelesen. Eine Neuling, die Dame. Verkaufte ohne viel Werbung ihr Debüt „ Come away with me“ aus dem Stand heraus stolze 16 Millionen mal in den USA!!! Ein Hype? Glaubte ich damals schon. Das war 2002. Bei meinem Online – Dealer Amazon ( – Vorsicht Schleichwerbung) kann man einzelne Titel so kurz anhören, aber was ich da hörte, riss mich nicht unbedingt aus dem Sessel… Dann habe ich sie bei „Wetten dass?“ gesehen. Der Song hieß „Carnival Town“ und gefiel mir ganz gut. Worauf ich Verrückter gleich die Neue plus das Debüt bestellte. Und bis heute nicht bereute! Schon der erste Titel „Sunrise“ übt eine hypnotische Wirkung aus, irgendwie. Obwohl er so lässig, fast schlampig daherkommt. Aber er bohrt sich ganz oben rein, beginnt zu kreisen. Irgendwie fallen mir vergleiche mit Suzanne Vega ein, mit Sam Brown oder Tanita Tikaram. Ja ich weiß – Schubladen – Denken, sorry. So geht es munter weiter. Ohrwürmer der Sorte „Verborgener Virus, aktiviert sich später“. Manchmal klingt’ s nach Barmusik, einfach so dahingeträllert, mal unglaublich intensiv, fast erotisch. Aber man kann das Mädel früh hören, so kurz nach dem Aufstehen, vielleicht wenn du eine schlechte Nacht gehabt hast, nicht gut drauf bist, wo Musik mehr nervt als gut tut, oder Abends zur Entspannung nach einem nervigen Tag. Oder auch sonst, immer und immer wieder. Was eigentlich die größte Überraschung ist.

Entdeckt wurde die Dame (sie war damals 19 Jahre jung, wenn ich mich nicht irre) bei einem Nachwuchswettbewerb, dessen Sieger ein Plattenvertrag winkte. Norah sagt selbst dazu: „Andere sangen unglaublich gut, hatten auch besseres Musikmaterial, gegen die meine selbst komponierten Songs nicht anstinken konnten.“ Was soll’ s? Sie gewann den Contest (so eine Art Superstar – Gesuche, wie dass bei uns der drei Akkorde - Bohlen machte). Das Beste aber war es, der jungen Lady freie Hand zu geben, ihr nicht hinein zu reden, ganz behutsam nach ihren Wünschen zu produzieren. Tja, es gibt noch Märchen meine Lieben…


