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26.06.2017 - 07:18 Uhr
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Artikel über BUNDESLIGA EXTRA: Unser Glubb
1. FC NÜRNBERG

Über den „Glubb“, „Den Ruhmreichen“ oder einfach nur „Club“, könnte man ein, zwei Sonderausgaben erstellen, ohne alles dabei gesagt zu haben. Es gibt so viel zu berichten, egal ob Rekorde oder Skandale. Anekdoten die nur Insider kennen, aber nie richtig ans Tageslicht kamen…


Mit 9 (!) Deutschen Meisterschaften war der Verein über 60 Jahre lang der Rekordmeister im Deutschen Fußball, bis ihn ausgerechnet sein Intimfeind Bayern München ablöste. Rivalität herrschte schon in früher Zeit zwischen den Beiden, auch wenn das Verhältnis zum Erzrivalen mehr oder weniger eine Art Hassliebe darstellt.
Zu den Meisterschaften gesellten sich noch drei Pokalsiege. Dazu kamen unwichtige Titel, wie die Bayerische Meisterschaft und sieben Mal die Süddeutsche Meisterschaft.
Zahlreiche Fußball - Legenden und Nationalspieler wie Heiner Stuhlfauth, Max Morlock, Wabra, Strehl, Brungs, Wenauer, Ferschl, Reisch, Hilpert, „Schorsch“ Volkert, Luggi Müller, Cebinac, Andreas Köpke, Dieter Eckstein, Stefan Reuter, Frank Baumann, Dieter Nüssing, Stefan Kießling oder Rafael Schäfer und und und. Unmöglich, sie alle zu nennen!
Dazu unvergessliche Spiele, der erste Trainer -Rauswurf in der Geschichte – nur einer von 54 Fußball – Lehrern die in dieser Zeit kamen und gingen.
Die einzige Mannschaft, die den traurigen Rekord hält, als Meister eine Saison später abzusteigen.
Neid und Intrigen, Vetternwirtschaft. Vorstände, die in Brasilen Urlaub auf Clubkosten machten, und in den teuersten Lokalen auf Spesen schlemmten. Verbotene Handgeld – Affären und schwarze Kassen.
Wichtigtuer, welche den Verein ausnutzten nur um selbst Kohle für sich zu machen.
Es gibt viel zu erzählen – packen wir’ s aus…

Doch wollen wir zunächst über den Sport reden:

Der Auftakt in die ersten Bundesligajahre endeten für den Glubb mehr oder weniger enttäuschend. Zumindest was seine Klasse betraf. Zweimal Rang 6 waren in der Endabrechnung das Maximalste.

Dann kam Wundertrainer Max Merkel und ließ die Peitsche knallen.
In der Saison 1967 / 68 setzte er nur 15 Spieler ein, und holte mit Zuckerbrot und Peitsche die neunte Meisterschaft an die Noris.
Egal was man vom Österreicher auch hält: Er war der Vorreiter von neuen Trainingsmethoden und Motivationskünsten.
So ließ er im Sommer bei über 30 Grad im Schatten, der Mannschaft in der Pause eine heiße Fleischbrühe servieren, damit sie wieder zu Kräften kam. Heute wissen wir, dass diese Maßnahme goldrichtig war, weil den Spielern neben Mineralstoffen und Elektrolyte auch Salze zugeführt wurden, welche den Flüssigkeitsmangel im Körper wieder ausglichen.
Danach spielte sein Team in der 2. Halbzeit wie aufgedreht und drehte das Spiel noch um.
Als man dann Meister wurde, verkündete Merkel großspurig, dass er mit einer Bauernkapelle die Meisterschaft geholt hatte, im Folgejahr aber mit einem Sinfonieorchester aufspielen würde.
Auf seinen Wunsch wurde das ehemalige Zabo – Gelände in das modernste Trainingszentrum Deutschlands umgebaut, was dem Verein ein Vermögen kostete.
Geld, dass er eigentlich gar nicht hatte, denn auch das Städtische Stadion war erst runderneuert worden, und Merkels Einkaufspolitik mit zehn neuen Spielern war schon etwas sehr heftig…

Man rechnete allerdings mit Einnahmen aus den Europapokalspielen, die damals schon sehr lukrativ waren.

Der Anfang der neuen Spielzeit 1968/69 verlief viel versprechend, aber dann war plötzlich der Wurm drin. Das Zusammenspiel klappte nicht so richtig und die Mannschaft rutschte immer mehr in Richtung Keller.
Als man das letzte Spiel gegen Köln verlor, gab es Tränen. Unfassbar für Alle, dieser Abstieg eines amtierenden Meisters!!!

Bei einem Schuldenberg von 8 Millionen Mark dankte auch bald darauf der Präsident Luther ab, um Platz für Hans Ehrt zu machen.

Natürlich war der sofortige Wiederaufstieg geplant, doch eine 2. Liga gab es damals noch nicht, und so mussten sich die zehn Besten der 100 Mannschaften aus fünf Regionalligen


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in einer Relegationsrunde um den Aufstieg streiten.
Der Glubb stand zwar meist in der Relegation, verpasste den begehrten Aufstieg aber fast nur knapp.
So auch in der Spielzeit 1972 / 1973, als man mit dem anderen Aufstiegsaspiranten
Eintracht Braunschweig zwar punktgleich war, aber die Mannschaft aus der Liga Nord behielt die Nase vorn und stieg auf, weil sie ein Tor mehr erzielt hatte als „die Ruhmreichen“.
Die Folge war, dass man in ganz Franken nirgendwo einen Jägermeister mehr bekam, weil sich Händler und Gastwirte weigerten und den Kräuterlikör aus dem Programm genommen hatten! Warum? Ganz einfach: Eintracht Braunschweigs Präsident und größter Mäzen hieß Werner Maas, war Hersteller des Jägermeisters und ließ die Mannschaft mit dem Hirschen auf dem Trikot auflaufen, was damals ein handfester Skandal war. Ihm hat die Liga zu verdanken, dass sie nun künftig mit Werbung auf der Brust auflaufen durfte, um ihren finanziellen Budget aufzubessern…

Ab der Saison 74 / 75 wurde die eingleisige 2. Bundesliga gegründet, in der künftig die 20 Besten der gesamten Regional – Ligen spielten.
Die Zeit verflog, Trainer kamen und gingen am Valznerweiher, aber der Club schrammte stets nahe am Aufstieg vorbei.
Was zunächst niemand für möglich gehalten hatte, trat ein: Der Glubb blieb 9 lange Jahre lang nur noch zweitklassig.

Schon ein Jahr vorher war ein neuer Mann an der Vereinsspitze: Lothar Schmechtig. Der Manager, der bei der Quelle die Abteilung Foto und Optik höchst erfolgreich an Deutschlands Spitze gebracht hatte (Optikmarken: Revue, Apollo), war der neue Vereinspräsident.
Seine erste Amtshandlung war die Verpflichtung von Trainer Hans Tilkowski, die bescheidene Torwartlegende der Nationalmannschaft, der beim berühmten „Wembley“ Tor zwischen den Pfosten stand. Als Zuckerl kamen Hans Walitza (der damals teuerste Einkauf der Liga mit 666.000 Mark), der Goalgetter vom VfL Bochum, und dessen Teamkollege Manfred Rüsing, ein eisenharter, aber immer fairen Verteidiger.
Um diese Beiden baute Tilkowski junge Talente aus der Jugendmannschaft ein:
Norbert Eder, Bertram Beierlorzer, Horst Weyrich, Peter Stocker und Reinhold Schöll. Der Jugoslawe Petrovic als Sturmpartner für Walitza, und den Routinier Torwart Manfred Müller.
1977 / 78 verpasste man knapp den Aufstieg und Tilkowski verließ frustriert den Verein.
Sein Nachfolger hieß Horst Buhtz, der noch mehr Amateure in die Mannschaft integrierte
Da wuchs eine gesunde Mischung zusammen.

1978 / 79 stieg der Glubb wieder in die höchste Spielklasse auf!

Kurz vor Saisonende zeigte die junge Mannschaft jedoch etliche Schwächen. Da man wieder ein Desaster befürchtete, wurde Horst Buhtz kurz vor den Relegationsspielen durch den jungen, unbekannten Trainer Werner Kern ersetzt…
Das Hinspiel gegen Rot – Weiß Essen gewann der Glubb mit 1:0 durch ein Tor von Walitza. Beim Rückspiel in Essen, begleitet von 40.000 Anhängern gelang dem Glubb ein 2:2 (Walitza, Petrovic). In der 82. Minuten parierte Manfred Müller einen Strafstoß von Horst Hrubesch!

