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26.06.2017 - 07:18 Uhr
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Artikel über Lauschgift 17
KATE BUSH :
Aerial


Ist es tatsächlich 27 Jahre her, als da eine Single in den Charts auftauchte, und nach oben schoss. Mit elfenhafter Stimme sang da eine Dame von den „Wuthering Heights“, wo sie einst in einem riesigen Landhaus, einer der großen Villen mitten im Moor ihre große Liebe fand und daran starb. Nun spukt sie regelmäßig nachts in diesem Haus um sich an ihrem Peiniger zu rächen. „It’s me, I’m Cathy and I come to visit you...“Als Hexe läßt sie dann noch einen Kiekser folgen, der in etwa so klingt, als würde ein amerikanisches Girlie die quieksende Stimme von Micky Mouse kopieren...
Eine Gruselgeschichte, eine englische Legende, die sie selbst getextet und vertont hatte, die 19jährige Kate Bush.
Niemand kannte dieses kleine, zierliche Persönchen, die schon im zarten Alter von 13 Jahren Lieder am Klavier komponierte, dabei aber nei nach einem gültigen Schema arbeitete. Lieder, die aus dem Bauch kamen.
Sie wuchs wohl behütet als die Tochter eines Arztes südlich von London auf, wo die Bush’s ein großes, freistehendes Bauernhaus mit riesigem Garten besaßen.
Der künstlerische Aspekt nahm viel Platz ein, im Hause des Arztes: Kate’s älterer Bruder John wurde Dichter und Fotograf, Bruder Paddy Folkmusiker und Instrumente - Bauer.Kate, die jüngste der Kinder, geboren am 30. Juli 1958, spielte Klavier seit der Zeit, da ihr Vater Robert das hohe C auf dem Klavier zeigte.
Dabei schrieb sie bereits eigene Lieder und Texte, die in der Familie diskutiert wurden.
1973 nahm ein Freund der Familie ein paar ihrer Titel auf, und gab sie einem anderen
Freund weiter. Und dieser Kumpel hieß rein zufällig DAVID GILMOUR, war zufällig Gitarrist der PINK FLOYD.
„Man konnte diese Musik einfach nicht ignorieren durfte, dass ich da mit Kate ein Mädchen mit unglaublichem Talent gefunden hatte. Es wäre unverzeihlich gewesen, sie nicht zu beachten...“
Danach ging es relativ schnell, zu schnell!
Demos, Studioaufnahmen, Videosequenzen.
Für Kate Bush war das alles neu und aufregend. Auch dann, als man ihr voraussagte, das die Platte floppen, keine Chance hätte.
Das Debüt floppte nicht, wurde immens erfolgreich. Als Kate jedoch das Video über die Mattscheiben flimmern sah, erschrak sie zu tiefst. Was da anmutig aussehen sollte – und auch so aussah, war in ihren Augen der groteske Tanz einer Sterbenden, welche sich und ihre Gelenke nicht mehr unter Kontrolle hatte.
Schlimmer noch die Werbeplakate der Plattenindustrie, welche sie überall in England mit nassem T – Shirt und darunter vorstehenden Brustnippel zeigte. Zusammen mit ihren Brüdern versuchte sie vergeblich, diese Plakate zu verbieten, doch vergeblich!
Bei ihr waren es eben andere Vorzeichen, Voraussetzungen, wie bei den anderen sogenannten Stars. Sie hatte sich nie als Musikerin, sondern mehr als Künstlerin gesehen, aber nach „Wuthering Heights“ wurde eben alles anders. Die Single landete auf Platz 1 und die danach produzierte LP „The Kick Inside“ (unter anderem mit dem Titel „The Man with the Child in his Eyes“, den sie mit 13 Jahren geschrieben hatte).


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Für England war sie Eine dieser ausgeflippten Späthippie – Ladies. Für den Rest Europas der fleischgewordene Traum Spätpubertierender männlicher Twens (wie damals Fans ab 20 Jahren bezeichnet wurden). Konzerte gab sie ungern, sie hasste sie geradezu...
Starallüren kannte sie dabei überhaupt nicht. Mehr oder weniger hatte sie sich ihre naive, kindliche Unschuld erhalten...
Auch das zweite Album „Lionheart“ war ein rauschender Erfolg, obwohl es leicht kitschiger wirkte als das Debüt. Die elfenhafte, glasklare Stimme , diesmal ohne jeglichen Kiekser, Texte über Hexen, Elfen und Zauberer, Legenden die sich mit König Richard Löwenherz befassten. Aber auch mit Jungmädchen – Problemen wie Liebeskummer, Masturbation, Monatsblutungen und Inzucht. Sexualität junger Mädchen auf dem Weg zur Frau eben.
Wobei mit Sicherheit auch persönliche Erfahrungen einflossen... Irgendwie wurde offenkundig, dass sie selbst ein gewisses Rollenspiel zwischen Kindfrau und Schlampe spielte, wenn sie der Teufel ritt.
Nach diesem zweiten Album fühlte sich Kate ausgebrannt, leer, legte eine längere Pause ein.
Erst mit dem 3. Werk „Never For Ever“ betitelt, beginnt Kate Bush’s zweite Karriere.
Künftig lässt sie sich nicht mehr von Anderen dirigieren, sondern tritt als Co – Produzent ihrer Songs auf.
Die Titel und ihre Inhalte ändern sich, werden realistischer. „Babooshka“ mit klirrendem Glas im Hintergrund. Ein Gewehr – Walzer in „Army Dreamer“. Und wieder Kieks - Rock der bizarr eingesetzt wird (Violin). Qualitativ fast mit dem Debür vergleichbar.
Die 1982 erschienene Platte „The Dreaming“ hält diesen Standard hoch, präsentiert gar Bush – ungewohnte Härte. Ethno Pop, der teilweise überkandidelt klingt, aber komplex überdacht ist. Obskurer denn je.

Bei all diesen „Langzeit – Betrachtungen“ darf man auch den Wandel in der Rockmusik nicht vergessen: Denn da sind inzwischen Hardrock und Mainstream angesagt, blueslastiger Rock und Disco – Anklänge. In England sind es wenige, die ernsthafte Musik machen, Peter Gabriel, Steve Winwood oder XTC ausgenommen. Die Radiosender haben sich mehr oder weniger auf Easy – Listening Musik eingeschossen, wobei eben jene ernsthafte Musik kaum noch im Airplay läuft...