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Prince Musicology

Ja, wen haben wir denn da? Euer Geilheits – Gnaden? Wie bitte? Und „Prince“ nennt er sich auch, na so was! Hat der kleine Selbstverliebte Geck nach 10 Jahren endlich eingesehen, dass man nichts im Leben tun kann, was sich nicht nur lohnt, sondern auch rächt und bestraft? Prince – als Prince Rogers Nelson 1958 in Minneapolis geboren, der Vater war Boss einer Tanzband, die Mutter sang in Bars. Schon mit 12 Jahren fing der nicht gerade groß geratene Mischling in einem selbst zusammen gebastelten Studio Musik aufzunehmen. Dabei verwendete er sexistische texte, Abarten der Sexualität, die er mit seiner kruden Mischung aus Soul, Funk und fast Rap – ähnlichen Klängen zusammen braute. Im prüden Amerika waren es gerade die kontroversen texte, welche ein prüdes Volk nahezu aufschrieen ließen. Was Warner Bros. Auf den plan rief: Man gab dem farbigen Minderjährigen einen Plattenvertrag mit dem Versprechen, sich nicht in seine künstlerischen belange einzumischen. Und Prince erfüllte den Vertrag. Auch wenn er bis zu seinem Durchbruch schon 26 Jahre alt war. Aber dafür knackte es im Gebälk, wurde jede Single zum Hit, verkaufte sich jedes Album mehrere Millionen Mal. In Deutschland war er nahezu unbekannt, als uns der Titel „When Doves cry“ ereichte. Letztlich war es dann der „Purple Rain“ der über uns danieder brach. Plus der dazu gehörige Film. Und so was hatten wir seit den Beatles ja nicht mehr erlebt. Nach dem “Purple Rain” kam „Around the World in a Day“ – Genial, einfach genial, aber eben nicht so ganz zugängig. Prince – Platten waren ohnehin wie ein kaltes Buffet: Zunächst stürzt man sich auf die optisch glänzenden Sachen (sprich Single – Hits), die man aber doch sehr schnell über hatte, weil sie ständig im Rundfunk rau und runter nudelten.. Dann erst ging man zu den weniger spektakulären Dingen über, die dann aber noch wesentlich besser mundeten, je mehr man davon aß. Der kleine Mann (ca 1,67 hoch) trug hohe Plateau - Schuhe, damit er gegenüber seinen Chordamen nicht als Winzling aussah.
Nur ein Problem gab es: Prince schrieb zu schnell und zu viel, hätte drei bis vier Alben im Jahr veröffentlichen können. Ein völlig Besessener! „Parade“, das Album 1986 fiel zwar etwas leicht ab, aber bereits im Jahr danach wartete er mit „Sign o’ the Times“ einer Doppel – LP auf, ein unglaubliches Werk. Produzierte so nebenbei Alben für Sheila E. (Esposito) und andere Gespielinnen. Eine neue schnoddrige Sprache hatte er ohnehin in die Musik eingeführt, nämlich die Verballhornung von manchen Wörtern. So wurden aus to 2, oder you ein U und so weiter. Nicht müde werdend folgte 1987 bereits „Lovesexy“ und ein Jahr später der Soundtrack für „Batman“. Kaum in den Charts, folgte der neächste Streich, wieder ein Doppelalbum: „Graffitti Bridge“ erneut genial gut. Inzwischen war er der wohl bestbezahlte Musiker des Planeten und bekam neben einem eigenen Label (Paisley Park) sämtliche Wünsche erfüllt. Inzwischen haben andere Interpreten seine Titel in anderen Versionen aufgenommen und schaffen damit den Einstieg ins Biz (Sinhead O’ Connor) oder ein triumphales Comeback(Tom Jones). Während der Kleinwüchsige aus Minneapolis bereits die nächste Sensation aus dem Ärmel zaubert: „Diamond and Pearls“ – ein real gewordener Traum… Nur ein Jahr später, 1992, kam ein noch besseres Album in die Läden: „Love – Symbol“ – und sprengte alle bisherigen Grenzen. Gleichzeitig aber leitete gerade dieses Überwerk den Untergang des Ausnahmemusikers ein. Prince war in anderen Sphären angelangt, hielt sich für ein Gott – ähnliches Genie! Legte offiziell seinen Namen ab, um nur noch „Symbol“ genannt zu werden. Dieses Symbol bestand aus einem Kreuz mit einem angehängten Halbkreis – und niemand wusste, wie man es aussprechen sollte. Er formierte zwar inoffiziell als „Afcap“ (übersetzt: Der Künstler, der einst als Prince bezeichnet wurde). Das war dann doch des Guten zuviel!!!

Von Gott – ähnlichen Größen hatte man ja inzwischen die Schnauze gestrichen voll: Man erinnere sich an das männliche Kind einer österreichischen Jüdin, bei der sich der Erzeuger schnell zuvor aus dem Staub gemacht hatte. Um sich und ihren Jungen zu versorgen heiratete sie einen jüdischen Beamten namens Hitler, der den Knaben dabei auch adoptierte und seinen Namen gab. Wie wir aus der Geschichte wissen, war auch dieser Spinner nicht gerade von übermäßigem Wuchs. Aber er schaffte es, seine Auftritte wie ein Superstar zu gestalten, aus einer ganzen Nation ein Volk von Speichelleckern zu machen, die wie