Die Euphorie dauerte nur eine Spielzeit lange.
An deren Ende fand man sich in der 2. Liga wieder…
In der Halbzeit hatte Schmechtig noch einen dicken Fisch an Land gezogen: Uli Hoeneß, der bei den Bayern in Ungnade gefallen war.
Der zog zwar im Durchschnitt 5000 Zuschauer mehr an, auf dem Spielfeld aber blitzte sein Genie nur noch selten auf. Nach elf torlosen Einsätzen kehrte der nach München zurück und wurde dort Manager der Bayern. Aber auch Werner Kern hatte deren Abstieg nicht mehr erlebt.

Wieder „Unten“ angekommen, wollte man postwendend zurück.
Lothar Schmechtig musste aus gesundheitlichen Gründen passen.
Sein Stellvertreter verpflichtete daraufhin hin den Belgier Jeff Vliers, und versprach, dass er ihn bei Misserfolg persönlich feuern würde, die vollen Kosten dafür übernahm und daraufhin selbst zurück zu treten.
Jetzt passierte wieder so eine unbekannte Posse am Valznerweiher, die wenig Leute kennen: Im Verein war der 2. Vorstand äußerst unbeliebt, galt als großspurig und arrogant. Genauso dachten auch die Spieler…
Nach den ersten sechs Spielen fand man das Team sieglos mit 1:5 Punkten erneut im Keller


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der 2. Liga (Damals gab es für ein gewonnenes Match noch zwei Punkte).

Jeff oder Jefe Vliers fuhr so zurück nach Belgien, wie er eingetroffen war: Mit einem Persilkarton. Nur waren da 50.000 Mark in bar drin. Der ungeliebte Vorstand war auch weg und nie wieder gesehen…

Sein Nachfolger wurde Michael A. Roth.
Der kleine Mann hatte aus einem mittelständigen Unternehmen ein Europäisches Imperium aufgebaut. Seine Namenskombination stand für ARO, hochwertige Bodenbelege und Teppiche – auf denen er aber sinnbildlich nicht sehr oft blieb.
Sein Auftreten war mehr das eines Feudalherrschers, eines Königs mit schier unbegrenzten Mitteln.
Und die waren im Verein sehr willkommen, denn mit dem Abstieg war man finanziell wieder auf den Hund gekommen…
Man würde dem Typ schon „zeigen, wou der Bardel in Mosd herhold!“
Doch da befand man sich auf dem Holzweg. Bei seiner geringen Körpergröße hatte er schon ein enormes Maß an Durchsetzungsvermögen entwickelt…
Der neue Trainer hieß Robert „Zapf“ Gebhardt, der mit dem Club 1948 Deutscher Meister geworden war, und über 350 Spiele für seinen Glubb bestritt.
Seinen Spitznamen hatte er, da sein Vater eine Bierkneipe direkt an den Spielplätzen des Glubbs von damals in der Deutschhernn – Straße besaß, wo Fans und Spieler gemeinsam einen zur Brust nahmen. Längst Geschichte. Der Deutschherrn Platz ist inzwischen zubetoniert und die kleine Kneipe musste auch den Baggern weichen. Damals war da noch der Sohn des Wirts, der Robert. Ein braver, fleißiger Bub und glühender Glubb Anhänger.
Der half natürlich auch in der Wirtschaft des Vaters aus, zapfte oft Bier hinterm Tresen.
So kam der „Zapf“ zu seinem Spitznamen…

Die Leser der regionalen Presse registrierten es zufrieden, wenn der Mannschaftswart davon erzählte, dass nach dem Training die Mannschaftsbekleidung fast doppelt so schwer war, als unter anderen Trainern.

Der Zapf jedenfalls kam – und die Mannschaft schoss nach Oben.
Am vorletzten Spieltag machte man mit einem 1:0 beim MTV Ingolstadt den zweiten Aufstieg nach 1978 perfekt.
Michael Roth entwarf schon Planspiele, wie man in die Creme de la Creme der Bundesliga vorstoßen könnte, als er kurz vor der Saisonvorbereitung 1980 / 1981 ein Brieflein zugestellt bekam.
Darin enthalten : Die Kündigung von Robert „Zapf“ Gebhardt mit sofortiger Wirkung. Dazu wüste Beschimpfungen und Attacken gegen den „kleinen König.“
Eiligst wurde der neue Coach Horst Heese verpflichtet.
Dann kam der erste Tag des Trainingsbeginns.
Man traute seinen Augen kaum, aber der Glubb hatte plötzlich gleichzeitig zwei Fußball -Lehrer!
Eine erneute Posse, die man kaum im Theater sehen kann.
Des Rätsels Lösung: Der Zapf wusste gar nichts mehr von seiner Kündigung. Seine Liebe zum fränkischen Bier, schon seit der Kindheit geweckt, hatte ihm diesen Streich gespielt. Im Vollrausch hatte er seine Trainer – Tätigkeit gekündigt, ohne danach noch etwas zu wissen…
Aber so war er nun Mal, der Zapf!
Natürlich musste er wieder nach Hause fahren.
In den Annalen der Club – Chronik jedoch wird nur erwähnt werden, dass er damals aus gesundheitlichen Gründen gekündigt habe…
Vier Jahre hielt sich der Glubb diesmal in der
In der 1. Liga, doch Präsident Roths Konzept, das Team mit bekannten Stars zu ergänzen, erwies sich als frommes Wunschdenken. Trotz Größen wie Rudi Kargus, Manni Burgsmüller oder Rüdiger Abramczik, um nur einige zu nennen, ging es mit der Mannschaft auf und ab.
In der Saison 1983 / 1984 gewannen die „Ruhmreichen“ einen weiteren Rekord hinzu: Den des „schlechtesten Absteigers aller Zeiten!“ Man war nicht einmal in der Lage, ein einziges Auswärtstor zu erzielen…
Der König dankte in der Winterpause ab – der Druck der Opposition war zu stark geworden.
Aber auch der neue Präse, Gerd Schmelzer machte es trotz drei Trainern in der Rückrunde nicht besser…
Danach rollten Köpfe: Elf Spieler mussten gehen und zwölf Neue geholt. Auch der letzte Trainer, der wenigstens zu Hause noch fünf Punkte geschafft hatte, durfte bleiben: Heinz Höher.

So stand man wieder in der 2. Liga, und die geplante Annäherung an die Spitze Europas so weit weg, wie für einen Jogger der Mond…


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Trainer Heinz Höher war einer der ruhigen Sorte. Ein bisschen wortkarg, aber klug und besonnen. Ein Mann, der (für Viele nicht bekannt) auch Kinderbücher schrieb.
Das körperliche Manko eines Epileptikers mit sich herumschleppte. Da man gerade so erkrankte Menschen auch heute noch als geisteskrank bezeichnet ist hart. Es handelt sich dabei nur um eine Störung, quasi ein Gewitter im Gehirn, der es wieder von unverdauten Problemen reinigt. Eine Krankheit, die man zwar mit Medikamenten in den Griff bekommt, sich aber immer als Außenseiter fühlt.
Und täglich werden es immer mehr, wohl im Gleichschritt mit immer mehr seelischen Problemen???
Nun, Höhers Krankheit wussten, wenn, nur Eingeweihte…

Als die Mannschaft in der Saison danach ein absolutes Gurkenspiel trotz einiger teueren Stars abgeliefert hatte, wurde der sonst ruhige Trainer plötzlich sehr laut. „Herrschaften: Das was ihr da geliefert habt, war fast Arbeitsverweigerung! Das lasse ich mir nicht bieten. Wir werden morgen, am Sonntag um 6 Uhr ein bis zwei Trainingseinheiten absolvieren…“
Am Sonntag, dem 27. Oktober jedoch hatten sich nur fünf Amateure auf dem Trainingsgelände eingefunden, und die waren noch am aktivsten gewesen!
Die „Arbeitsverweigerer“ fehlten jedoch komplett.
Die tauchten dafür am späten Vormittag beim Präsidenten Schmelzer auf und forderten die Ablösung von Trainer Heinz Höher…

Diese Ablösung kam auch – nur anders als geplant!
In der Woche danach wurden die Rädelsführer Horsmann, Lottermann, Kargus, Krella, Weyerich und Walz fristlos entlassen!

