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26.06.2017 - 07:13 Uhr
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Artikel über Denk ich an Deutschland in der Nacht 2 ...
NUR WER DIE VERGANGENHEIT KENNT, VERMAG ES, DIE GEGENWART ZU BEGREIFEN!


Die Gründerjahre

Nach der Kapitulation Deutschlands gab es mehrere Überlegungen, damit man verhindern konnte, dass Deutschlang irgendwann wieder eine große, bedrohende Macht würde.
Selbst die Erschaffung eines reinen Agrar -Landes war im Gespräch – ein reiner Bauernstaat also. Dagegen gab es dann aber zu viel Stimmen, die in den hochqualifizierten Deutschen ein gewaltiges, wirtschaftliches Potential sahen. Die Sowjetunion hatte sich ohnehin vom Bündnis losgesagt und den östlichen Teil des ehemaligen Großreiches als Besitz begriff. Dort plante man einen Arbeiter – und Bauernstaat, der ja dann auch tatsächlich entstand. Man installierte dort eine sozialistische Diktatur, die mit dem Staatssicherheitsdienst (Stasi) ein Spitzelsystem übernahm, wie es einst unter Hitler im 3. Reich existierte und ebenso effizient war.
Im Westen würde dagegen eine kapitalistische Form entstehen, die dem Kommunismus wie ein Bollwerk entgegenstehen sollte.
Nach einer Verfassung und der ersten Währungsreform (40 Deutsche Mark Kopfgeld als Start für jeden Bürger) erlaubte man auch hier eine eigene Regierung, die aber anstelle eines Zentralismus (Alleinherrschende Regierung), der die Form eines Föderalismus befohlen wurde(= jeder Bundesstaat hatte seine eigene Regierung,und musste Bedingungen der Hauptregierung verabschieden oder ablehnen.
Zudem wurde demokratisch die Regierung vom einzelnen Bürger gewählt. So entsteht die Bundesregierung Deutschland mit zunächst einer Regierung, welche die CDU, die Christliche Union anführt. Der erste deutsche Bundeskanzler wird 1949 der Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer, der bei Amtsantritt bereits 73 Jahre zählt. Tatsächlich hat er nur mit einer Stimme Mehrheit diese Wahl gewonnen – mit seiner Eigenen,
während sich sein Gegenspieler von der Sozialen Partei Deutschlands (SPD), Dr. Kurt Schumacher vornehm zurückgehalten hatte.
Sein Wirtschaftsminister wird Ludwig Erhard, der aus Nürnberg kommt. Noch hat man kein soziales Konzept, baut auf die Freie Marktwirtschaft. Während immer noch die Trümmer, Spuren des verlorenen Krieges weggeräumt werden, pumpt Amerika im Zuge des so genannten Marshall – Planes Millionen US $ In den Wiederaufbau des Landes.
Das Regierungskonzept der ersten Regierung wäre nämlich ohne diese US – Millionen kläglich gescheitert.
Doch deutsche Arbeiter krempeln die Arme hoch und schaffen es, aus dem maroden, noch jungen Staat ein Wirtschaftswunder zu schaffen. Dabei treten die deutschen Tugenden in Erscheinung, die aber auch von aller Welt nicht nur bewundert, sondern auch gefürchtet waren: Der deutsche Wille, die Zähigkeit, die Disziplin bis zur Selbst -aufgabe, der Fleiß und die Bereitschaft eine Aufgabe zu erfüllen. Deutsche Tugenden eben...
Triebfeder Deutschlands war VW, der Volkswagen - Konzern, der schon damals stets mit der neuesten Technologie arbeiteten. Damals war dort der Stundenlohn noch bei 81 Pfennig, stieg aber kontinuierlich. Dazu kam der Mittelstand, meist Familienbetriebe, weil man sich teuere Arbeiter nicht leisten konnte und ohnehin Mangelware im dezimierten Deutschland waren. Abhilfe schufen damals Vertriebene und Flüchtlinge, die aus den alten Ländereien im Osten kamen und sehr willkommen waren.
Im Sport war man damals nahezu überall ausgeschlossen. Den Anfang machte die neutrale Schweiz, die eine eiligst zusammengestellten Fußball - Nationalmannschaft zum Freundschaftsspiel einlud. Wenn man auch hoch verlor – ein Anfang war zumindest gemacht...
Wieder war es die Schweiz, die 1954 die Fußball – Weltmeisterschaft zu sich ins Land holte. Und auch Deutschland teilnehmen ließ.