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ein Achtjähriger mit einer Rotzglocke hinter der Blasmusik hinterher lief. Was selten jemand laut aussprach: Jener Jude aus Österreich, der exakt Adolf Salomon Hitler hieß, trieb Millionen in den Tod und schlachtete ein unschuldiges Volk fast dahin. Mit dem Ergebnis dass ein Volk der Dichter, Erfinder und Denker heute noch unter einer einer merkwürdigen Kollektivschuld leiden, obwohl die Generation der Täter fast ausgestorben sind…

Oder denken wir an einen bekifften John Lennon, der in einem Interview aussagte, dass die Beatles bekannter als Jesus wären. Worauf speziell in den USA die Beatles – Platten öffentlich verbrannt wurden. Zumindest so lange, bis sich Lennon händeringend entschuldigte und den bis heute noch aktuellen Standard - Spruch der Politiker oder anderer Blockheads verkündete, er hätte das nie so gesagt, sondern diese Sätze wären aus einem Interview gerissen worden, welches ein völlig andere Aussage hatte…

Zurück zu unserem kleinen Wahnsinnigen, der einst Prince hieß. Seine Plattencompany witterte nicht ganz zu Unrecht, dunkle Wolken auf sich zukommen. So veröffentlichte zwar man noch 1994 das Album „Come“, bewarb es nur noch halbherzig, verkündete aber im großen Stil das BEST OF Doppel „The Hits“, welches man schon 1993 angeboten hatte. Come war nicht das Gelbe vom Ei, und so griff der Fan zur Best Of – Compilation. Noch einmal schlug die Industrie zu, gnadenlos und ohne Rücksicht: Prince hatte immer von einem unveröffentlichen Album gesprochen, welches er selbst als „Black Album“ bezeichnete, die Titel aber immer zurück gehalten hatte…

Diese Hysterie machten sich die Majors zu Nutze und brachten Ende 1994 – Sata Claus is Calling – Jenes legendäre „Black Album“ auf den Markt!!!

Prince, oder wie er gerade heißen sollte, schäumte und reichte Dementis ein, ließ die Veröffentlichung per einstweiliger Verfügung stoppen. Doch dafür hatte man vorgesorgt, und das schwarze Cover mit dem Sticker „The Legendary Black Album“ Limited Edition“ bereits unters Volk gestreut. Wie bei einem Produkt, welches den Sticker „gesund“ oder im Vergleichstest der Zeitung „Blut“’ als „Platz 1“ bekommt (Fünf Millionen Fliegen können nicht irren), wurde die CD zig – Millionen mal verkauft, und jeder Fan oder Nicht – Fan glaubte, etwas Besonderes im Regal zu haben.
Was natürlich nicht stimmte! Prince hätte niemals ein Album mit 8 Titeln und einer Laufzeit von knapp 45 Minuten herausgegeben. Noch dazu, wenn gerade dieser Hype aus Resten und Überbleibseln bestand, welche nie an das hohe Qualitäs - Niveau anderer Scheiben heranreichte…

Buh. Viel zu viel geschrieben und über „Musicolgy“ kein Wort erwähnt. Und da knausern wir jetzt. Prince hat (unter welchem Namen auch immer) zwar weitere Scheiben veröffentlicht, die auch sehr gut gewesen sein müssen. Wenn jetzt aber gerade so genannte „Musik – Experten“ von einem unglaublichen Comeback sprechen, handelt es sich meist um die, welche den kleinen Musikus damals verrissen haben.

Ein Comeback? Ja. Ein Gutes? Ja. Sensationell? Nein. Dazu fehlt dem Werk jener Hauch von Genialität, den Prince – Platten damals ausmachten. Aber Geduld: Die Ansätze dazu sind vorhanden…

„Die folgenden CD – Rezensionen verschieben sich um ca. 45 Minuten!