In der Woche danach lief bei Allemania Aachen die jüngste Mannschaft aller Zeiten auf. Der erst 17 Jährige Stefan Reuter feierte sein Debüt, spielten Roland Grahammer, Hansi Dorfner und Dieter Eckstein.
Man verlor zwar mit 1:2, aber das Publikum war hellauf begeistert.

Da reiften junge Wilde heran, eine Fohlenelf, wie man sie bei Gladbacher Glanzzeiten nicht mehr gesehen hatte.
Die jungen Wilden stürmten weiter.
Richtung Tabellenspitze. Was niemand für möglich gehalten hatte: Am letzten Spieltag schlug der Glubb Hessen Kassel mit 2:0 und sprang damit auf den Platz 1 der Tabelle – der erneute und kaum erwartete Aufstieg war gesichert!!!

Die folgenden Spielzeiten Saison wurden die bis dahin erfolgreichsten für den Club!
Man etablierte sich nicht nur in der 1. Liga, sondern erreichte mit wenigen und relativ günstigen Neueinkäufen immer bessere Tabellenplätze. Der immer noch wortkarge Trainer hatte ein glückliches Händchen und konnte immer die Neulinge optimal integrieren, was am Valznerweiher nicht sehr oft vorgekommen war.
Namen wie Joachim Philipkowski, Anders Giske, Jörn Andersen oder der unbekannte Torhüter Andreas Köpke ließ die Anhänger des Vereins das Herz aufgehen. Auch wenn Leihgabe Hansi Dorfner von den Bayern zurückgeholt wurde, konnte man ihn durch Manfred Schwabl optimal ersetzen. Mit Reuter und Eckstein besaß der Verein auch wieder
zwei Nationalspieler, zu denen sich später noch Köpke gesellte. Später ergänzte man sich mit Jörg Dittwar und dem Jugendnationalspieler Martin Schneider…
1987 / 88 stieß man auf den 5. Tabellenplatz vor, der zur ersten UEFA – Cup Teilnahme des Vereins führte.

Mit dieser Qualifikation endete allerdings auch die Ära als Fohlenelf unter Heinz Höher.
Der zog sich auf den neu gegründeten Managerposten zurück und verpflichtete selbst seinen Nachfolger, den er für geeignet hielt, die Mannschaft weiter in der Spitzengruppe zu halten: Hermann „Tiger“ Gerland vom VfL Bochum. Ein völlig anderer Typ wie Höher selbst. Hemdsärmlig, laut und geradlinig…
Die Bayern aus München schlugen wieder zu! Kauften Stefan Reuter und Roland Grahammer für 5, 8 Millionen.
Geld allerdings, das der Verein dringend benötigte. Man hatte das Projekt 2000 beschlossen, den Neubau des Städtischen Stadions an der alten Stelle. Dafür sollte auch der Teil - Verkauf des Trainingsgeländes an die Hotelkette Scandia – Hotels


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Finanzen in die Kassen spülen und gleichzeitig mit den hohen Unterhaltskosten des Geländes für weitere Sparmaßnahmen sorgen. Hinter vorgehaltener Hand nannte man den ehrgeizigen Immobilienmakler und Präsidenten Schmelzer als Schuldigen, der für diese Aktion über eine Million an Provisionen einstreifen konnte…
Sichtlich geschwächt ging Gerland in die neue Saison. Da auch für teuere Neueinkäufe kein Geld da war, plünderte man in der 2. Liga: Von
Freiburg kam der farbige Stürmer Suleyman Sane, sowie zwei weitere Leistungsträger aus der 2. Liga: Ulf Metchies und Stefan Kuhn.
In der Bundesligabaustelle Nürnberg kam es zum ersten europäischen Treffen gegen den Völler – Club Lazio Rom. Durch Tore von Eckstein gewann man zuhause mit 2:1 über
die Römer, aber im Rückspiel gelang den Römern in der Verlängerung das 3:1 – und der FC Nürnberg war draußen…
Die Schulden häuften sich immer schneller. Um die wichtigsten Verpflichtungen erfüllen zu können, wurde schließlich auch Dieter Eckstein an Eintracht Frankfurt verkauft, obwohl er gar nicht wollte…
Als absolut sichere Bank im Tor erwies sich allerdings Andreas Köpke. Doch auch er konnte nicht verhindern, was sich immer mehr anbahnte:
Es kam wie es kommen sollte: Die jungen Wilden gerieten mehr und mehr in den Abstiegsstrudel. Dem konnte man gerade noch entkommen, als man den Medizinstudenten und Amateur Reiner Wirsching von Schweinfurt holte. Seine Tore verhinderten Schlimmeres.
Zum Saisonende verließen dann auch noch Giske und Schwabl den Club!
Gerland war zwar noch Trainer der Saison, wurde aber im April geschasst.

Der ehrgeizige Schmelzer griff nach einem letzten Strohhalm und verpflichtete den früheren Weltklasse – Spieler Arie Haan. Der Holländer sollte es richten, das Konzept 2000 doch noch durchzusetzen. Ihm zur Seite stellte man den biederen Schwaben Willi Entenmann, aber das Duo blieb auch glücklos. Im edelsten Zwirn gewandet, saß Cheftrainer Arie Haan mit der Seidenkrawatte auf der Trainerbank, erreichte aber dennoch nicht den erwünschten Erfolg. Allerdings: Der eitle Geck hatte eine ganze Zunft infiziert, die immer mehr mit Anzug und Krawatte auf der Trainerbank saßen. Nur schützte diese neue
Arbeitskleidung auch nicht vorm harten Aufprall eines Rauswurfes…
Doch noch war man drin geblieben und Willi Entenmann wurde der neue Chefcoach.
Beendete die Saison mit einem blauen Auge.

1992 / 93

In der neuen Saison blieben Entenmann nur noch 15 Profis übrig, die er allerdings geschickt einbauen konnte.
Mit dem in der Rückrunde doch noch verpflichteten peruanischen Nationalspieler Percy Olivares ging es jedoch wieder bergauf.
Am 20. Spieltag stand man gar auf Rang 7, doch dann verließ Olivares den Glubb, weil es seiner Frau in Deutschland zu kalt war.
Seinen Weggang verkraftete man nicht. Erst am letzten Spieltag entkam man dem drohenden Abstieg…

1993 / 94

Erst hatte man sie für 7,5 Millionen verkaufen müssen, und dabei erheblich draufgezahlt.
Jetzt holte man sie quasi für ein Butterbrot zurück: Durch die Rückkäufe von Dorfner, Eckstein und Sergio Zarate kehrte auch der Erfolg zurück. Und fast hätte man die Qualifikation zum UEFA Cup noch einmal erreicht…

Langsam aber sicher sickerte auch durch, was genau da im Verein finanziell passiert war. Zu diesem Zeitpunkt hatte Schmelzer jedoch längst das sinkende Schiff verlassen und an Vize Oberhof weiter gegeben. Die Bilanzen waren erschreckend: 23 Millionen Mark Schulden. Eskapaden von Schatzmeister Ingo Blöbel, der fast ausschließlich von Spesen gelebt , größere Beträge unterschlagen hatte.
Auf ihn wartete am Ende ein Hotelzimmer mit freier Kost und Logis – aber nicht im Luxushotel, sondern in Nürnbergs Mannertstraße (Strafvollzugsanstalt)!

Doch es gab noch Mehrere, die sich am Verein bereichert hatten: So bekam jeder Schiedsrichter, der in Nürnberg pfiff nicht nur die beste und teuerste Unterkunft, sondern auch einen Heimtrainer mit allen Schikanen im damaligen Wert von etwa 3000 Mark.
Die wiederum stammten aus einem Sportgeschäft im Süden Nürnbergs, und wurden voll vom Verein bezahlt, während der kleine Unter


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schied zwischen Einkaufs - und Verkaufspreis eingesackt wurden.
Ach so, ja: Abgelehnt hat nur ein einziger Schiri…
Als Oberhof und Konsorten zurücktraten, bewarb sich ein Laufer Geschäftsmann ums Präsidium: Gerhard Voack. Er würde den Schweinestall schon ausmisten und die Schulden wieder egalisieren. Viel Auswahl blieb zwar nicht, aber vielleicht hätte man erst Mal in Lauf nachfragen sollen. Dort galt der Bäckersohn, der mehr sein wollte, als Geschäftsmann, der nicht immer mit – nennen wir es „ungewöhnlichen Methoden“ – versuchte, seine angestrebte Karriere voranzutreiben. Ob als 2. Bürgermeister der Pegnitzstadt oder als Schwiegersohn eines angesehenen Baustoffhändlers, er wusste immer, sein fast unerschöpfliches Reservoir an Tricks einzusetzen. In Lauf formierte er daher unter dem Spitznamen „JR“.
Auch als Club – Präsident nutzte er die neu gewonnene Popularität, um zusammen die, mit seinem Schwager gegründeten bis dahin nur im süddeutschen Raum existierenden, Hobby, Bau und Bastelmärkte auch Bundesweit zu etablieren. Tja, alles nur wegen OBI?
Voack benahm sich aber immer mehr wie einst der französische Sonnenkönig und traf gar merkwürdige Entscheidungen.