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Der Rest ist Geschichte. Man gewann und verlor zum Teil haushoch. Trainerfuchs Sepp Herberger ließ seine zweite Garnitur gegen die Türkei antreten und diese ging mit 1:6 unter.
Danach gewann man zwar wieder, was aber als glücklicher Zufall gewertet wurde. Und plötzlich stand man in Bern im Endspiel gegen das ungarische Wunderteam, welches seit 23 Spielen ungeschlagen war. Es war für Viele eigentlich nur die Frage, wie hoch Deutschland verlieren würde...
Wer die Zeit hatte, das Endspiel zu verfolgen, saß vorm Radioempfänger, oder mit anderen rund 20 Leuten vor einem der seltenen und teueren Fersehgeräten, oder drückte sich die Nase an den Schaufenstern der Radiohändler platt.
Deutschland gewann völlig überraschend mit 3:2, war plötzlich Fußball – Weltmeister!!!

Dieses Erfolgserlebnis gab der Wirtschaft erneut einen großen Aufschwung. Jetzt war man wieder wer, konnte den Kopf vor der Welt höher tragen!
Die Wirtschaft boomte, wie nie zuvor. Man konnte sich satt essen, verdiente nicht schlecht und wollte mehr: Den eigenen VW, einen Fernsehapparat...
Die Regierung schwamm plötzlich nur so im Geld! Der so genannte „Kuchenausschuss“ verteilt großzügige Überschüsse. Soziale Eckpfeiler wie: Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Mutterschutz, Kindergeld, landwirtschaftliche Subventionen, ein Lastenausgleich für Flüchtlinge, Vertriebene und Umsiedler entstehen und werden reichlich genutzt.
All das passiert jedoch nicht nur aus barmherzigen Motiven: Die nächste Wahl steht bevor. Adenauer entschließt sich zu einem sehr teueren Wahlgeschenk und führt die Renten Umlage Reform (den Generationenvertrag) ein. Die bisherige Durchschnittsrente von knapp 200 DM soll damit auf den doppelten Betrag steigen und zusätzlich ein satter Bonus von sechs Monatsrenten ausbezahlt werden!!! Die Finanzexperten und der Wirtschaftsminister Erhard laufen Sturm gegen diesen Plan. Doch der Kanzler setzt noch einen drauf: Höhere Einkommen, Beamte, Freiberufler und Selbstständige sind künftig von der Versicherungspflicht befreit.
„Unfinanzierbar“ lautet die Prognose der Wirtschaftsexperten. Vorläufiger Finanzkollaps in 40 Jahren voraussehbar! Adenauer winkt nur starrköpfig ab.“
Was interessiert mich, was in 40 Jahren ist?“.
Die Wahl gewinnt er mit hoher Mehrheit, aber in Deutschland, dem neuen Wohlstandsstaat, fehlen Arbeitskräfte, welche die Wirtschaft noch mehr antreiben könnten.
Anfang der 60-er Jahre kommen so jährlich an die 200 Tausend Gastarbeiter, überwiegend aus Italien und Griechenland, ins gelobte Land, was vorerst doch für sozialen Zündstoff sorgt.
Dafür aber blüht das Wirtschaftswunder immer mehr und trägt reiche Früchte.