Bread & Butter Eat This

Die Zeit der großen Gruppen, die wie einst die „Eagles“, „Poco“ oder „Crosby, Stills, Nash & Young“ aus Folk und Country – Elementen ein heißes Rocksüppchen brauten, scheint endgültig vorbei zu sein. Schade, munkelt man doch immer wieder von geplanten Reunions. Hin und wieder tauchen neue Bands auf, welche diese Tradition zu fortsetzen versuchen, scheitern aber meist bereits in den Ansätzen. Namen gibt es viele, doch sie zu nennen wäre müßig, denn meist sind sie schon nach dem Debütalbum wieder in der großen Versenkung verschwunden. Aber müssen wir unbedingt nach USA gehen, um nach solchen Gruppen Ausschau zu halten? Wie wäre es mit Deutschland, genauer gesagt Mittelfranken, noch exakter: Hersbruck! Dort hat ein Musiklehrer vor dessen Lebensalter auch schon eine „5“ steht, ein paar gute Musiker um sich vereint, die vorwiegend aus dem Kreis Nürnberger Land stammen (und wesentlich jünger sind). Auf ihrem selbst produzierten Debüt präsentieren sie 15 Eigenkompositionen, die es in sich haben. Bestückt mit drei Gitarren und einem


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vielschichtigen Vocal - Gesang treffen sie auf Anhieb den berühmten „Punkt“, ungekünstelt und unbekümmert. Das klingt nicht aufgesetzt oder nach Kopien, sondern kommt mühelos, unangestrebt locker und harmonisch rüber. Dabei schaffen es die fünf Musiker Wolfgang März, Frank Aberhahn, Volker Groß, Peter Buttberg und Hannes Welsner nicht nur Ohrwürmer zu schreiben, sondern auch Spannungsbögen aufzubauen, die oftmals überraschende Breaks und Wendungen nehmen. Wahrlich ein beruhigendes Gefühl, dass sich in unseren Breiten was in dieser Qualitätsstufe bewegt, denn in der Radaktion gab es fast nur Lob und Begeisterung…



Kontakt und mehr Informationen unter: breadbutter.de


Morrissey You are the Quarry

Es war im Jahre 1982, als die Band THE SMITH ihr Debütalbum veröffentlichten, und die Musikwelt quasi überraschten. Die vier Briten Jonny Marr, Andy Rourke, Mike Joyce und Morrissey (Steven Patrick) kreierten einen knappen, fast spartanischen Sound, gaben sich pazifistisch, sangen aber über allerlei Greueltaten und Bösartiges. Sänger und Songtexter Morrissey, der zusammen mit Johnny Marr ein Komponistenteam bildete, schwankte dabei zwischen Weinerlichkeit und Weltschmerz, schaffte es aber geradezu genial die Absurditäten und Abgründe der menschlichen Seele in griffige Formulierungen zu kleiden und mit Humor zu würzen, echt britisch eben. Die ohrwurmverdächtigen Melodiebögen stammten in erster Linie von Marr, dessen Rolle aber stets unterschätzt wurde. Morrissey drängte sich auch stets ins Rampenlicht, verkaufte sich quasi als Chef und Vordenker der Gruppe, die von den Kritikern geliebt und bei den Fans Kultstatus innehatte.
Der Rest des alten Kontinents war wie so oft von der Kultband aus England nicht informiert und interessiert, Ausnahmen bildeten nur Experten und Spezialisten. Trotz allem Lob von allen Seiten blieben die Plattenverkäufe der SMITH im bescheidenen Rahmen, obwohl fast jede Textzeile neu diskutiert wurde. So riefen sie unter anderem zum Attentat auf die Eiserne Lady, Margaret Thatcher auf… 1987 hatte Johnny Marr das Superstargehabe seines Songwriter – Kollegen endgültig satt und verließ das Quartett. Erst jetzt wurde bewusst, welch großen Einfluss er doch auf den Sound hatte, der mit Morrissey als Mastermind doch immer mehr eintöniger wurde. Kurz vor dem Wechsel zu einer großen Plattenfirma, die ihnen endlich auch klingende Münze versprach, lösten sich die Smith auf – und Morrissey machte Solo weiter. Vier oder fünf Soloscheiben erschienen, wurden heftig diskutiert, aber selten gekauft, womit auch Morrisseys Tage gezählt waren… Mit „You are the Quarry“ taucht er nun, nach über einem Jahrzehnt Abstinenz, wieder auf, klingt teilweise wie früher, nur mit dem feinen Unterschied, dass er nun auch wohlkingende, abwechslungsreiche Songs schreibt, deren Texte nicht mehr marktschreierisch provokativ sind. sondern mehr ins philosophische gehen. Ein durchwegs gereifter Morrissey mit einer fast sensationellen CD. Ein Anhören ist in diesem Fall fast Pflicht!!!