Auch 1985, wo wieder melodischer Gitarrenrock „in“ ist, schwimmt Kate Bush gegen den Strom und veröffentlicht mit ihrem Meisterwerk „Hounds of Love“ eine Scheibe (inzwischen sind längst CDs angesagt), die nahezu gänzlich auf Gitarren verzichtet. Erstmals im eigenen Heimstudio ohne fremde Musiker eingespielt, entstehen Perlen wie „Running up that Hill“ oder „Cloudbusting“. Fremd - Funkelnde Traum – Gebilde mit Rhythmus und federleichtem Gesang. Zugänglich, ber filigran und zerbrechlich – ein echtes


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Kate Bush – Machwerk, wie es nicht schöner hätte sein können...Art – Rock par Exzellente.
Album Nummer 6 erscheint dann erst nach weiteren vier Jahren:
Das 89er Werk THE SENSUAL WORLD.
Sie selbst bezeichnet es als ihr weiblichstes Werk. Tatsächlich ist es ihr konventio -nellstes Album, locker leicht,flirrend, exotisch. Tolle Lieder, aber verdammt nah am Kitsch! Den man bei einem Alter von inzwischen 32 Lebensjahren nicht mehr als kindlich naiv verkaufen kann...

Waren ihre Auftritte in der Öffentlichkeit bisher sehr rar, so taucht sie danach komplett ab, was ihre Plattenfirma dazu animiert, die ersten BEST OF Compilationen auf den Markt zu werfen. Nie ein gutes Zeichen für einen Künstler. Dennoch für viele Fans, die ihre Frühwerke nicht kannten natürlich ein MUSS!

Wir selbst empfehlen THE WHOLE STORY, wenn man bisher wenig oder gar nichts von Kate Bush gehört hat.
Am ausführlichsten dagegen ist die CD Box THIS WOMAN’s WORK, die neben ihren regulären Alben auch unveröffentliches Material wie „December will be magic again“ oder die LIVE EP „On Stage“ enthält.

Totgesagte leben länger, denn noch einmal gibt Kate Bush ihre Visitenkarte ab:
1993, vier Jahre nach dem letzten Studioalbum kommt THE RED SHOES auf den Markt.
Wenn die CD auch über echte Höhepunkte verfügt, so halten sich Qualität und Kitsch doch zu sehr die Waage! Eindeutig der Versuch, „hip“ zu klingen, sich der Zeit anzupassen... So ist der Erfolg. logischerweise auch mehr als mäßig.

Ab da verschwindet Kätchen tatsächlich in der Versenkung und ward nie mehr gesehen.

14 Jahre später, wir schreiben inzwischen das Jahr 2004, taucht ihr Name immer öfters wieder auf. Manche der jungen Gruppen verwenden Teile ihrer Titel als Samples, manche gar als Coverversionen. Plötzlich tauchen ihre alten Songs auch wieder im Airplay auf, werden von den Radiostationen gespielt. Dann die Nachricht, die wie eine Bombe einschlägt im Königsreich: Kate Bush ist wieder im Studio und arbeitet an einem Comeback. Eine Ente? Niemand kann diese Nachricht ernsthaft bestätigen,. aber die Radiopräsenz nimmt dennoch zu.
Als Anfang November 2005 schließlich doch eine Doppel – CD in die Läden kommt, ist die Sensation groß.

Und berechtigt.

AERIAL ist Realität! Nach 15 Jahren Pause doch Neues von der mystischen Elfe mit der so glasklaren Stimme!

Unterteilt in zwei Themen, die da „A Sea of Honey“ und „A Sky of Honey“ betitelt sind. Ganze 16 neue Songs von Kate Bush, aber bei aller Theatralik:


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EMI hätte daraus durchweg nur eine CD machen können – aber so sieht’s halt besser aus und man kann mehr dafür abzocken. Kate klingt reifer denn je, und besser denn je.
Alleine der Opener „King of the Mountain“, womit sie übrigens Elvis meint, ist das Geld wert. Poesie in Musik gegossen, unglaublich sophisticated, grandios. Genial. Musik für den inneren Weltfrieden, Urlaub für die Seele.
Good to have you back again, Kate...


DEEP PURPLE
Rapture of the Deep


Fragt man heute einen Musikfreak nach einer guten, oder der besten Hardrock – Gruppe, so werden meist deren zwei genannt: Deep Purple oder AC / DC! Das bekannteste Rock – Riff aller Zeiten ist nach „Satisfaction“ von den Rolling Stones zweifellos „Smoke on the Water“!
Und von wem stammt das?
A) Beatles B) Heino
C) Frank Sinatra D) Deep Purple???
Gewonnen...

Wir wollen nichts beschönigen, aber aus der Masse jener Gruppen, die sich Hardrock nennen (obwohl dieser Begriff irgendwie out ist), ragen sie immer noch wie ein Fels aus der Brandung – ein Monolith, einfach unzerstörbar.

Seit Ende der 60er Jahre, als man mit „Kentucky Woman“ geschrieben von Neil Diamond, und später mit „Black Night“ bekannt wurde. Damals war die Besetzung noch komplett anders, wurde als MARK I bezeichnet. Aber die Mitglieder waren ohnehin zum Großteil Nebensache. Da waren JON LORD, ein Tastenvirtuose, dem eine Mischung aus Klassik und Rock vorschwebte. Rock, wie ihn damals „THE NICE“ oder „YES“ machten.
Partner und Gegenspieler war RICHIE BLACKMORE, ein ebenso begnadeter Gitarrist, der dem harten Bluesrock den Vorzug gab. Neben der ersten Single setzte sich LORD durch und man präsentierte „The Book of Talisyn“. Ein Album, das nur halbherzig angenommen wurde. Vor allem diese knisternde Live – Atmosphäre kaum herüberbringen konnte.
Beim zweiten Album gelang ein großer Deal: Zusammen mit dem London Symphonic Orchestra entstand die LP „Concerto for Group and Orchestra“. Was doch neugierig machte.
Angesichts der immer noch niedrigen Verkaufszahlen zum heftigen Streit führte.
Diesmal setzte sich BLACKMORE durch, der Sänger Evans und den kompletten Rhythmus ersetzte und mit IAN GILLAN einen unglaublichen Shouter fand. Die Geburt von MARK II. Zusammen schrieb man sieben Songs, die in keiner Plattensammlung fehlen dürfen: „Deep Purple in Rock“. 1970 erschien der 3. Longplayer mit knapp 45 Minuten und wirbelte die Rock – Welt durcheinander.
Die Geburt einer neuen Supergruppe!!!
Es folgte zwei Jahre später „Fireball“ , das Live – Album „Made in Japan“ und 1973 „Machine Head“. Aber auf diesem Live Album war sie er drauf: Die Hymne, der Song, der Gillan in einem Hotel in Montreaux während einer Tour eingefallen war, als er Nachts die Nebel am nahen See aufsteigen sah: „Smoke on the Water“.
Doch der Tour – Stress forderte die ersten Opfer. Roger Glover verließ die Band, Glen Hughes kam, Gillan ging, dafür kam mit David Coverdale erneut ein Shouter erster Güte zur Band.
Die Songs der Gruppe verflachten mehr und mehr, und die neuen Leute konnten noch nichts wesentliches am Sound ändern.
Denn Ritchie Blackmore war der Band längst überdrüssig und verließ 1975 Deep Purple um seinerseits „Rainbow“ zu gründen.
Für ihn wurde der blutjunge Gitarrist der ehemaligen „James Gang“, Tommy Bolin als neuer Mann an Bord verpflichtet.
Rein von der Qualität her waren Deep Purple nun wieder eine ausgesprochene Supergroup, doch musikalisch blieb alles beim alten. Nicht zuletzt, weil Jon Lord seinen