Den Deutschen geht es immer besser. Fast ein Jeder hat jetzt ein Auto und reist zum Urlaub in den Süden. Bald ist Italien in teutonischer Hand. Man arbeitet jetzt in einer 5 – Tagewoche mit 42 Stunden, kann sich den Bau oder Kauf eines Reihenhäuschens leisten, und der Lebensstandard steigt und steigt und steigt. Und so leben sie noch heute, glücklich und zufrieden, in einem Land, welches Deutschland heißt...

Schön wär’s gewesen!

Der Kanzler seit 1963 heißt nun Ludwig Erhard.
Die ersten Krisen zeichnen sich ab. Die Kohleförderung in Deutschland ist zu teuer, zu unrentabel gegenüber dem billigen Erdöl, welches aus Saudi – Arabien, Irak, Kuwait, dem Iran (früher Persien) kommt. Man ist gut Freund mit den Förderländern, hat Subventionen und Geschenke in Milliardenhöhe gemacht, jetzt fährt man die Ernte ein. Der Liter Kraftstoff kostet knapp 60 Pfennige, und man lacht über die horrenden Summen, welches im Osten Deutschlands verlangt wird: Dort sind es über 1 Mark 20 Ostmark und wird vorwiegend synthetisch hergestellt.
Als aber bekannt wird, das Schah Resi Pahlevi vom Iran Paläste besitzt, die mit unglaublichem Prunk ausgestattet sind, das Volk aber auf den


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Straßen verhungert, regt sich Protest, vorwiegend aus der Jugend, die sich von folgsamen Sprösslingen hin zur umweltbewussten und politisch engagierten Generation gewandelt hat! Man folgt der lautstarken „Negermusik“, trägt die Haare wieder lang und ist hoch motiviert, es den alten Säcken zu zeigen. Es kommt zu ersten Streiks, man rebelliert gegen die veraltete Politik und die Studenten demonstrieren nicht selten ohne Gewalt gegen das herrschende System.
1966 existiert erstmals eine größere Zahl an Arbeitslosen und die Bilanzen klingen nüchtern: 700.000 sind es, und sie vermehren sich rasend schnell.
Noch spricht man von Leuten, die es sich nur im sozialen Nest des Staates ausruhen wollen.
Es kommt zu einer großen Koalition zwischen CDU /CSU und der SPD. Der inzwischen dritte Kanzler, Kurt Georg Kiesinger ist nach dem Rücktritt Erhards sichtlich überfordert, die Zahlen der Kohleförderer und die beteiligten Industriebetriebe entlassen ihre Arbeiter und Angestellten in fünfstelligen Zahlen. Es kommt zur Bildung einer Großen Koalition, Kurt Georg Kiesinger ist weiterhin Kanzler, Willy Brandt wird Außenminister. Gemeinsam packt man die Probleme an. Der neue Finanzminister Karl Schiller entpuppt sich als Genie: Unter seiner Regie werden Milliarden in das schwankende Wirtschaftssystem gesteckt, – und es geht tatsächlich wieder aufwärts. Außenminister Willy Brand geht inzwischen auf Wiedergutmachungstour in jene Länder, die unter dem deutschen Nazisystem leiden mussten, und gewinnt weltweit an Sympathien. Die Steuergelder wachsen wieder und füllt die fast leeren Kassen erneut.