Vielleicht wäre alles auch nicht so schlimm geworden…
Erneut schlug das Schicksal zu.

Dieter Eckstein der Sturmtank des Teams war ein ziemlich direkter Typ, der das Herz zu oft auf der Zunge trug. Was ihn bei Vorgesetzten und Vorstandsmitgliedern nicht sonderlich beliebt machte. Doch er konnte es sich leisten, schließlich ließ er seine Leistung sprechen, die meist immer topfit war.
Er hatte sich in Weißenbrunn, einer kleinen, idyllisch gelegenen Ortschaft zwischen Altdorf
und Leinburg, eine Bungalow bauen lassen, wo er mit Frau und Kindern wohnte.
Dort war Nachts ein Feuer ausgebrochen, welches Frau und Kinder nicht unerheblich verletzte.
Die Bewohner Weißenbrunns halfen ihm mit Hand und Hirn, renovierten das Bungalow von Grund auf.
Als der sympathische Blondschopf am späten Nachmittag vom Training kam, fiel ihm ein, dass der ansässige Sportverein irgendeine
Feier hatte, zu der er eigentlich geladen war, aber nicht zugesagt hatte.
Um seine Helfer nicht zu beleidigen, steuerte er eben diese Sportgaststätte an, wo er begeistert begrüßt wurde.
Als er sich auf die Heimfahrt machte, hatte er doch ein paar über den Durst getrunken und geriet in eine sehr seltene Routinekontrolle (?).
Blutentnahme und Führerscheinentzug waren die Folge.
Doch es kam noch härter: So wurde er nicht nur für das bevorstehende Länderspiel ausgeladen, sondern in einer Nacht – und Nebel Aktion ohne seines Wissens an Schalke 04 verkauft.
Über die Ablösesumme herrschte Stillschweigen und offiziell hatte ja er den Verein verlassen.
Doch die Fans waren aufgebracht, wussten sehr gut, dass da Voack die Finger im Spiel hatte.

So schlecht sah es auch nicht aus. Die Mannschaft spielte clever und sammelte mit Entenmann Punkt für Punkt. Doch Herrn Voack war der fleißige und ehrliche Schwabe einfach zu bieder.
Man stelle sich diese Szenerie vor: Da gewinnt der Glubb mit 2:0 und wird zwei Tage später gefeuert! Da muss „JR“ was durcheinander gebracht haben!



Als Nachfolger wurde Co – Trainer Brunner befördert, der zwar als netter Mensch galt, und beim Glubb doch viele Spiele als Spieler bestritten hatte. Als Trainer jedoch hatte es nie geklappt.
Als man schließlich ohne jeglichen Punktgewinn die Notbremse zog und den ehemaligen Bayern Linksaußen Rainer Zobel verpflichtete, war es zu spät.

Damit endete für den Glubb die längste Zugehörigkeit in der 1. Liga…
Was Gerhard Voack betraf: Der konnte nur unter Polizeischutz das Stadion verlassen.
Wurde auch in Lauf von wütenden Fans empfangen. Seine Villa musste darauf fast drei Wochen lang unter Polizeischutz gestellt werden, weil zahlreiche Morddrohungen eingegangen waren…


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Nach einem kurzen Gastspiel von Ludwig Haas als neuen Präsidenten, kehrte Michael A. Roth im Oktober 1994 zurück. Trotz fast 30 Prozent Gegenstimmen gewann er die Wahl. Die Vereinsmitglieder wussten zu gut, dass nur er mit kräftigen Finanzspritzen den Verein noch vor der Pleite retten konnte.
Und der kleine König machte sofort Nägel mit Köpfen! So trennte er die Fußball – Abteilung von anderen, Kostenfressenden Sparten ab, und trug sich selbst mit ARO als Werbeträger der Trikots ein. Danach fand er potentielle Interessanten, die den Verein finanziell unterstützten und längerfristige Werbeverträge abschlossen. Zähe Verhandlungen mit Banken schlossen sich an, bei denen er selbst Bürgschaften übernahm, die sein Imperium an den Rand des Abgrunds gebracht hätten.
Es war ein hartes Stück Arbeit, aber am Ende konnte er die Schuldenlast von 23 Millionen auf 11, 6 Millionen kurzfristiger Verbindlichkeiten. Ein Tanz auf dem Vulkan.

Für die Fußballmannschaft jedoch blieb quasi kein Pfennig übrig – und prompt fand man sich beim Saisonabschluss 94 / 95 auf einem Abstiegsplatz. Der bittere Abstieg in die Niederungen der Regionalliga jedoch blieb dem Club erspart: Der FC Saarbrücken konnte die Lizenzauflagen des DFB nicht erfüllen – und ging für den Glubb in den Keller.
Noch einmal gerettet kam der nächste Hammer: Das Sportgericht hatte die Akte 1. FC Nürnberg durchgearbeitet und verhängte für die Zweitligasaison 96 / 97 einen automatischen Punkteabzug von sechs Zählern!
Weder Zobel, noch die zurückgekehrten Gerland und später Entenmann konnten den Abstieg in die Drittklassigkeit mehr verhindern…

Quo Vadis Glubb?

Roth hatte Erbarmen und griff tief in die eigene Schatulle. Mit dem Rekordetat von 10 Millionen
Versuchten die Ruhmreichen den sofortigen Wiederaufstieg in die 2. Liga.
Mit Spielern wie Frank Baumann, Marc Oechler, Markus Kurth, Armin Störzenhofecker und Michael Wiesinger gelang dem Glubb die souveräne Regionalmeisterschaft. Highlights waren dabei die sechs Begegnungen mit der Spielvereinigung Fürth, die erstmals nach der Fusion mit Vestenbergskreuth als Greuther Fürth spielten. Zweimal Regionalliga, zweimal Bezirksligapokal und zwei Treffen im DFB Pokal erzielten erneut einen Rekord in dieser Spielklasse, denn durchschnittlich wollten jeweils über 40 000 Zuschauer die
Begegnungen sehen, wurden dafür ins Frankenstadion verlegt. Am Ende stiegen beide Nachbarvereine in die 2. Liga auf.

In der neuen Saison 1997 / 98 startete man mit fünf Niederlagen, was Willi Entenmann erneut den Kopf kostete.
Für ihn durfte das ehemalige Mittelfeldgenie Felix Magath ran, der schon mehrere Male als „Feuerwehr“ für andere Vereine verpflichtet wurde. Er machte seinem Spitznamen „Quälix“ alle Ehre, denn bald stöhnten die Akteure über das knallharte Training des gebürtigenOberfranken (Aschaffenburg)…
Der Lohn war der dritte Platz in der 2. Liga und die Rückkehr ins Oberhaus, was kaum Jemand vorher erwartet hatte!!!

Doch bei der Planung für die Bundesliga gab es heftigen Zoff zwischen Präsident und Trainer.
Der Grund liegt irgendwo im diffusen Schatten, da danach beide Kontrahenten eine andere Version zum Besten gaben.
Magath behauptete, dass ihm diverse Spieler zwar versprochen, aber nicht gekauft wurden.
Sein Ehrgeiz hätte es nie zugelassen, seinen guten Ruf zu verlieren, nur weil man seine Planung zusammen strich.
Der Präsident dagegen behauptete, dass Magath eine Ablösesumme von 2 Millionen Mark in seinen Vertrag festlegen wollte.
Was wirklich passierte, liegt vermutlich irgendwo in der Mitte. Tatsache war, dass beide Dickköpfe im Streit auseinander gingen.