Franz Ferdinand

Steht auf dem Cover – und sonst nix. 11 Titel mit einer Laufzeit von 38:45 Minuten. Nicht sehr viel! Frühere LP’ s waren auch nicht länger. Der „New Musical Express“, Englands Nummer 1 unter den Musikfachblättern, sah Mal wieder die Zukunft der Rockmusik! Was man beileibe nicht überbewerten kann: Sie, und andere ähnliche Magazine, sehen bei jeder neuen Ausgabe die neuen Heilsbringer… Diesmal aber schien man doch ein bisschen Recht zu haben, denn was diese vier Kunststudenten da so flockenlocker aus dem Ärmel schütteln, ist vom feinsten und Besten was man in letzter Zeit so gehört hat: Eine Mischung aus Rock, Pop, Disco und Wave, ein wenig Pogo, eine Prise Indierock… Fein durchgeschüttelt, nicht gerührt – und fertig ist ein Sound, der sich Stück für Stück in die


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Gehirnwindungen einbohrt. Dagegen kann man kaum was tun, außer zuhören und mitsingen. Die Füße wippen ohnehin schon automatisch mit. Kunst – Stücke, in Musik verpackt. Nicht mehr und auch nicht weniger!!!


The Libertines

Eine Stufe tiefer, da wo das Leben nicht so behütet ist, wo die Gosse näher ist,als die nächste Lohntüte, wo Drogen und Alkohol, Gewalt und Exzesse , Homo – und Bisexualität in sich verfilzen, ist die Heimat der „Libertines“. Da klingt alles ein bisschen schmutziger, fiebernder und aggressiver. Die Geschichte dieser Band ist auch die Geschichte einer Hassliebe zweier hochkarätiger Musiker zueinander, die hervorragende Lieder schrieben. Dabei war Peter Doherty und Carl Barat, wobei Letzterer das sagen in der Formation hat, der Ruhigere, Sanftere aber auch Schwächste von Beiden – und hing an der Nadel. Bei aller Genialität: Es gab Durchsuchungen, Festnahmen. Wochen und Monate da Doherty nicht mehr in der Lage war, einen Schritt zu gehen, geschweige denn Lieder zu schreiben oder gar auf der Bühne zu stehen. Worauf ihm Barat vor die Alternative stellte: Entweder er wird clean und komponiert und singt, oder er fliegt aus der Band. Doherty wurde clean und blieb es für mehr als eine Woche. Dann wurde in dieser cleanen Zeit das zweite Album aufgenommen, nach „Up the Bracket“ nur als „The Libertines“ betitelt. War das Debüt schon aus der großen Masse hervorstechend, so ist das Neue noch besser, noch fiebriger, noch treibender. Rockmusik hat damals schon nur funktioniert, wenn eine gewisse Wut, Herzschmerz, Trauer oder Freude dahinter steckte. Satte Stars machen auch satte Musik, Zufriedenheit verhindert Kreavität… The Libertines: Vielleicht ist diese zweite CD auch ihre Letzte, wer weiß es schon? Ihre Songs wären absolute Chartbreaker, Ohrwürmer der ersten Güte – wenn sie nicht plötzlich in ein Chaos münden um sich dann unkontrolliert und meist abrupt aufzulösen. Teilweise harmonisch, dann wieder rau und ungeschliffen. Großartig. Dennoch: Sie erinnern mich an die Kinks in ihrer wilden Phase, sofern dieser Vergleich erlaubt sei.
Velvet Revolver Contraband