Dennoch: Man begeht den zweiten großen Fehler nach der Rentenreform, indem man beschließt, dass die Steuern direkt in die Kassen der Länder und Kommunen fließen, wie bisher vom Staat zugeteilt werden!!!
Zudem braucht der Bundesrat künftig eine Zwei – Drittel Mehrheit der Länder, um neue Gesetze zu genehmigen.
Und die Länder machen jetzt machtgeil und genüsslich von diesem Recht Gebrauch. Eine neue Art von Föderalismus macht die Regierung unfähig, lähmt sie in ihrer schnellen Entscheidungskraft...
In den Straßen tobt dagegen der Wahnsinn weiter. Man bewirft Polizisten mit Backsteinen, demonstriert und rebelliert für eine eigene Politik.
Immer mehr Menschen kommen inzwischen aus der DDR, flüchten vor dieser Diktatur.
Als die DDR bedrohlich an Arbeitskräften verliert, werden die Grenzen komplett geschlossen und eine Mauer um die Republik gezogen. Dort wachen meist junge Wehrpflichtige, die auf Flüchtlinge schießen müssen. Tun sie es nicht, verschwinden sie selbst auf Nimmerwiedersehen in einem der heimlich angelegten Kz’ s!!!
Die Menschwürde wird verächtlich mit Füßen, nein, mit Kampfstiefeln zertreten.
Wieder ein dunkles Kapitel der Geschichte Deutschlands!!!
1969 wird Willy Brand Bundeskanzler Deutschlands! Erstmals seit Weimar steht die SPD in der Regierungsverantwortung, wenn auch die FDP unter Friedrich Genscher als Koalitionspartner fungiert.
Die 70-er Jahre werden geprägt vom neuen Geist Brands, der Offenheit statt Bevormundung propagiert. Mehr Rechte für den Bürger fordert. Neue Reformen greifen, und erst jetzt setzt der wahre Aufschwung wieder ein, füllt die Kassen bis zum Bersten.
Alles ist wieder Friede, Freude, Eierkuchen.

Dann passiert ein Ereignis, welches die politischen Verhältnisse weltweit verändert:
1972 ist die Welt zu Gast in München. Olympiade. Es sollen heitere, unbeschwerte Spiel sein, die sehr gut durchorganisiert sind. Dann passiert das Unglaubliche: Palästinensische Terroristen brechen das Gastrecht und ermorden im Olympischen Dorf Israelische Sportler. Eine friedliche Sportveranstaltung als Bühne für den Terror – das hat es nie zuvor gegeben.
Israel antwortet mit gezielten Vergeltungsschlägen.


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Ihre Gegner sind es auch leid: Jordanien, Syrien, Ägypten und der nur noch auf dem Papier existierende Staat der Palastinenser schließen sich zusammen und greifen Israel an…
Doch der noch frische jüdische Staat will sich nie wieder unterdrücken oder vertreiben lassen! Ihr Geheimdienst, einer der Besten weltweit, erfährt von einem bevorstehenden Angriff und dreht das Blatt um. Von der westlichen Welt kriegstechnisch hervorragend ausgerüstet, schlägt man die Feinde im Yom – Kippur - Krieg vernichtend, steht nach sechs Tagen gar vor Kairo! Ägypten kapituliert als Erster, die restlichen Völker fügen sich zähneknirschend.
Die Welt atmet tief durch. Man hatte selbst mit dem Einsatz von Atomwaffen gerechnet, aber das Heer der Israelis hatte die Gegner mit seinem unbändigen Willen niedergerungen, erniedrigt. Allerdings nur, weil Westeuropa und die USA sofort Raketengesteuerte Waffen als Nachschub lieferten.
Man annektiert den Gaza – Streifen und handelt mit Ägypten einen Friedensvertrag aus.
Das war’ s. Ein Blitzkrieg mit gutem Ausgang...

Doch was jetzt danach einsetzte, war eine geistige Bindung aller Völker des Orient.
Sie verdammten den israelischen Aggressor zutiefst. Schließlich hatte man sie ins Land gelassen, weil sie überall verfolgt und vertrieben wurden. Dafür hat man diese Großzügigkeit ausgenutzt und die Palästinenser nach und nach von ihrem angestammten Gebieten vertrieben...