Als die Saison 1998 / 1999 an den Start ging, hatte man nicht nur mit Willi Reimann einen neuen Coach, auch zwei Wünsche wurden ihm erfüllt, die man Magath angeblich verweigert hatte: Die Verpflichtung von Sasa Ciric und die Rückkehr von Andreas Köpke, der sich in Frankreich nie heimisch gefühlt hatte.
Das Team spielte in den relativ sicheren Gefilden des Mittelfeldes, was aber bei der inzwischen eingeführten 3 – Punkte Regelung nicht viel zu sagen hatte.
Alles war überrascht, als Reimann im November kündigte. Doch der Trainer wollte zurück nach Hamburg und in der Nähe seiner Frau sein, die an einem Krebsleiden erkrankt war.

Für ihn kam Friedel Rausch zum Club.


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Es lief zwar nicht sehr erfolgreich, aber man hatte immer ein diverses Sicherheitspolster zu den unteren Rängen…
Der Einbruch erfolgte fast unbemerkt, aber der Kräfteverschleiß machte sich doch langsam bemerkbar. Dennoch: Nach dem 1:1 gegen Rostock am vorletzten Spieltag stand die Mannschaft auf dem 12. Tabellenplatz und hatte ein Polster von drei Punkten zu den Abstiegsrängen.
Zudem kam am letzten Spieltag der FC Freiburg nach Nürnberg, der bereits als Absteiger fest stand.
Ob Fans, Vereinsführung, Spieler, Trainer und Journalisten – für sie alle war der erneute Abstieg fast undenkbar, völlig unmöglich.
Um den Verbleib gebührend feiern zu können, baute man zu diesem Zweck ein riesiges Bierzelt auf, wo die Zuschauer neben Freibier auch kostenlos mit Bradwerschdweckla versorgt werden sollten.
Der letzte Spieltag. Ein sonniger Samstagnachmittag. Überall gute Laune, Feststimmung.
Der Glubb gibt auf dem Spielfeld den Ton an, macht das 1:0! Brandender Jubel, der nicht enden will. Im Gegenzug der Ausgleich. Ein Schönheitsfehler.
Doch es kommt in der zweiten Halbzeit noch schlimmer: Plötzlich zappelt der ball hinter dem verdutzten „Andy Internationale“ im Netz…
Der Glubb dreht noch mal auf. Lattentreffer. Frank Baumann vergibt freistehend. Pfiffe gegen das Eigengewächs, der bereits für Werder Bremen unterschrieben hat.
Dann ist das Spiel aus. Ist noch in der 1. Liga.
Geschafft?
Fast Jeder hat jetzt ein Transistorradio am Ohr. Die anderen Teams hinter dem Club haben auch gewonnen, sind punktgleich mit je 37 Zählern. Bleibt noch die Frankfurter Eintracht übrig, die gegen den FC Kaiserslautern, den Roten Teufeln spielen. Da kann kaum etwas passieren, oder doch?
Frankfurt war in seinen letzten Spielen grottenschlecht. Keine Chance gegen die Lauterer…
Doch Frankfurt spielt wie entfesselt. Führt mit 3:1, Mehrere Fouls, Ellbogenchecks, mit bösen Grätschen auf dem Platz.
In der 90. Minute das 4:1. Punktgleich mit dem Glubb, aber der hat immer noch das bessere Torverhältnis. Der Schiedsrichter müsste eigentlich abpfeifen, doch er lässt nachspielen.
Alles lauert auf den Schlusspfiff.
Doch der kommt nicht.
Der Schiri führt die Pfeife zum Mund.
Ein Fernschuss aus fast 30 Meter. Der Keeper der Lauterer kann den Ball nicht halten, lässt ihn abprallen. Was ist das? Ein Spieler der Frankfurter hat sich nach vorne gemogelt, zieht voll ab. Tor. 5 : 1 – und der Glubb ist erneut abgestiegen! Wegen eines einzigen Tores. Es ist zum Haare raufen…
Das ausverkauft Stadion weint, ansonsten ist tiefes Schweigen.
Wieder kommt das schnelle Aus in der 1. Liga, konnte die Klasse nicht gehalten werden.
Wie zum Hohn steht dort das Bierzelt, doch die Fans ignorieren es bis auf eine Minderheit, die ihren Frust im Alkohol ertränken. Die Bratwürste dagegen bleiben liegen…

In der Saison 1999 / 2000 gab es eine klare Aussage von Friedel Rausch: „Wenn ich nicht die sofortige Rückkehr ins Oberhaus schaffe, trete ich vorher ab.“
Eine klare Vereinbarung, die allerdings auch eintrat. Als das Team noch vor Ende der Rückrunde den Anschluss an die Spitzengruppe verlor, machte Rausch sein Versprechen wahr und kündigte. Die fast hektische Suche nach einem neuen Coach lief an, war alles andere als ein Zuckerlecken…
Als dieser präsentiert wurde, war die Überraschung mehr als groß: Kein erfahrener Übungsleiter mit klangvollem Namen, sondern ein Nobody im Geschäft! Klaus Augenthaler, bisher nur Co Trainer bei den Bayern, mit denen er mehrfach Meister, Pokalsieger und Champions – League Erfolge feierte. Doch reichte das als Empfehlung? Weltmeister war 1990.

Als Coach bisher nur bei den Österreichern Rapid Wien tätig…
Ausgerechnet er sollte die Ruhmreichen in die Eliteklasse zurückbringen und dort fest etablieren?
Doch der kleine König hatte seine Zielsetzung ohnehin geändert: Man werde versuchen, innerhalb von drei, vier Jahren eine Mannschaft zu formen, die auch langfristig den hohen Ansprüchen genügen könnte.
Ein Freibrief also für den Urbayern Augenthaler, in Ruhe arbeiten zu können.
Dennoch hätte es der Neue fast geschafft, doch noch aufzusteigen. In der Endabrechnung verpasste man knapp den dritten Platz und beendete die erste Zweitligaspielzeit als Vierter.


BUNDESLIGA EXTRA: Unser Glubb  (Seite 9 von 18)
In der neuen Saison 2001 / 2001 entstand ein fast neuer Kader, der an die jungen Wilden von Heinz Höher erinnerte. Zusammen mit dem neuen Manager Edgar Geenen, der bei 1860 gehen musste, weil er ein Verhältnis mit „Icke Hässlers“ Frau hatte, holte man junge, hungrige Spieler. Von den Bayern kamen Nils – Eric Johannson, Frank Wiblishauser und David Jarolim, die keine Chance sahen, als Vertragsamateure jemals in die erste Mannschaft zu kommen. Dazu kamen Jungprofis wie Marek Nickl und Jacek Kryznowek.
Mit diesen Stützen feierte der Glubb einen sensationellen Durchmarsch bis an die Tabellenspitze und kehrte wesentlich früher als geplant in die Bundesliga zurück. Keiner jubelte lauter als Andreas Köpke, der bisher mit seinen Vereinen nur Abstiege erlebt hatte.