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Führungsanspruch nicht aus den Händen geben wollte, obwohl die Fans Rock forderten.
Da auch Hughes und Bolin gewisse Sangesqualitäten ihr Eigen nannten, gab es kurze Zeit später Differenzen mit Coverdale, der schließlich auch wieder die Edelrocker verließ, und „Whitesnake“ gründete.
Den vorläufigen Schlusspunkt setzte dann der überraschende Drogentod von Tommy Bolin, der zwar erste Marken gesetzt hatte, aber erst nach seinem Ableben und der Veröffentlichung seines ersten Soloalbums „Teaser“ zeigte, wie gut er doch gewesen war, hätte man ihn schalten und walten lassen…
Nach der Präsentation der LP „Come taste the Band“ löste Jon Lord die Formation endgültig Mitte 1976 auf.
Acht Jahre sollte es dauern, bis sie plötzlich wieder da waren! Sensationell in der Ur – Besetzung Lord, Blackmore, Gillan, Glover und Paice. „Man hatte sich eben mir Wehmut an alte Zeiten erinnert“ hieß es. Der Hintergrund jedoch sah anders aus und bedeuteten je zwei Millionen Pfund der Plattenfirma für eine Reunion für mindestens zwei Jahren…
Die Karte zog, war ein Trumpf – Ass!
„Perfect Strangers“ (1984) eroberte die Charts im Sturm, und eine ausverkaufte Welttournee schloss sich an. Doch dabei brachen wieder die offenen Wunden auf, weigerte sich Blackmore, diese „lausige Nummer >Smoke on the Water“< auf der Bühne zu spielen.
Dafür makelte er am neuen Album. zurück nach zwei Jahren in England, herum. Zwar nahm er „The House of Blue Light“ 1986 noch mit auf, ging dann aber ein zweites Mal von hinnen. Wurde von Joe Lynn Turner (ex Slaves & Masters) ersetzt.
Trotz aller Schwüre „Nie mehr wieder Deep Purple“, war er bei den Aufnahmen in München 1993 wieder dabei, als „The Battle Rages On“ entstand.
Die Fans jubelten, denn es schien als ob der alte Geist zurückgekehrt wäre. Tatsächlich schloss das neue Album fast nahtlos an „Fireball“ oder „Machine Head“ an.
Eine weitere Welt – Tournee, wie immer ausverkauft, folgte. Stress total!
Und wieder warf Ritchie Blackmore das Handtuch! Er stieg von einem zum anderen Tag aus. Ende! Für ihn sprang der Gitarrist „Joe Satriani“ ein, eine Koryphäe!
Plötzlich klangen Deep Purple frischer denn je, eine der Liveaufnahmen, die ich im Rundfunk hörte, hauten selbst mich fast vom Hocker.
Leider konnte der aus vertraglichen Gründen nicht bleiben, aber als Vollmitglied kam schließlich „Steve Morse“, einst bei Kansas und Begründer der legendären „Dixie Dregs“, die nur instrumental spielten, aber dabei sensationell gut waren.
Bei „Purpendicular“ 1996 merkte man erste Einflüsse von ihm, denn das Material klang lockerer, erdiger als bisher.
„Abandon“ 1998 geriet gar zum Lieblingsalbum der Musiklehrer: Kraftstrotzender Rock, durchsetzt mit Jazz, Blues und Funk. Ritchie Blackmore ist heute mit seiner Lebensgefährtin „Night“ zusammen und vertont uralten Minnegesang,spielt vorwiegend in Deutschland.
Jon Lord hat seinen Klassik – Wunschtraum auch noch posthum in Erfüllung gehen lassen, indem die Formation noch einmal mit der Royal Philharmonic auftrat und begeistert gefeiert wurde. In Ehren ergraut trat er in aller Freundschaft ab und übergab symbolisch sein Keyboard an den nicht unbekannten Kollegen „Don Airey“ ab, der bei „Jethro Tull“ „Rainbow“ und „Whitesnake“ genügend an Hardrock – Erfahrung sammeln konnte.
So klang das 2003 eingespielte Album „Bananas“ frischer als bisher, machten sich die Einflüsse der Neuen doch sehr bemerkbar.
Nur LIVE sind eben manche Titel einfach nicht mehr so einfach zu reproduzieren, aber die Auftritte sind ohnehin sehr selten geworden. Kein Wunder angesichts der Konzerte, welche die alte Garde bereits auf dem Buckel hat.
Die Titel des neuen Albums wirken dagegen bei weitem nicht ganz so frisch und spontan, obwohl sie keineswegs schlecht sind.
Nach den obligatoirischen drei Pflicht – Durchläufen (plus Bonus) sind es drei Titel, die bei mir (vorläufig) hängen geblieben sind. Der Opener „Money Talks“, der in gewohnter Manier Dampfhammer – mäßig losmarschiert.
Dann der Titelsong „Rapture of the Deep“ Und “Don’t let go”, auch mehr ruhiger, Blues -lastiger gehalten. Aber wie gesagt: Sie ragen aus der breiten Masse heraus wie der Fels in der Brandung…


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DEPECHE MODE
Playing the Angel