Man beschloss in einem Embargo, die Ölförderung zu drosseln und somit die europäischen und amerikanischen Helfershelfer zu bestrafen.
Diese Maßnahme traf Europa, USA und speziell Deutschland wie ein Blitz aus heiterem Himmel!
Die Preise explodieren, das Barrel Öl steigt im Preis auf das vierfache, die Spritkosten in Deutschland passen sich an, die Inflationsrate steigt. Das Volk ist empört, ruft nach Steuersenkungen und Inflationsausgleich.
Brand winkt ab, die Krise wird sich bald wieder legen. Er hat Recht! Der Spuk dauert 6 Wochen, dann geht den Ölförderländern die Puste aus. Aber die Industrie hat weltweit gelitten. Trotz eines Sonntagfahrverbotes reichen die
Ölreserven nicht aus, welche die Regierung den Industriebetrieben zur Verfügung stellt. Dazu noch ein Sonntags – Fahrverbot einführt., welches aber nur einmal stattfand.
Die Ausfälle sind gigantisch und nach der Krise klafft ein Riesenloch im Bundeshaushalt.
Als ob das nicht genug wäre, fordern die Gewerkschaften eine Lohnerhöhung von 15 Prozent. Nach zähen Verhandlungen und Streiks gibt man nach und einigt sich ohnmächtig auf 10 %!
Doch nun meldet sich der Öffentliche Dienst, der für Beamte und Angestellte ebenfalls 15 % verlangt. Völlig unmöglich heißt das Fazit der Finanzexperten, nicht bezahlbar!
Doch dann kommt der Streik! Die Beamten und Angestellte im Öffentlichen Dienst zeigen der Regierung die Zähne. Nachdem sich innerhalb von 14 Tagen der Müll auf den Strassen türmt und zum Himmel stinkt, gibt Brand doch nach. Lieber ein weiteres Loch in der Kasse, als Chaos im Land. Man einigt sich auf 13 Prozent...
Als ob das nicht endlich genug wäre, hat der Kanzler aus heiterem Himmel mit innenpolitischen Problemen zu kämpfen: Sein engster Berater und Vertrauter im Kanzleramt, Günter Gulliaume entpuppt sich als Oberst des Staatssicherheitsdienstes der DDR.
Als Spitzel!

Brand ist erschüttert, hatte mit ihm selbst privaten Kontakt – und jetzt dies!
1974 tritt er zurück – eine Era geht zu Ende!

Helmut Schmidt, ex Finanz- und Verteidigungsminister im Kabinett übernimmt als fünfter Mann das Kanzleramt.
Man wirft dem Kühlen aus Hamburg Arroganz vor, doch mit ihm bekommt Deutschland den wohl intelligentesten Kanzler aller Zeiten – was noch Heute gilt. Er will eine realitätsnahe Politik machen, aber der Zeitpunkt seiner Übernahme ist von Unruhen erschüttert, von Krisen und Problemen weltweit.


Denk ich an Deutschland in der Nacht 2 ...  (Seite 5 von 7)
Er hat die Fehler seiner Vorgänger seit Adenauer wohl erkannt, versucht sie vorsichtig von der Wurzel her auszumerzen, aber daraus wird ein sinnloses Unterfangen.
Das Volk hat vergessen, wie schlecht es ihnen noch vor 30 Jahren ging, und die Politik – Kollegen schweben in anderen Sphären, sind völlig realitätsfremd geworden...

Die Konjunktur liegt am Boden, Deutschland hat die höchsten Löhne weltweit, was sich auch auf die Lohnnebenkosten auswirkt. Die Industrie reagiert darauf mit Massenentlassungen und Betriebsschließungen, globalisiert bereits zu Zeiten, wo man dieses Wort noch gar nicht kennt.
Denn still und heimlich noch, tauchen sie im Ausland wieder auf, lassen die Betriebe dort erneut aus dem Boden wachsen...
Es ist die Zeit der Japaner, über die man sich früher amüsiert hatte, weil sie überall mit dem Foto auftauchten und alles knipsten, was ihnen vor die Linsen kam.
Die erste Offensive trifft die Fotoindustrie. Japan baute nicht nur exakt nach, sondern merzte die Fehler anderer aus, präsentierte ihre Produkte zu einem Preis, für den einheimische Produzenten nicht einmal die Zulieferteile zahlen konnten.