In der darauf folgenden Spielzeit 2002 / 2003 wurden die Ruhmreichen naturgemäß als Absteiger gehandelt. Zwar war da eine junge, unverbrauchte Mannschaft, aber sie stand erst am Anfang ihrer Entwicklung. Was eigentlich fehlte, waren erfahrene Spieler, an die sich die Jungen orientieren, aufrichten konnten. Da war zwar Sasa Ciric, der immer für ein Tor gut war, aber doch schon auf die 33 Jahre zuging. Für mehr war kein Geld vorhanden. Das änderte sich zwar geringfügig, als überraschend Johannson für 8 Millionen Euro zu den Engländern Blackburn Rovers wechselte, aber schließlich mussten auch weiterhin Schulden getilgt werden…
Mit den Verpflichtungen von Tommy Svindal Larsen konnte man überraschend Johannson ersetzen. Einen weiteren Glücksgriff hatte man mit dem Vertragsamateur Claudemir Jeronimo Barreto, kurz „Cacau“ genannt, getan. Der war vorher bei München 1860 und folgte quasi Edgar Geenen für ein Butterbrot von 50.000 Euro nach Nürnberg. Seine Einsätze waren aber nur stets von kurzer Dauer, denn wie fast alle Brasilianer war er zu Ball verliebt, verspielt und im Training nicht unbedingt der Fleißigste.
Kenner und Kritiker rieben sich verwundert die Augen, als man nicht nur zum Auftakt im ersten Auswärtsspiel die Roten Teufel aus Kaiserslautern mit 3:1 schlug, sondern auch sonst so manche Punkte bei Auswärtsspielen holte.
Dafür schien man plötzlich einen Heimkoplex zu entwickeln, denn im Frankenstadion lief es nicht sehr gut.
Schon bei Abschluss der Hinrunde lag man auf einem sicheren Mittelfeldplatz, kam aber gegen Ende der Saison doch noch in leichte Schwierigkeiten. Ein Kräfteverschleiß war deutlich zu spüren, und als Sasa Ciric, der immer für ein Tor gut war, wegen Verletzung ausfiel ging es mehr und mehr nach Unten.
Doch jetzt schlug die Stunde des jungen Brasilianers! Cacau kam, sah und siegte. In vier Spielen machte der Südamerikaner sechs Tore, die meist ein Spiel alleine entschieden…
Die Konkurrenz witterte einen günstigen Stürmer und bot bis zu sieben Millionen für den neuen Star am Fußballhimmel.
In dieser Phase tauchte plötzlich ein Geschäftsmann aus dem Musikbusiness auf, der angeblich den Managerposten des jungen Brasilianers übernommen hatte. Er forderte neben einem Profivertrag ein garantiertes Festgehalt rückwirkend von 1, 5 Millionen Euro, sowie eine einmalige Sonderzahlung in gleicher Höhe. Roth tobte. Diese Gehaltsforderung würde absolut den Rahmen sprengen, denn nicht einmal Andy Köpke hatte damals mehr als 1,1 Millionen an Gehalt im Jahr, wie aus diffusen Quellen bekannt wurde.
Als jegliche Verhandlungen Geenens scheiterten, erklärte Roth die Affäre als Chefsache und verhandelt selbst mit dem geldgeilen „Manager“.

Der stellte sich zwar als äußerst bauernschlau heraus, aber mit der notwendigen Intelligenz war es nicht weit her.
Roth brach von sich aus die Gespräche ab und gab neuen Direktiven:
Erstens war Cacau als Amateur noch für ein Jahr an den Glubb gebunden. Also hätte er sich freikaufen müssen. Und da hätte der Präsident nicht unter 12 Millionen eingewilligt.
Zudem war Sasa Ciric wieder genesen…
Ende, aus. Basta. Die Akte war geschlossen.
Cacau wurde in den restlichen Spielen nicht mehr eingesetzt, saß nicht mal mehr auf der Bank. Schnell geriet sein Name wieder in Vergessenheit und der „Manager“ ward nie mehr wieder gesehen…
Langer Rede, kurzer Sinn: Das Team sicherte sich am letzten Spieltag den Klassenerhalt und schloss die Saison mit dem 14. Tabellenplatz ab.


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Für die neue Saison 2003 / 2004 bekam zwar Cacau seinen Profivertrag, aber zu normalen Bedingungen. Selbst der Präsident öffnete den Geldbeutel und ließ immerhin 2 Millionen Euro springen.
Nach den Einkäufen, die natürlich im bescheidenen Rahmen lagen, hatte der Club einen neuen Spitznamen: Der 1. FC Clubovic!
Verpflichtet wurden nämlich fast ausnahmslos jugoslawische Spieler: Milan Belic, Dusan Petkovic, Rade Todorevic und Milorad Popovic. Zusammen mit Sasa Ciric sollten diese fünf Südländer neben den verbliebenen Jungen ein erfahrenes Gerüst bilden.
Doch die Einbindung der neuen klappte nicht so geplant.
Auch der öfters eingesetzte Cacau schien seinen Torriecher verloren zu haben, und auch Ciric war nicht mehr so durchschlagend wie in der Vorsaison. Erstens waren die Gegner jetzt gewarnt, und langsam machte nsich doch sein Alter bemerkbar.
Obwohl man nach der Hinrunde noch fünf
Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt war, ging es in der Rückrunde Treppchen für Treppchen tiefer in die Kellergefilde.
Als das Gerücht laut wurde, dass man an einen erneuten Trainerwechsel dachte, skandierten die Zuschauer mit „Auge, Auge“ Rufen, worauf Roth hastig das Stadion verließ und danach verkündete, dass man selbst bei einem Abstieg weiterhin auf Augenthaler vertrauen würde.

So kam dessen Rauswurf am 30. April nach drei Jahren Tätigkeit auch für ihn völlig überraschend. Sonst mit einem gesunden Galgenhumor ausgestattet, verließ er stumm aber zornig das Trainingsgelände.
In künftigen Interviews jedoch machte er aus seinem Herzen keine Mördergrube, war davon überzeugt, es mit dem Team noch „gepackt“ hätte.
Am Valznerweiher brannten erneut die Club – Fahnen…

Dem neuen Mann war es in Wolfsburg ähnlich gegangen. Mit Wolfgang Wolf wurde ein ruhiger besonnener Mann geholt, der nicht gerade ein Freund von Publicity war und nur selten Interviews gab.

Mit Augenthaler war auch Edgar Geenen geschasst wurden und vorerst kein neuer Manager verpflichtet.
Für große Änderungen blieb wenig Zeit – und erneut trieb der Glubb dem Abstieg entgegen…

Wäre das nicht genug, fügte das Schicksal noch eine Pikanterie hinzu.
So hatte auch Bayer Leverkusen nach vielen Erfolgen ein Jahr erwischt, wo sich mehrere Trainer versuchten, den drohenden Abstieg zu vermeiden. Drei Tage vor Spielende holte man in höchster Not noch einen neuen Coach: Klaus Augenthaler. Der gewann und verlor jeweils ein Spiel, und auch der Club hatte plötzlich rein rechnerisch noch eine Chance.
Das letzte Heimspiel des Glubb, die letzte Chance noch in der Liga zu bleiben. Aber ausgerechnet da kommen die punktgleichen Leverkusener nach Nürnberg. Deren Trainer hieß Augenthaler und war plötzlich der böse Feind. Ein Paradoxon! Die Zuschauer jubelten beiden Trainern zu. Roth flüchtete fast aus dem Stadion, denn die Pfiffe galten ihm.
Ein Wahnsinnsspiel, ein Auf – und ab. Niemand auf dem Platz scherte sich mehr um taktische Anweisungen…
Am Ende hieß es 3:1 für Leverkusen.
Die Ruhmreichen waren erneut abgestiegen, Leverkusen blieb drin. Und unten am Spielfeldrand umarmten sich beide Trainer mit Tränen in den Augen…

Wieder wurde ein Neuanfang über längere Zeit geplant. Wolf war Trainer und Manager gleichzeitig. Er testete fast 30 Spieler, die aber so billig wie möglich sein sollten.
Suchte selbst da noch weiter, als die neue Saison 2003 / 2004 schon längst lief.

So kamen ausgemusterte aber erfahrene Spieler wie Thomas Hajto und Markus Schroth,
Ciric, Krzynovek und Larsen konnten gehalten wurden, während Jarolim nach Hamburg ging. Aus Tunesien kamen Jawhar Mnari und Adel Chedli, die im Konföderationscup auf sich aufmerksam gemacht hatten.
Während dieser ständigen Spielersuche, die so viele Spieler kommen und gehen sahen, wie noch nie, von den Oberen Rängen doch empfindlich nach Unten gerutscht. Aber was sollte Wolf anderes machen?
Als er sich eine Wohnung suchte, wurde er von seinem Vermieter angesprochen, der Kontakte in die Slowakei hatte und von einem Stürmer und Mittelfeldmann sprach, die zwar beide in der Nationalelf spielten, aber in ihrer Heimat nur ein Butterbrot verdienten.