Depeche Mode begannen als Hardrocker, tauften ihren Namen 1980 nach einem französischen Modeblatt um, und wechselten mit einem neuen, braven Outfit auch ihren Musikstil. Mastermind Martin Gore hatte sich längere in Berlin aufgehalten und sich von deutschen Klängen a la KRAFTWERK oder den EINSTÜRZENDEN NEUBAUTEN inspirieren lassen, ähnliche Musik zu machen.
Von da ab verbannten Gore, Andy Fletcher, Vince Clarke und Dave Gahan die Gitarren weitgehend in den Hintergrund und ließen Tastenmusik erklingen. „Musik für die Massen“ wollten sie machen, und die ersten Erfolge gab ihnen Recht.
Für die englische Fachpresse waren sie die putzigen Teeniepopper von nebenan, „die so klangen, als ob ULTRAVOX im Vollrausch Kraftwerk – Titel falsch spielten“.
Für diese Magazine war es clevere, propere Langweile, Musik, als ob sich männliche Friseur – Modelle plötzlich der Musik zuwendeten…
Die Fans waren da anderer Meinung.
Bereits nach einem Jahr verließ Vince Clarke die neuen Popsterne um mit Alison Moyet YAZOO zu gründen. Später sollte er zusammen mit David Bell als ERASURE noch mehr Hits verzeichnen…
Er wurde durch Alan Wilder ersetzt.
Mit zahlreichen Hits ausgestattet ging man auf Tournee, deren Auftritte immer bombastischer wurden.
Auch die bisher so banalen Songtexte gewannen an Tiefe und wichen mehr und mehr zu sexuellen Anspielungen und psychischen Problemen. Auch optisch zeigte Depeche Mode Flagge, änderten ihr Aussehen. Früher adrett und nett, so sah man sie jetzt mit Bärten, langen Haaren und teilweise in Lederklamotten, welche harte Jungs darstellen
sollte. Bei Musikkritikern blieben sie nach wie vor unbeliebt. „wie ein Soundtrack zu einer hippen, schwarzen Eleganz. Zeitgeist im coolen Design und lächerlich banalen Texten“.
Aber auch bei den Musikern vermehrte sich diese arrogante Langweile, die nur noch aus Schicki - Micki Drogen, Sex, Parties und Alkohol bestand.
Nach 15 Jahren ihres Bestehens, schnitt sich Martin Gore die Pulsadern auf, wurde zwar gerettet, verbrachte aber die nächsten Monate in einer Entziehungsklinik.
Womit auch das vermeintliche Ende von Depeche Mode eingeläutet wurde…
Als man mit „Ultra“ zwei Jahre später, im Jahr 1997 ein Comeback versuchte, blieb dieses Vorhaben jedoch im Ansatz stecken. 2001, wiederum vier Jahre später waren Gore, Gahan, Fletcher und Wilder erneut zurück:
Zwischenzeitlich hatte es mehrere Best – Of und Single – Compilationen gegeben, welche nach all den Jahren plötzlich „in“ waren, in den Longplayer – Chartd erneut Einzug hielten. Im Nachhinein erklärte man ihre Musik doch als genial, als Pioniertat der 80er Jahre.
„Exiter“ selbst bestand vorwiegend aus düsteren Klangbildern, die sich vereinzelt zu Titeln formierten, mehr jedoch nur als Ganzes funktionierten.

„Playing the Angel“ Ende 2005 ist dagegen ein anderes Kaliber: Härter, hektischer und doch melodiöser, wuchtiger. Hat vom Potential her doch vier bis fünf Titel, die gar Hitparaden – tauglich sind. „Vive la Difference“ – es lebe die Abwechslung! Eine Blutauffrischung, die uns allerdings gut tut: Von einem Sound der ersten Dekade 2000 zu sprechen ist unmöglich. Zu unterschiedlich die Strömungen, oft statisch, langweilig. Dort Folkrock, der leider in letzter Zeit doch sehr zahnlos daherkommt, Cover – Versionen von wirklich guten Titeln, für die sich Leute wie ich, die das Original noch liebten fast schämen müssen. Oder Hitparadenfutter, welches zwischen damals und heute nahezu keinen Unterschied macht. Alles schon Mal da gewesen!
Wen wundert es da noch, wenn bei den Kids nicht nur die 70er und 80er Jahre angesagt sind, sondern inzwischen auch die 60er zum gefragten Sammel - Objekt werden???


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Qualität von 60jährigen Stars höher gewertet werden, als Musik von jungen Gruppen? MICH NICHT!!!


NEIL YOUNG
Prairie Wind

Eine neue CD von Neil Young – und fast keine der einschlägigen Musikzeitschriften erwähnt sie, nimmt von ihr Kenntnis!
Gut, der Maestro ist inzwischen 60 Jahre jung geworden, klingt aber nach wie vor so genial wie er das vor 40, 30, 20 oder 10 Jahren geklungen hat. Was nicht etwa mit Langweile zu erklären wäre. Young bleibt Young, sich selbst treu. Machte schon Punk, als man den Begriff noch gar nicht kannte (Landing on Water). Nahm selbst mit PEARL JAM, deren Großvater er hätte sein können, ein Album auf (Mirror Ball) oder wirkt auf Scheiben seiner jüngerer Kollegen mit. Immer für eine Überraschung gut. Seine Lyrics machen Sinn, geben was her. Handeln von Politik, sozialen Missständen, dem harten Leben der Farmer, von einfachen Leuten eben. Von Truckern, Gangstern, Banditen und Huren. Problemen, die jeder hat, Geschichten die jedem passieren können.
Kleine vertonte Kurzgeschichten, mal nur mit akustischer Gitarre, mal knallhart (wo er sich meist seine Stamm – Band CRAZY HORSE ins Studio holt).
Legendär seine Live – Auftritte. Ausufernde Hardrock – Sequenzen mit Überlänge…
NEIL YOUNG.
Mitbegründer der „Buffalo Springfield“, eigenwilliges Mitglied von „Crosby, Stills & Nash“, die bei seiner Anwesenheit seinen Namen noch dranhängten. Was aber leider nur sporadisch erfolgte – eben wenn er dazu Lust verspürte mit seinen Kumpels zu spielen. Lieber bewahrte er sich seine Eigenständigkeit.
Seine Musik ist und war Generationen – übergreifend, denn egal wie jung oder alt man
war, Neil Young mochten alle Fans, hatten mindestens ein, zwei Platten in ihrer Sammlung (bei mir sind es weit über 20).
„Prairie Wind“ wird inzwischen von den Plattenfirmen als 3. Teil der HARVEST – TRILOGIE beworben. Was zwar gut klingt, aber meiner Meinung nach nur ein Werbetrick sein sollte. Neil singt mit keinem Wort davon, erwähnt die Sache auch in keinem Interview. Dazu passen würde sie jedoch schon!
HARVEST, 1972 erschienen, drehte sich schematisch um das Leben der Farmer, welche die Ernte vom Feld einholen. Ein ruhiges, aber dennoch aufwühlendes Album – und eines seiner erfolgreichsten. HARVEST MOON, 1992 erschienen, ist quasi die Fortsetzung, wobei natürlich auch neue Techniken zum Einsatz kommen, aber dafür die Ernte selbst mit modernen Umweltproblemen belastet sind.
Hier kennt sich Mister Young selbst gut aus, denn auch er besitzt eine größere Ranch im Süden. Hier lebt er mit ähnlichen Problemen wie seine Kollegen, aber hier lässt er auch die Seele baumeln, kann sich voll vom Tour – Stress erholen, ist dabei fast selbst zum „Landei“ geworden.
Auf „Prairie Wind“ jedoch geht es um das altern , um die besten Jahre eines Mannes, der Abend verträumt bei einem Glas sitzt, sein Leben Revue passieren lässt. Um Freunde, die längst nicht mehr da sind, um Frau und Kinder und der Hoffnung, sich noch lange daran erfreuen zu können…
Dabei muss man nicht unbedingt fließend englisch sprechen, um seine Texte zu verstehen – das erzählt uns gefühlsmäßig die Musik, die gesamte Stimmung – die alles Andere als senil oder hoffnungslos klngt.
Ein stilles, aber feines Werk.