Ähnliches passiert mit den Werften, und dem Schiffbau in Deutschland, die als Nummer 1 auf dem Weltmarkt standen. Innerhalb von nur zwei Jahren sinkt deren Umsatz um 70 Prozent, wird von der fernöstlichen Konkurrenz in den Ruin getrieben...
Die Bundesregierung unterstützt Betriebe und Industrie mit 60 Milliarden Mark, Geld, welches man selbst pumpen musste, da die Staatskassen längst leer sind. Die Industrie bedankte sich für diese Zuwendung, indem sie sich Computer - gesteuerte Roboter aus Fernost kaufte, rationalisierte und die jetzt überflüssigen Arbeitskräfte in die Wüste schickte. Die Arbeitslosigkeit stieg auf 1,4 Millionen und die Länder aus Fernost, Japan und Korea überschwemmten mit billigen, Digitaluhren die USA und Europa.
Binnen von Monaten meldeten namhafte Uhrenhersteller Konkurs an, Klangvolle Namen wie Dugena, Junghans und Kienzle (um nur einige zu nennen) verschwanden ganz einfach und
hinterließen 100 Tausende von Arbeitern und Angestellten. Selbst die Schweizer Uhrenhersteller standen kurz vor dem Abgrund.
Die Sache war noch nicht ausgestanden: Jetzt kamen die Autos aus Fernost. Technisch zwar ausgereift, aber nicht so High – Tech wie deutsche Fahrzeuge. Dafür waren sie absolut robust und zuverlässig, und mit allen Extras aus gestattet, für die man bei uns rund 2000 Mark mehr hinblättern musste. Auch die Autos selbst waren mit 1/3 günstiger, was doch verführte. Noch aber hatten die Karosseriebauer den Europäischen Geschmack nicht voll getroffen, was aber nur eine Frage der Zeit war...
Innenpolitisch hatte man andere Sorgen: Die RAF terrorisierte das Land, entführte und ermordete Politiker und Wirtschaftsbosse, und verschwand danach wie von Geisterhand vom Tatort. Später, sehr viel später sollte sich herausstellen. Dass sie Zuflucht in der DDR suchten und auch fanden. Die BRD war nun Mal der böse Klassenfeind...
Wahlkampf 1976. Als Kanzler der Union trat der schwarze Riese aus Rheinland – Pfalz an, die bisherige Regierung Schmidt – Genscher zu stürzen: Helmut Kohl.
Als Wahlgeschenk versprach er eine 10 Prozentige Rentenerhöhung an. Was völlig unfinanzierbar war. Aber Helmut Schmidt bekam kalte Füße und versprach überraschend das Gleiche.
Bisher ein Herz und eine Seele zerstritten sich intern die Koalitionspartner SPD und FDP, aber nach außen hin marschierte man noch geschlossen gemeinsam.
Man gewinnt die Wiederwahl, und alles scheint in Ordnung, bis die FDP Graf von Lambsdorf als Finanzminister einsetzt. Der Adelige setzte ein Dossier auf, und legte die Punkte dem Kanzler vor. Der ging an die Decke wie das berühmte HB – Männchen und von nun an war Zoff in fast allen Bereichen angesagt.
Die berüchtigte Baader – Meinhof Bande konnte gefasst werden, und der letzt Coup, die Entführung einer Lufthansamaschine, mit dem Ziel die Häftlinge freizupressen, misslang. Die bisher geheime GSG 9, eine speziell ausgebildete Polizeigruppe, machte in Mogadischu der Sache ein (unblutiges) Ende...