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Nach einem Probetraining schlug Wolf sofort zu: Für jeweils 100.000 Euro kamen Marek Mintal und Robert Vittek zum Verein.
Zeit die Notbremse zu ziehen, denn der Glubb war fast schon auf Position 14 der 2. Liga abgerutscht.
So beendete Wolf die Trainersuche und widmete sich wieder voll der Mannschaft.
Mit Erfolg! Nur vier, fünf Spieltagen stand man erneut in der Spitzengruppe der 2. Liga.
Obwohl eigentlich Vittek der Stürmer war und Mintal der Mittelfeldstratege, erzielte allein der Slowake die meisten Tore und wurde gar Torschützenkönig der 2. Liga.
Was die Fans betraf: Die hatten längst einen Narren am sympathischen Wolf gefressen, liebten ihn fast abgöttisch. Kein Wunder: Er präsentierte sich nach wie vor als bescheidener Mensch, als Nachbar von gegenüber.
Als er postwendend den direkten Aufstieg schaffte, war der Jubel in Nürnberg grenzenlos…

Man beendete die Saison 2004 / 2005 mit dem 14. Rang, 38 Punkten, 10 Siegen und 8 Remis.
Dem gegenüber standen allerdings 16 Niederlagen, die aber vorwiegend im eigenen Stadion erfolgten. Auswärts hui, daheim pfui!
Daran musste man arbeiten, insbesondere die Abwehr soweit stärken, um dort sattelfester zu stehen. Hätte ma nur die Hälfte der Heimspiele gewonnen, wäre der Glubb nämlich Tabellen Dritter geworden…

Michael A. Roth war zufrieden. Besser als in dieser Saison 2004 / 2005 hätte es fast nicht laufen können…
Zwar gab es noch etliche Aufregung um Marek Mintal, der jetzt natürlich von namhaften Vereinen aus ganz Europa gejagt wurde. Lange Zeit drückte sich der schlaksige Slowake um eine klare Antwort, ob er den Verein wechseln oder bleiben würde. Als er jedoch mit 24 Toren die Torschützenkanone der Bundesliga in Händen hielt, verkündete er vor ausverkauftem Stadion, auch weiterhin für den Glubb zu stürmen. Auch unter dem Vertrag von Wolfgang Wolf fehlte noch die Unterschrift. Der Trainer wollte erst die Entwicklung abwarten, ob Mintal blieb, und wie hoch sein Neu - Etat für Verstärkungen sein würde. Was übrigens Mintal betrifft: Der war
zum vierten Mal hintereinander Torschützenkönig geworden: Zweimal mit MSK Zilina (Slowakei
in Deutschlands 2. Liga und im Jahr darauf in der Bundesliga…

KICKER: „Der Club hält die Klasse. Ob mit oder ohne Zittern hängt davon ab, wie schnell sich die Neuzugänge integrieren.“

P.B.: „Der Club bleibt ein Wackelkandidat. Nachdem da doch ein interessanter Kader entstehen zu scheint, ist da auch noch das Sturmtrio mit Mintal, Vittek und Schroth. Ob „das Phantom“ weiterhin so viel Tore machen kann, glaube ich eigentlich nicht. Die gegnerischen Abwehrspieler werden ihn keine Sekunde aus den Augen lassen…“

DER WOLF UND SEINE 7 NEUE GEIßLEIN

Noch einmal wollen wir den Artikel aus dem Archiv holen, der von der Vorbereitung zur neuen Saison berichtete:

Die Nürnberger Fans, misstrauisch wie Franken nun einmal sind, hatten den ruhigen, immer freundlicher Fußballlehrer ohnehin längst ins Herz geschlossen...

Mit den zwei Neuzugängen aus der Slowakei, (ein Tipp seines Vermieters, dessen Frau aus der Slowakei stammt) hatte man quasi für ein Butterbrot den Stürmer Robert Vittek, und den schlaksigen Mittefeldspieler Marek Mintal verpflichtet. Beide stellten sch bald als wichtige Spieler heraus und belohnten den neuen Arbeitgeber mit Toren.
Was niemand geglaubt hatte passierte dann doch: Nach nur einem Jahr Zweitklassigkeit in der 2. Liga kehrte der Club postwendend als Meister in die Bundesliga zurück, obwohl man die letzten Begegnungen mit einer gewissen Lässigkeit anging, die schon fast an Arbeitsverweigerung grenzte.
Wieder spricht es für Wolf, dass er cool blieb, die Mannschaft unter die Fittiche nahm und nach außen hin verteidigte. Sie hatten ihr Soll erfüllt, na und?
So gab es mehr als Mahner, welche von einem direkten Wiederabstieg warnten.
Ohne größere Investitionen wurde das Abenteuer Bundesliga angegangen. Und siehe da:
Der Club erwies sich als Hecht im Karpfenteich, holte auswärts 20 Punkte, während er im eigenen Stadion weitgehend versagte und dort nur 14 Punkte auf der Habenseite verbuchen konnte. Die Folge?
Die erhofften Zuschauer blieben aus,
was die maroden Finanzen noch mehr belastete.


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Dennoch: Mit einem Durchschnitt von 28.309
Zuschauern liegt der Club auf Rang 11 der Bundesligisten. Krösus: Borussia Dortmund mit 70.578 und Schalke 04 mit 59.634 Zuschauern pro Heimspiel.
Beim Club ist das eine Stadionauslastung von 67 % - aber wenn in der neuen Saison auch Zuhause Tore fallen und der FCN als Sieger vom Platz geht, wird sich diese Situation bei dem riesigen Umfeld des Clubs schnell verbessern!!!
Aber zurück zu des Wolfes neue Geißlein:
Sieben sind es an der Zahl, und man spricht mal wieder von einer deutlichen Qualitätssteigerung des Kaders. Warten wir’s ab. Und lieber die Fakten sprechen.
Die gute Nachricht zunächst: Marek Mintal war von mehreren europäischen Clubs zwar umworben, aber die Ablösesummer von 12 Millionen Euro wollte dann doch für einen 28. Jährigen kein Verein zahlen. Auch eine Fortsetzung seines Engagements beim Club war für Wolfgang Wolf nicht ganz klar, denn ohne eine Finanzspritze für neue Spieler hätte er Nürnberg wohl den Rücken gekehrt...
Abgesehen von den Neuen hatte er ohnehin geglaubt, noch einen sehr entwicklungsfähigen Kader zu haben. So war nicht nur Markus Schroth fast ein halbes Jahr verletzt (er zählt mit 52 Toren nämlich zu den gefährlichsten Spielern der Bundesliga), sondern auch Robert Vittek hat in der letzten Saison nur knapp 50 Prozent seines Potentials gezeigt. Dominik Reinhardt und Andreas Wolf (nicht verwandt oder verschwägert) haben inzwischen genügend Erfahrung in der Abwehr gesammelt und mit dem neuen Kapitän Mario Cantaluppi, der sich inzwischen akklimatisiert, zuletzt immer besser ins Spiel kam, hat man mit dem Neuling Benjamin Lense aus Bielefeld plus Horacio Javier Pinola aus Argentinien zwei weitere sehr fähige und erfahrene Spieler verpflichtet, für die aber noch Alternativen vorhanden sind. Wolfs Entscheidung, Raphael Schäfer anstelle von Darius Kampa zur Nummer 1 im Tor zu machen, hat sich in der letzten Saison mehr als ausgezahlt.

Im Mittelfeld stehen mit den beiden Müllers, Lars und Sven, Slovak, Wagefeld, Adel Chedli und Jawhar Mnari, sowie Marek Mintal Banovic, ebenfalls genügend erfahrene Leute bereit.
Chef im Ring scheint da der Tscheche Jan Polak zu werden, der in der Nationalelf der Tschechei bereits eine tragende Rolle spielt. Im Sturm hat man mit dem Russen Ivan Saenko und dem Eigengewächs. Chhunley Pagenburg Alternativen genug. Auch Stefan Kießling, das andere Eigengewächs, hat in der letzten Spielzeit seine Fähigkeiten mehr als unter Beweis gestellt. Mit der Hoffnung des Trainers auch Markus Daun, der zwar nur ein Tor erzielte, aber damit die frühzeitige Bundesligazugehörigkeit sicherte. Über Robert Vittek haben wir schon gesprochen, ebenso über den wieder genesenen Markus Schroth.
Ob Mittelfeldmann und Rekordtorschütze Marek Mintal in diesem Jahr auch 24 Tore macht bleibt abzuwarten, denn das „Phantom“ ist inzwischen reichlich bekannt.
Die Vorzeichen stehen also nicht schlecht, nur kommt es eben darauf an, in welcher Form sich die Mannschaft wirklich befindet, Laut
Wolfgang Wolf kann das bis 8 oder 9 Spiele dauern. Wollen wir hoffen, dass er sich diesmal gründlich irrt...

Noch eine kleine Bilanz: Der derzeitige Kader von 28 Spielern – von dem aber noch zwei bis drei verkauft werden sollen, sieht von der Nationalität so aus:
So spielt die Mannschaft des CLUB’ 2005/06 mit folgender Bilanz:
15 Spieler aus Deutschland mit Deutschem Pass. 3 Slowaken. 2 aus Polen. 2 aus Tschechien. 1 Schweizer, 1 Argentinier, 1 Kroate, 2 Tunesier, und einem Russen.