Natürlich könnt Ihr alle hier besprochenen CDs günstig bei AMAZON erwerben. Dort habt Ihr auch die Möglichkeit, in jeden Titel für 15 – 20 Sekunden hinein zu hören – und über mehrere Rezensionen Euere eigene Meinung zu bilden Ihr findet den Button von AMAZON auf unserer Startseite…


Lauschgift 17  (Seite 8 von 14)
THE STROKES
First Impressions of the Earth










Es duftete nicht mehr nach „Teen Spirit“, als die „Strokes“ auftauchten, und offene Türen einrannten.
Kurt Cobain hatte sich erschossen, der „Grunge“ starb mit ihm, denn er ebbte mehr und mehr ab.
So suchten die Plattenfirmen nach neuen Helden und wurden bei den New Yorker Musiker fündig. Denn die hatten es verstanden, eine Brücke zwischen ehemaligem Grunge – Rock und dem Gitarrensound der späten 70er zu schaffen – einer der erfolgreichsten Epochen des Business.
Und siehe da: Die Mixtur hielt was sie versprach, Die Musik kam an und die STROKES waren die neuen Könige der US – Album Charts.
Doch schon mit dem zweiten Longplayer lösten sie Verwirrung aus, schufen das fast exakte Abziehbild ihres Debüts. Einige liebten es, doch die meisten Fans rümpften das Näschen. Zu langweilig, zu oberflächlich, überflüssig…
Auch dem dritten Machwerk ging es nicht besser, und so verschwanden die Herren Cascablanca, Fraiture und Albert Hammond Jr. (böse Zungen behaupteten, dass ohne bei dem Letztgenannten ohne den Namen seines Vaters gar kein Deal möglich gewesen wäre) wieder irgendwo im Niemandsland der Eintagfliegen.
Aber statt sich aufzulösen machte man verbissen weiter – wie es einst auch GREEN DAY taten.
Nach deren „Dookie“ von 1994 rutschten diese auch in den Keller, nur dauerte es bei ihnen länger, bis sie ganz Unten ankamen. Dafür feierten sie neun Jahre später ein grandioses Comeback mit „American Idiot“. Wie? Indem sie ihren Sound radikal veränderten und von
der Garagen Rock Punk Grunge Schiene absprangen um ernsthafte Musik zu machen.
Auch die Strokes gingen diesen Weg, peppten ihre Musik mit Versatzstücken und Retro – Elementen auf.
Ein bisschen Queen, U2, Thin Lizzy und Pop a la Albert Hammond oder gar Barry Manilow, paarten sie mit ihrem Garagenrock und kamen auch auf die Nummer 1 der Hitlisten.
Dabei klingt die Sache dennoch schlampig, ein wenig oberflächlich, aber bei der Konkurrenz die sich da heute als Rocker bezeichnen, genügt das voll und ganz aus. Zwar irgendwie cool, aber beileibe nicht das große Big Thing…


WE ARE SCIENTISTS
With Love and Squalor

Wer jetzt der irrigen Meinung wäre, mit Deep Purple und Strokes über harte Musik zu lesen und zu hören, dem sei jetzt dieses New Yorker Trio zu empfehlen.
Da lohnt sich fast die Anschaffung eines guten Kopfhörers, wenn nicht vorhanden, kann man Mami immer noch zum Tupper – Abend und Pappi zum Stammtisch zu schicken.
Hier heißt es „Pegel hoch“ und „Gas geben“!
Ganz einfach krachen lassen, denn diese drei Burschen machen es auch, und klingen auch noch ehrlich dabei.
Da ist alles eingepackt: Groove, Funk, Punk, Metal oder Indie – Sound. Die Zutaten gereift und überbacken.
Wenn hart – dann bitte nur so, denn die drei Spaßvögel Keith Murray, Chris Cain und Michael Tapper haben selbst viel Spaß, ihre Musik zu machen, was man deutlich hört.
Hart heißt hier übrigens nicht, auf rhythmische Goodies oder Refrains verzichten zu müssen.
Und seltsam: Je öfters man die 12 Titel hört, desto besser werden sie – wenn das nichts ist.
Was sagt der alte Musik – Indianer – Häuptling noch dazu: Es gibt noch eine Zukunft nach der Zukunft.
„Hugh, ich habe gesprochen..!


Lauschgift 17  (Seite 9 von 14)
DONALD FAGEN
Morph the Cat


Würdet Ihr eine CD kaufen, die ich als „kühle Eleganz, glatten Rock – Blues, futuristischen Klängen, arrogant unmutenden Big – Band – Sound und lässigen Jazz – Rock Einflüssen, bezeichnen würde?
Noch dazu, wenn der Sänger dieser Suppe ein dünnes Stimmchen hat? Nein? Ihr solltet es dennoch tun! Denn sonst würdet Ihr eine der seltenen Sternstunden der Musik verpassen, Euch zum Heer der Unwissenden werden lassen…

Dazu müsstet Ihr allerdings erst einmal wissen, wer dieser Donald Fagen überhaupt ist.
Wollt Ihr mich ins Jahr 1972 begleiten? Gut, Zahnbürste dabei?

Der Plattenmajor ABC Records suchte für ein Musikprojekt einen geeigneten Musiker und bat zum Vorstellungsgespräch. Natürlich war die Auswahl groß, aber an wirklichen Multi – Instrumentalisten war der Markt doch ziemlich rar. Man wurde fündig, aber hatte die Qual der Wahl zwischen WALTER BECKER und DONALD FAGEN. Zwei Hochkaräter die in ihrer Musikmeinung doch überraschend auf einer Linie lagen, auch wenn sich die Plattenbosse eine völlig anderen Musikstil vorgestellt hatten.

Anstelle das Los entscheiden zu lassen, kam man auf die glorreiche Idee beide Musiker sich gegenseitig beschnuppern zu lassen, und auf das Ergebnis zu warten.