Denk ich an Deutschland in der Nacht 2 ...  (Seite 6 von 7)
Wirtschaftlich geht es weniger gut: Dem kleinen Mann wird dabei immer tiefer in die Tasche und Lohntüte (die es ja längst nicht mehr gab) gegriffen. Das Land ist im hohen Maße verunsichert, Angst vor dem Verlust der Arbeitsstelle greift um sich wie ein Gespenst.
Immer mehr Betriebe schließen oder bauen Stellen ab.
Dann eskaliert der Zwist der Koalitionsparteien und die FDP wechselt die Seiten, koaliert mit der Union. Nach einem Misstrauensvotum verabschiedet Helmut Kohl seinen Vorgänger und besteigt 1982 als Kanzler Nummer 6 den Thron.
Er hat zwar die Große Wende versprochen, doch es bleibt alles beim Alten, verschärft sich höchstens gegen den kleinen Mann, der sich nicht wehren kann. Der Schuldige ist natürlich schnell gefunden: Die SPD war es!
Ja, richtig – wenn man damit die wirklich richtige Blütezeit Deutschlands sucht. Doch ihr Fehler?
Falsch! Die Fehler der Ahnen, angefangen bei Adenauer und allen Unionsgeführten Regierungen, inklusive der Großen Koalition, haben die Saat gelegt, die jetzt aufgeht.
Kohl wurstelt weiter, spielt den großen Staatsmann, aber wer sein eitles, stolzes Lächeln richtig interpretieren kann, weiß, dass er nur den Kanzler spielt, den Macher.
12 Jahre bleibt der Guru, der Buddha, in Amt und Würde, hat aus dem Sozialstaat eine Zweischichten – Gesellschaft gemacht, in welcher der Mittelstand und die Mittelschicht so langsam aber sicher verschwinden...
Sich irgendwie einmal auflösen werden, wie es Amerika vorgemacht hat.
Schon 1985 stand die Arbeitslosigkeit bei 8,9 % - Punkten, was etwa 2,2 Millionen Erwerbslose bedeutet.
1990 stehen Wahlen an, und diesmal scheint der Schwarze Riese zu fallen. Doch dann kommt ihm ein unglaublicher Zufall zu Hilfe:
Gorbatschow und Ronald Reagan rüsten gemeinsam ab, und in Russland macht das Wort Perestroika die Runde, erfährt das Volk die Wahrheit. Hinein in diese Entspannung fallen Demonstrationen in Ostdeutschland, eine friedliche Revolution, bei der Hundert ´
Tausende auf die Straßen gehen und gegen das Regime protestieren. Und das ausgerechnet nach der 45 Jahr Feier der DDR.

Wer hätte nach all dieser Zeit noch damit gerechnet?
Das Regime flüchtet, die Mauern fallen!
So dumm es auch klingt: Das Volk wollte endlich Bananen!

Papa Kohl lockt mit Kohle, Kohle, die er gar nicht mehr hat. Kopfgeld, Währungsreform, Umtausch 1:1 – und im Gegenzug übernimmt er einen Staat mit 16 Millionen Steuerzahlern, die für den nötigen Aufschwung sorgen.

Er gewinnt haushoch.
Versucht, die ehemaligen Staaten der DDR so schnell wie möglich einzubinden.
Die Opposition warnt eindringlich. Nur nichts überstürzen. Aber Kohl winkt ab, regiert auch nicht auf die Zahlen seiner Finanzexperten. Er will in den Geschichtsbüchern als der Kanzler der deutschen Einheit stehen, nicht mehr und nicht weniger.
Die Wahrheit ist grausam, wie jede Wahrheit:
Die Betriebe der DDR sind nur noch Schrottwert, die Arbeiter können nicht gehalten werden. Investoren finden sich nur mit hohen Subventionen, doch der Traum von den blühenden Landschaften ist geplatzt wie eine Seifenblase!