Sie waren Tiere, nein schlimmer noch. Asoziales Gesindel, die rein zufällig Musik spielten und sich darüber gefunden hatten. An ihrem Lebensrhythmus (sofern man von Leben sprechen kann) änderte die Sache wenig. In den Wohnungen, die sie nur kurzeitig anmieteten um dann später einfach zu verschwinden, herrschte Chaos, Anarchie. Sie kotzten, pissten und schissen in die Ecken, hausten auf verwanzten Matratzen, soffen, kifften und pumpten sich mit anderen Drogen voll… Nur ein Jahr später trugen sie teuere Klamotten, schliefen in weichen, mit Seide bespannten Betten und benahmen sich etwas sittlicher. Obwohl sie immer noch soffen, hurten, kifften, schnupften oder drückten. Was zum Teufel war geschehen? Sie hatten Glück, einen Scout zu treffen, dem ihre Musik gefiel, sie an eine Plattenfirma vermittelte. Ihre Lust an Zerstörung, ihren Hass, ihre Wut, packten sie auf eine 30 cm Scheibe: „Appetite for Destruction“. Wieder hatten sie Glück, in eine Flaute der Musikbranche zu geraten, die außer Mainstream nicht gerade viel zu bieten hatte. Und die Fans feierten diese neue Band wie Heilsbringer und hoben sie binnen kürzester Zeit auf den Thron im Olymp der Supergruppen. Sie? Ihre Namen waren Axel Rose, Izzy Stradlin, Slash Hudson, Duff McKagan und Steven Adler. Nach drei regulären Studioalben verabschiedeten sie sich, lösten sich auf – „Guns n’ Roses“ existierten nicht mehr! Was nicht weiter stört: Axel Rose, der Kopf der Gunners spricht seit 11 Jahren von einem sensationellen Comeback, und Gitarrist Slash war mit einer Formation namens „Snakpit“ gescheitert. Jetzt hat er fast die komplette Gunners - Crew reformiert , einen Sänger geholt, der fast wie Axel Rose klingt und VELVET REVOLVER ins Leben gerufen. Gewalt ist nun mal Tradition. Vielleicht wäre das die Comeback – Scheibe von Axel gewesen, wenn dieser nicht satt und bequem zu Hause sein goldenes Näschen mit weißem Schnee pudern würde. Und von Tantiemen mehr als ein Leben lang leben könnte. So liegt es also nun am ehemaligen Gitarristen, die Fahne hoch zu halten – und das tut er mit Leidenschaft und Inbrunst. So knallhart, dass es fast schon wieder weh tut, man auf ein langsames Stück hofft. Davon findet man von 12 Songs aber


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nur deren Zwei. Plus zwei so halb langsame Werke. Ansonsten gibt man Vollgas, volles Brett. Aber ob das so gut für den Motor ist?