Nun, die Sache war nicht so einfach. Beide trafen sich, fachsimpelten, spielten und stritten miteinander. Trafen sich erneut, stritten abermals. Plötzlich harmonierten sie zusammen und schrieben in Rekordzeit an die 15 Titel. Zunächst herrschte Enttäuschung bei
ABC, doch dann ließ man Beide mit Sessionsmusiker ins Studio.
Das Ergebnis war erstaunlich! Musik wie von einem anderen Planeten aus einer anderen Zeit, gemischt mit sämtlichen Stilrichtungen der Gegenwart. Jetzt war man absolut überzeugt und begeistert. Nur über den Namen, den sich die Beiden geben wollten nicht: STEELY DAN.
Im prüden Amerika sich nach dem Kultbuch von Drogenfreak William S. Borroughs Naked Lunch, zu nennen, bei dem ein künstlicher Dildo beschrieben wurde. Beide blieben hart, so - oder gar nichts.

„Can’t buy a Thrill“ erschien und eine Single mit dem Titel „Do it again“.

Löste fast einen Boom aus, verkaufte sich sensationell.

Worauf Becker und Fagan plus Studiomusiker erst Mal auf eine sechswöchige Tournee geschickt wurden.

Die Kritiken waren zwiespältig: „Die neue Tanzband - Alternative zu Slade“, „Grateful Dead mit bösen Vibrationen“, „der Unilever – Konzern unter den Rockbands“ bis hin zu „“die definitive Großstadtmusik“…
Tatsächlich verschmolzen Becker und Fagen zusammen mit Begleitband stilistisch Rock, Reggae, Jazz und Funk mit Beatles –Melodik und Harmoniegesängen, wie man sie von Crosby, Stils, Nash & Young kannte.

Allen Kritikern zum Trotz erschien nach der Tournee ihr zweites Album „Countdown to Ecstasy“. Sie selbst hatten kein gutes Gewissen dabei, fiel es doch etwas ab.
Doch es verkaufte noch mehr als die Debüt – LP!
Derart gestärkt, packte man noch mehr Jazz auf Scheibe Nummer 3: „Pretzel Logic“.
Jetzt begann auch Europa aufmerksam zu werden und nach ihren


Lauschgift 17  (Seite 10 von 14)
Platten zu fragen. „Katie Lied“ 1975 und „The Royal Scam“ 1976 verschaffte ihnen endgültig das Ticket in den Rockhimmel und man wurde mit Gold und Platin förmlich überhäuft, obwohl ihre Texte immer bissiger und zynischer wurden.
1977 dann der Multi – Millionen Seller „Aja“, wonach man eine längere Pause plante.



Auch die Musiker selbst hatten sich in all den Jahren verändert. Alkohol und immer wieder Drogen aller Art.
So handelte sich das 1980 erschienene Album „Gaucho“ nur um drei Sachen: Kokain und Kokain und Kokain.
Auch Gaucho wurde ein Meisterwerk, auch, oder gerade weil die Musiker bei deren Arbeit daran niemals mehr von ihrem Zug herunterkamen…
Als dann Walter Becker damit begann Heroin zu konsumieren, trennte man sich in aller Freundschaft. Das Ende von Steely Dan.
Geld hatten sie in diesen knapp acht Jahren genug geschaufelt, um damit mehrere Leben lang sorglos in Saus und Braus leben zu können…

Wäre da nicht Fagen’s Ehrgeiz gewesen, hätte es wohl kaum dazu kommen können, dass er danach die Möglichkeit nutzte, sein erstes Soloalbum zu produzieren!
„The Night Fly“ klang härter und packender, nicht ganz so auf Perfektion gedrillt, wie es die Steely Dan Produkte geworden waren: Schillernde kühle,
elegante Kunstwerke, die fast zu schade waren, als Musik bezeichnet zu werden. Das war 1982. Die Jahre verstrichen und Steely Dan’s Ruhm verblasste mehr und mehr. Der Musikgeschmack hatte sich längst verändert, die alten 30 cm Platten von früher wichen mehr und mehr dem neuen Medium CD, der CompactDisc, die nicht nur fast 80 Minuten Spieldauer brachte, sondern mit einer ungeahnten Klangfülle begeisterte. Auch wenn sich die Geister daran schieden. Hin und wieder tauchte auch eine ehemalige LP von Steely Dan auf dem Markt als CD auf – und offenbarte einen ungeahnten Klanggenuss.
Obwohl die Quelle auch nur aus den alten Mutterbändern bestand, so tauchte man doch in neue Dimensionen ein.
1993 passierten dann zwei Sachen gleichzeitig: ABC bat Becker und Fagen ins Studio, um bei der Produktion des CD – 4er Packs „Citizen“ zu helfen, die digital komplett neu abgemischt wurde. Als beide sich dann wieder im Studio nach fast dreizehn Jahren trafen (sie waren auch Tausende Kilometer geografisch voneinander entfernt), war Fagen doch über den gesundheitlichen Zustand seines ehemaligen Partners sehr erschrocken.
Die Drogen hatten ihre zerstörerische Wirkung doch deutliche Spuren hinterlassen.
Die Arbeit an „Citizen“ dauert fast einen Monat, da hin und wieder Neueinspielungen nötig wurden. Das Ergebnis jedoch war mehr als brillant! Die Plattenfirma bettelte zwar, aber Becker blieb hart, wollte das Kapitel STEELY DAN ein für alle Mal ruhen lassen…
Flog zurück ins sonnige Kalifornien. Dafür ließ sich Fagen dazu überreden, ein zweites Soloalbum einzuspielen.
Ein Konzept, eine Science – Fiction Story hatte er lange Zeit im Hinterkopf mit sich hergetragen.
So erschienen „Citizen 1972 – 1980“ plus eine neue Donald Fagen – CD 1993 fast gleichzeitig. Fagens Werk war ein futuristisches Design, eine kleine vertonte SF –


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Fabel, die völlig überraschte, und sich auch so verkaufte: „Kamakiriad“ Danach kehrte wieder Ruhe ein im Steely Dan – Universum. Die Ruhe dauerte bis zum Jahr 2000.
Donald Fagen hatte jede Menge Songs komponiert, hatte zu Becker immer noch Kontakt, und flog so nach Kalifornien, wo er seinen Freund und Partner besuchte.
Es waren lange Gespräche, California Nights nötig, bis er ihn überreden konnte, mit ihm nach New York zurück zu fliegen, wo Beide zur Überraschung der ABC Bosse auftauchten, und verkündeten, eine neue CD einzuspielen zu wollen.
Auch Becker hatte ein paar Titel in Petto, und so spielte man „Two against Nature“ relativ schnell ein.
Der Erfolg war Balsam für Becker’s Seele, denn auch er hatte einige Alben veröffentlicht, die allerdings doch zu konfus und schwer konsumierbar waren.