Dafür sind die Staatskassen leer, die Schulden steigen ins Unermessliche. Dazu kommen neue Schulden: Die Auslandsschulden der DDR mit 180 Milliarden, der Abzug der russischen Armee mit 50 Milliarden. Und der eiligst eingeführte „Solidaritätszuschlag“ verpufft wie ein Tropfen auf den heißen Stein, mehr noch:
Verschwindet auf rätselhafte Weise in dunklen Kanälen...
Hüben wie drüben verlieren immer mehr Menschen ihren Job, Täglich sind es 2000!
Die Arbeitslosigkeit steigt auf 5 Millionen.
Ein Wunder? Nehmen wir die Trabi – Werke in Zwickau: Dort fertigten 12.000 Arbeiter im Jahr 150 (!) Trabis! Und die will Keiner mehr... Die Flucht setzt ein – 68.000 Familien kommen in die alten Bundesländer, versuchen, hier Arbeit zu bekommen. (Standardspruch: „ Ich wärde ooch für viel wehncher oahrbeeden“!)


Denk ich an Deutschland in der Nacht 2 ...  (Seite 7 von 7)
Doch die Meisten bleiben ohne Arbeit dem Staat auf der Tasche liegen.
Die wenigen, die Arbeit gefunden haben, werden nun von westlichen Arbeitslosen verdammt. Rufe, die Mauer wieder hochzuziehen werden immer lauter. Und der Osten kontert und schimpft auf die verwöhnten Besser – Wessis.
Im Endeffekt ist man wieder am, wenn nicht vor dem Anfang, den mental will man nicht zusammen wachsen..
Die Wahlen stehen an, und Kohl die Arbeitslosigkeit im Nacken. Obwohl er 100.000ende auf Umschulung schickt, werden die Zahlen nicht wesentlich besser.
Vor kurzem hat er die Amtszeit Adenauers mit 16 Jahre übertrumpft, aber er spürt schon den Atem des Konkurrenten im Nacken..

1998:

Daran kann auch die neue Koalition Rot - Grün mit dem 7. Kanzler Deutschlands, Gerhard Schröder und dem Außenminister Joschka Fischer nichts ändern, obwohl die so ehrlich waren, die Wahrheit schonungslos auf den Tisch zu legen.
Was dem Volk aber gar nicht gefiel. Scheinbar muss man die breite Masse anlügen um zu punkten, anders geht es nicht bei Leuten, die ihr politisches Wissen von den Schlagzeilen der BILD – Zeitung beziehen.
Wenn auch die Punkte der Agenda 2010 langsam greifen, so scheint das Vertrauen der Bürger in die bisherige Regierung zu schwinden.
Viele hoffen auf eine politische Wende, versprechen sich davon die paradiesischen Zustände wie früher. Ein Trugschluss!
Allein das Wahlprogramm von Schwarz – Gelb lässt eine gewisse Ahnung aufkommen, dass sich die Situation der Arbeitnehmer noch verschlechtern wird, wie bei der Regierung Kohl die Kluft zwischen reich und arm immer größer wird, früher oder später die Mittelschicht verschwindet.

Erhöhung der Mehrwertssteuer, Streichung von Zulagen, der Abbau von Sozialleistungen und die Entlastung der Unternehmer sprechen eine mehr als deutliche Sprache.
Schon alleine die Ungerechtigkeit einer „Kopfgeld – Versicherung“ im Krankheitsfall, die nur für Normalverdiener gilt, während im Gegensatz zur Bürgerversicherung die Selbstständigen, Besserverdiener und Beamte weiterhin nicht belastet werden!
60 Jahre hatten wir weitgehend einen blühenden Wohlstandsstaat, der aber auf Kosten von Otto Normalverbraucher immer weiter abgebaut wurde, Aktionäre aber noch nie so gut verdienten wie jetzt.
Milliardenzuwächse bei den Gewinnen auf der einen Seite – und ein Heer von Arbeitslosen, das noch mehr steigen wird, weil trotz Gewinne weiter rationalisiert wird.

Der 18. September wird somit zum Schicksalstag Deutschlands, obwohl das viele Leute noch nicht wahrhaben wollen...

Lest bitte weiter im 3. Teil „Zukunftsprognosen“



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