Bryan Adams Room Service

Als der Kanadier mit der Igelfrisur 1983 schlagartig bekannt wurde, liebte ihn Jederfrau und Mann! Sein Sound war kernig, straighter Rock , gespickt mit gefühlvollen Balladen der allerersten Güteklasse. „Cuts like a Knife“ war der treffende Titel für ein Superalbum, dass tatsächlich wie ein heißes Messer durch Butter schnitt. Dazu diese rauchige, fast kratzende Stimme, die so herrlich schreien und flehen konnte. „Der Titelsong, „This Time“ „Straight from the Heart“ waren Singlehits, die wirklich aus dem Herzen des Blonden zu kommen schienen und die Herzen der Fans voll traf. „The Summer of 69“ wurde fast zur Hymne einer jungen Generation, die diese Zeit gar nicht erlebt hatten, mir aber im Nachhinein doch ein paar Tränen in die Augen treiben (Quatsch, ist nur der Zigarettenrauch…). Schnell hatte Adams erkannt, dass „The Kids wanna Rock“ brauchten – und er gab es ihnen. Seine Live – Gigs waren stets ausverkauft, denn da gab Bryan Gas, war „Restless“. Natürlich: Wo Licht ist, ist auch Schatten, verhielten sich Musikkritiker eigentlich wie sonst bei anderen Künstlern auch, wenn diese eine gewisse Größe erreicht haben. Dann nämlich werden sie gnadenlos niedergemacht und ausgepfiffen. So sind nun Mal die Mechanismen, denen ich mich aber nicht anschließen werde, denn ich mag ihn nach wie vor. Speziell seine Balladen besitzen ein unglaubliches Potential, ein fast überirdisches Einfühlungs-vermögen. So war es bei ROBIN HOOD „(Everything I do) I do it for You“ oder bei der Neuverfilmung der DREI MUSKETIERE wo er im Trio zusammen mit Sting und Rod Stewart seinen Titel „One for All – and All for One“ sang, oder den Titelsong aus DON JUAN: „ Do you ever really loved a Woman“ mit spanischer Gitarre und einem Text, der sich nachhaltig im Kleinhirn verankert. Auch wenn er sich vier Jahre Zeit genommen hat, um seinem Hobby zu frönen (er fotografiert Prominente – unter anderem auch die Queen), und nur 36,50 Minuten Zeit hatte, seine Tourerlebnisse zu verarbeiten (die Songs entstanden auf einem normalen Tonbandgerät in
den Hotelzimmern rund um den Globus), so hat er dennoch wieder 11 Titel geschaffen, die es wert sind. Am besten zu Zweit bei einer guten Flasche Wein und Kerzenlicht anhören…


R.E.M. Around the Sun

Auch hier hat man sich Zeit gelassen, genauer gesagt drei Jahre. Herausgekommen ist eine interessante Scheibe der Herren Buck, Mills und Stripe, die zum Trio geschrumpft sind. Vorwiegend ruhige Songs, aber wer ein Hitalbum a la „Automatic fort the People“ erwartet, der ist im falschen Film. Viele Kollegen (Ähem) haben dieses Werk gar als langweilig abqualifiziert, haben aber die Philosophie von RAPID EYE MOVEMENT (wie sie eigentlich heißen) nie begriffen. Denn: Alle Scheiben der Herren, egal wie viel Mann auch an Bord waren, sind kleine, stille Meisterwerke, die man im stillen Kämmerlein unterm Kopfhörer am Besten genießt. Erst dann entpuppt sich die Vielschichtigkeit, die hohe Musikalität der Band. In eine Zeit, wo man nur nach Events giert und Fastfood in sich reinstopft, passen R.E.M. nun eben nicht. Was man halt erst begreifen muss, gell?

Übrigens: Ich erkläre mich gerne bereit, eine Art von Podiumsdiskussion zu führen, denn von 50 Jahren Rock habe ich die meiste Zeit LIVE mit - erlebt und nachempfinden können. Zudem suche ich noch ein paar gute Leute, die auch Kritiken schreiben können. Keine Angst: Nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird, wenn ihr unsicher seid, helfen wir natürlich dabei. Schickt uns einfach ein Mail. Meine Privatsekretärin hat versprochen, Überstunden zu machen und notfalls eine Thermoskanne mit zu bringen…




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