2003 flog Fagen erneut nach Kalifornien, wo man sich dort in ein Studio begab, um die vorerst letzte CD aufzunehmen: „Everything must go“. Gespickt mit Metaphern über Gesundheit und dem Altern…

2006 jetzt das dritte Solowerk von Donald Fagen: „Morph the Cat“, Womit Drogen genauso gemeint sein können, wie auch gewissen Arten der Formen – Lehre.

Ein Album, welches man einfach lieben muss, egal ob man Jazz – Rock mag, oder nicht – aber diese Gratwanderung kennen wir ja von allen Steely Dan Scheiben. Ein Meisterwerk. Erst Glockenspiel, dann setzt ein Bass ein, Bläser, ein Saxophon wimmert, und tauchen diese flirrenden Töne auf, das der
Fender Rhodes und Schlagzeug und Gitarre folgen. Ein Kennzeichen, im richtigen Film zu sein.
Schließen wir die Augen und lassen den Text über uns ergehen: Ein New York mit glitzernden, funkelten Siluhetten, regennasse Straßen, Leuchtreklamen von Bars, Sexshops, Spieltischen und langen Tresen. Weiber, Huren. Königinnen der Nacht, die in wenigen Stunden im Morgengrauen verschwinden, wieder zum Bollwerk des tosenden Verkehrslärm werden. Big Apple, New York. Real Life…

ROBERT PLANT And The STRANGE SENSATION
Mighty Rearranger


Er gründete zusammen mit dem Ausnahme – Gitarristen JIMMY PAGE, dem Bassisten JOHN PAUL JONES, und dem Schlagzeuger JOHN BONHAM eine Gruppe, die bald in aller Munde (und Ohren) war.
Bereits mit dem ersten Album „I“ betitelt, füllten sie jene Lücke, die CREAM mit ihrer offiziellen Auflösung und der Abschieds – LP „Goodbye“ hinterlassen hatten. Ihr Sound war hart, pures Adrenalin. Erst wesentlich später wurden sie als die Väter des Heavy Metal bezeichnet, das Quartett LED ZEPPELIN! „Communication Breakdown“ war ein Klassiker, der nur davon übertroffen wurde, als die gesuchte Person das Wort in der Zeile „Woman I need is „L O V E“ interpretierte.
Das Wort Love schrie er hinaus, hoch, schrill, laut – und hielt über 30 Sekunden den Ton!
Ein Phänomen, welches ROBERT PLANT hieß, Sänger der Band, und von da an charismatischer Frontmann…
Noch ein Titel, der immer wieder als beste Single aller Zeiten gilt, hat er zusammen mit Page geschrieben und gesungen: Dieses magische Stück „Stairway to Heaven“ über 7 Minuten lang…


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Von 1969 bis 1979 entstanden 8 Studioalben, ein Live – Album plus eine Review über die Titel, die nie auf Scheiben erschienene Titel, CO/DA betitelt.

Doch da existierten LED ZEPPELIN nicht mehr. Nachdem schon „Presence“ in den Ohren der Kritiker mehr als bescheiden klang,

zerriss man „In through the Outdoor“ förmlich in der Luft. Empfahl gar, das Cover als Duschhaube zu verwenden, weil es dann in verschiedene Farben wechselte. Keine Frage: Aus den Erfindern des Heavy Metal waren Dinosaurier geworden, die (vorerst) niemand mehr sehen und hören wollte. Drummer John Bonham soff sich auf einer Party förmlich zu Tode: Danach kam man auf 26 Wodka. Mit dem Bassist John Paul Jones hatte man sich schon vorher unversöhnlich zerstritten.
Und so kam das Ende von LED ZEPPELIN, was doch irgendwo voraussehbar war. Die Zeiten hatten sich verändert, andere Musik war gefragt (Disco, und Mainstream, würg). Jimmy Page nahm Soloscheiben auf, war kurzweilig Mitglied bei THE FIRM und den HONEYDRIPPERS, nahm zusammen mit David Coverdale eine LP auf. Auch Plant war bei dem Honeydrippers – Konzept dabei, hatte aber immer mit einer neuen
Formation den Fuß in der Tür, mit „29 Palms“ gar einen Chartbuster.
Zwischen 1988 und 1998 entstanden so drei Alben, die aber außer den 29 Palms keinen weiteren großen Hit abwarfen. Vielleicht lag es auch an den stets wechselnden Musikern, die für diese Projekte für jeweils ein Werk gewählt wurden. 2003 schloss Plant dieses Kapitel ein für alle man ab – und präsentierte eine Doppel CD mit dem Titel „66 to Timbuktu“ – ein Best Of Ding, welches allerdings deutlich machte, welch Klasse er immer noch besaß.
Zwischenzeitlich kam es ständig vor, dass die Fans an eine bevorstehenden Reunion von Led Zeppelin glaubten. Womit sie gar nicht so falsch lagen: Atlantic plante, die ungeheuere Popolarität und Beliebtheit der Urväter des Heavy Metal zu nutzen und sämtliche Werke in digitalisierter Form noch einmal auf CDs zu veröffentlichen. Großen Wert legte man dabei auf die Qualität, denn diese Vitalität, diese unglaubliche Power von „Zep“ war zur damaligen Zeit nur bei Live – Gigs zu erahnen.
Page und Plant bestanden darauf, das Konzept und die Durchführung selbst in die Hände zu nehmen, sonst hätten sie niemals zugestimmt. Bassist Jones wurde zwar eingeladen, erschien aber nicht, zu groß waren die Zwistigkeiten gegenüber Page und Plant.
So erschienen zunächst sämtliche Platten im verkleinerten Originalcover in bestechender Qualität. Um auch neue Fans zu gewinnen wurden zusätzlich zwei CD – Boxen aufgelegt: Eine Doppel CD, sowie eine 4-fach Box. Edel, teuer, aber verdammt gut! Allerdings stiftete man mit den 2er und 4er Boxen auch ziemlich Verwirrung. Käufer der 4er Box glaubten, eine erweiterte Doppelbox gekauft zu haben – und die wiederum glaubten, eine Best Of Box erworben zu haben, die als Luxux - Ausgabe nur eben ein paar zusätzliche Takes enthielt…
Weit gefehlt!: Nur wer alle beiden Boxen kaufte, hatte wirklich fast alles von Led Zeppelin.

Doch bei Page sowie Plant war wieder dieses Feeling zurückgekehrt, dieser berühmte Funke.


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1994 ging man gemeinsam ins Studio und spielte „No Quarter“ ein – 14 Led Zeppelin Titel in völlig neuem Gewand! Unter der Mitwirkung von afrikanischen und asiatischen Musikern entstanden so Ethno – Klänge, deren Ursprung erst nach dem zweiten oder dritten Hören bewusst wurden.

Die Resonanz war gespalten. Da Jubel, dort Enttäuschung. 1998 dann doch noch ein weiteres gemeinsamen Werk: „Walking into Clarksdale“ – und das klang schon verdammt nach der Original Gruppe.
Danach ging man wieder getrennte Wege.
Plant spielte eine CD mit Klassikern der Rockmusik ein. Teils nicht sehr bekannte Titelm und sehr eigenwillige Interpretationen wie „Hey Joe“, „Red Dress“, „Morning Dew“ oder Dylan’s „One more Cup of Coffee“.
Viel Kritikerlob, aber wenig Umsatz!!!
Plant dagegen spielte eine LIVE – Doppel – CD mit den „BLACK CROWES“ ein, die ihn als großes Idol sahen. „Live at the Greek“ war ein gigantisches Dokument zwischen 70er Jahren und dem so genannten Retro – Rock der 90er.

Doch LED ZEPPELIN ist nicht tot – ist immer allgegenwärtig!

So erschienen lange nach ihrem Split so edle Scheiben wie „The BBC – Sessions“ eine unglaublich gut aufgenommene Scheibe, welche als absolutes Schmankerl gilt (Die BBC nahm damals mit mehreren Gruppen Live – Alben auf, die in dieser Form nur in den Archiven des Radio / Fernsehsenders lagern…

Plus „How the West was Won“ - Tapes von einer US – Tournee, die aus irgendwelchen Quellen auftauchten, aber sensationelles Material enthielten (wie zum Beispiel „Whole Lotta Love“ in einer Version über 23 Minuten!)
2006 – Robert Plant nimmt mit der CD „Mighty Rearranger“ erneut einen Anlauf, fühlt sich mit seinen 58 Jahren immer noch topfit, auch wenn er etwas füllig geworden ist. Schon seltsam: Da werden Musiker teilweise kugelrund, aber die Stimme ändert sich dabei überhaupt nicht.
Diesmal spielt er offiziell mit Band, den STRANGE SENSATIONS, mit Musikern die nicht nur seine eigenen Kinder, sondern auch als Enkel durchgehen könnten. Auch die Titel selbst schreibt er nicht mehr im Alleingang, sondern als gemeinsames Bandprojekt. Ähnlich wie bei Page erinnert die Sache an: Retro – Rocker spielen mit dem Idol ihrer Kindheit, oder derer ihrer eigenen Väter. Doch hier prallen keine Welten zusammen, sondern ergänzen sich wie die berühmte Faust aufs Auge!
Die Kritiker nahezu aller Musikzeitschriften überschlagen sich fast mit lobenden Worten.

Sprechen über das beste Album seit Led Zeppelin’s „Physical Graffitti!“

Nun, entscheiden werden wie immer die Fans, die Konsumenten.
Ganz unrecht haben die Kritiker zum Glück nicht: So besticht der „Mighty Rearranger“ mit schleppenden, zähem Bluesrock, der tatsächlich an die besten Zeiten der „Zep“ erinnert. Vertrackte Tempowechsel, unerwartete Breaks. Schon wirklich vom Feinsten!!!
Die STRANGE SENSATION sind: John Baggot, Clive Deamer, Justin Adams, Skin Tyson und natürlich Robert Plant.

Namen, die man sich vielleicht schon Mal merken sollte…



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RED HOT CHILI PEPPERS
Stadium Arcadium


Immer dann, wenn sich eine Band dazu entscheidet, ein Doppel – Album aufzulegen, riecht es entweder nach Auflösung, Selbstüberschätzung, oder den musikalischen Wendepunkt einer Gruppe. Nicht wenige, die damit total Schiffbruch erlitten haben und anschließend vom Fenster weg waren…

Fast unmöglich, eine Double CD ohne Füllmaterial zu gestalten, ein Ding völlig ohne Schwachstellen, welches nicht beim kompletten Durchhören langweilig wird. Vor allem lässt dabei die Konzentration der Hörer stark nach. Besser also, wenn man gleich darauf verzichtet!

Im Fall der „Red Hot Chili Peppers“ liegt die Ursache jedoch ganz wo anders: Da wollte Warner neues Material haben – und bekam gleich an die 28 frische Titel vorgelegt. Gut, daraus hätte man die Besten wählen können, aber was nimmt man, wenn alle Songs durchwegs alle gut sind?

Irgendein Verkaufstratege kam auf die Idee, aus diesen Titeln drei Alben zu basteln - und diese im Abstand von etwa 6 Monaten jeweils als Einzelnes Werk zu verkaufen. Wogegen die Band aber Einspruch erhob. Entweder komplett oder gar nicht!

So kam’ s dass die staunende Musikwelt jetzt zu einem fulminanten Feuerwerk an absolut geilen Titeln kommt, ohne mit einem der typischen Lückenfüller belästigt zu werden.

Da sind sie, die Titel die wir an den „Peppers“ so lieben: Knackiger Funk, brennende Gitarrensoli, schmachtende Balladen und vertrackte Querschläger´, Songs deren wilde
Herbheit sich erst nach mehrmaligen Hören öffnet, wie eine seltene Blume. Über zwei Stunden Musik vom Feinsten, unterteilt in die beiden Silberlinge „Jupiter“ und „Mars“. Und garantiert keine Langweile…
Apropos Doppel – Album: Da haben die Herren Anthony Kiedis, John Frusciante, Flea und Chad Smith ohnehin keine Berührungsängste, war ihr großer Durchbruch auch ein doppeltes Werk: „Blood, Sugar, Sex, Magik (mit der Single „Under the Bridge“) – 1991 produziert von „Rick Rubin“, den sie sich auch diesmal ins Studio holten.
Kein schlechtes Vorzeichen für die Formation, die sich 1978 auf der High School gründete, und nach vielen Jahren fast wieder in der Originalbesetzung spielt, immer mit verrückten Ideen aufwartete. So trat man gar einmal nackt auf, bekleidet nur mit einem Söckchen über den Schniedelwurz.

Das muss damals auch Deutschlands Topmodel Heidi Klum gefallen haben, denn sie hatte eine kurze, aber heftige Liaison mit Kiedis, der bei der Vorstellung bei ihren Eltern allerdings leicht aus dem Rahmen fiel.

Worauf Heidi dem Red Hot Chili Leader nach Hause schickte und danach den farbigen Schmuserocker „Seal“ kennen und lieben lernte. Aber das gehört ja nun wirklich nicht hier her…

Nicht vergessen: ALLE CDs gibt’s bei AMAZON – einfach auf den Button der Startseite drücken und zu Musik gehen.

Viel Spaß!



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