Fazit: Noch überwiegen die deutschen Spieler, aber der Ausländer – Trend ist auch beim Club unverkennbar.

Wir wünschen uns zumindest, dass die deutschen Jungtalente wie Andreas Wolf, Stefan Kießling und Chhunley Pagenburg schnell in diese Mannschaft hineinwachsen und somit eine reelle Chance haben zum Stammspieler oder gar zum Nationalspieler zu werden...
Für Wolfgang Wolf überhaupt kein Thema :
„Egal wie das Startprogramm auch aussieht: Wir müssen gegen jede Mannschaft gut aus


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sehen, egal wohin wir müssen, oder wer zu uns kommt...“
Na, da hat er ja Recht

Vielleicht lacht dann Präsident Roth endlich Mal wieder über alle Backen...



SO LIEF’ s WIRKLICH:

Kein einziges Spiel in der Vorbereitung ging Verloren – und die Erwartungen wuchsen in Nürnberg in den Himmel..
Wolf wurde nicht müde, über die so hohe Qualität der neuen Mannschaft zu sprechen, über die gute Stimmung, über die Bereitschaft sich zu quälen…

Dann kam das erste Spiel gegen den HSV in der AOL – Arena Hamburg.
Bereits nach 3 Minuten heißt es 1:0 für den HSV. Mpenza hat den Ball von Nürnbergs Neuzugang Polak serviert bekommen und lässt sich nicht lange bitten.
Dann schlägt Babarez zu. Ein Foulelfmeter in der 45. Minute, und erneut Babarez in der 60. Minute, als die Clubabwehr erneut schlief.
0:3 und man war noch gut bedient, weil der HSV danach das Spiel ruhig heimschaukelte.
Kein Beinbruch beim HSV zu verlieren, denn die galten in dieser Saison als Bayernjäger und Favorit. Nur die Art und Weise gibt schwer zu denken…

Zu Hause gegen Hannover 96 spielte man 1:1, hatte deutliche Abstimmungsprobleme…

Auch vom Aufsteiger Eintracht Frankfurt kommt man mit leeren Händen nach Hause: 0:1
Der Glubb hat die Erzrivalen zu Gast, den FC Bayern München. Obwohl er zum ersten Mal
so halbwegs überzeugen, kann verliert man knapp mit 1:2.

In Wolfsburg ein 1:1 – ist jetzt der Bann gebrochen?
Wolf bittet um Geduld. Hat schon vor Saisonbeginn davon gesprochen, dass es 6 – 7 Wochen dauern könnte, bis das Team zusammen wächst.

Zu Hause gegen Schalke ein erneutes 1:1
Die fans sind enttäuscht, Roth runzelt die Stirn.
„Wir stehen voll hinter unserem Trainer, kein Thema…“

Aber man steht auf Tabellenplatz 16. Nur 3 Pluspunkte nach sechs Spielen sind schon sehr happig…

Der Schrecken geht weiter: In Duisburg bei den Zebras verliert man erneut mit 0:1.
Ein hilfloser Club!

Am 8. Spieltag, dem 1. September schlägt der Glubb endlich zu Hause zu – schickt den FC Köln mit 2:1 nach Hause. :

Endlich! Man rutscht auf Platz 15 hinauf.

Dann kommt’ s knüppeldick: Ein hilfloses 2:6 Und ein kleiner Offenbarungseid.

Am 10. Spieltag zu Hause gegen Arminia Bielefeld ein 2:3 Wolf versteht die Welt nicht mehr – und vor allem nicht sein Team, über das er nach wie vor schützend seine Fittiche breitet. In der Tabelle findet man den Glubb nun wieder auf dem letzten Platz – die rote Laterne…

Am 11. Spieltag geht es nach Mainz, ein Sonntagsspiel. Wieder ein Katastrophenspiel, das mit 4:1 für den Karnevalsverein endet.

Der Montag danach: 31. Oktober 2005:
Normales Training, Einzelgespräche.
Wolf hat es im Gespür: Der Knoten muss jetzt endlich platzen. Die Mannschaft ist willig, nur ist sie irgendwo mental gebremst. Von der hohen Qualität ist der Trainer mehr als überzeugt.
Am späten Nachmittag Besprechung mit Präsident Roth, wie immer Montags nach einem Spiel.


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Als er sich von Roth verabschiedet ist der sympathische Pfälzer arbeitslos, mit sofortiger Wirkung beurlaubt.

Was nun passiert, ist unglaublich. Fans belagern die Geschäftsstelle, blockieren sämtliche Telefonleitungen mit Protestanrufen,
Vom Stadionboykott ist die Rede, Fahnen brennen, es kommt gar zu Morddrohungen.
Roth bedauert die Sache selbst. Es kotzt ihn an, gute aufrechte Leute entlassen zu müssen, die mit Leib und Seele an ihren Club glaubten.
So war es schon bei Rausch, bei Augenthaler.
Der kleine König – den gibt es schon lange nicht mehr. Trotz einer straffen Hierarchie gibt es am Valznerweiher noch zu viele Leute, die etwas zu sagen haben, Opportunisten, die einen gewissen Druck ausüben können.
Bei Wolf war es am Schlimmsten. Beide Männer hatten Tränen in den Augen, umarmten sich schweigend, bevor der Coach das Büro, das Gebäude für immer verließ…
Eine ganze Stunde lang wollte der Vereinsvorsitzende nicht gestört werden, saß er einsam und verlassen in seinem Büro.

Während in Röthenbach Wolfgang Wolf seinen Frust in hochgeistige Getränke ertränkte, glühten am Röthensteig die Telefon, Fax und Internet – Verbindungen.
Der ruhmreiche Verein suchte nach einem neuen Fußballlehrer – und bekam die gleichen Probleme wie der DFB, der nach dem Rücktritt von Rudi Völler keinen Coach finden konnte.
Als am Valznerweiher der Name Lothar Matthäus ins Spiel kam, kochten die Emotionen noch höher auf, als je zuvor.
Der Gedanke wurde schnell wieder verworfen.
Übrig blieb Motivator – Peter, der Neururer, der seit dem Abstieg Bochums arbeitslos war.
Der war zwar nicht abgeneigt, bat sich aber Bedenkzeit aus.

Sonntag, 6. November 2005

Dieter Lieberwirth sitzt auf der Bank, hat einen völlig neuen Glubb versprochen. Vielleicht konnte er gar Cheftrainer werden, gelingt es, den VfB Stuttgart im Frankenstadion zu schlagen. Er hat’s nicht leicht, der Interimstrainer, denn das Volk skandiert Wolf und dokumentiert dies auf zahlreichen Transparenten.
Als das Match zu Ende ist, sitzt der „Yogi“ wie paralysiert auf seiner Bank, fürchtet sich aufzustehen.
Was die Mannschaft da gezeigt hat, war kein Aufbäumen, keinerlei Wille zum Erfolg sichtbar, eigentlich fast schon eine glatte Arbeitsverweigerung.
Es kommt noch dicker: Kurz nach dem Abpfiff erreicht das Präsidium eine Mail. Absender: Peter Neururer. Der sagt endgültig ab und liefert die Begründung gleich mit: „Mit dieser Mannschaft ist es völlig unmöglich, den Klassenerhalt zu schaffen. Was da auf dem Platz stand war kein Team, sondern eine tote Arbeitsgemeinschaft, die sich selbst längst aufgegeben hat…“

Roth schäumt vor Wut, ist erneut längere Zeit nicht mehr ansprechbar.

Als dann doch Tage später der neue Trainer vorgestellt wird, staunen Fans, Presse und Experten gleichmäßig: Neuer Coach ist niemand anders als HANS MEYER, der sich vor fast 15 Monaten selbst in den Ruhestand geschickt hatte.

Seine Trainerstationen: 1971 bis 1983 bei Carl Zeiss Jena, 84 – 87 bei Rot Weiß Erfurt, 88 – 93 Karl Marx Stadt (Frankfurt an der Oder) und Chemnitzer FC, 93 -94 erneut in Jena, Januar bis Oktober Union Berlin.
Danach beim 96 – 99 beim FC Entschede in Holland, die er zur Meisterschaft führte. 99 – 2003 Borussia Mönchengladbach – Aufstieg in die Bundesliga. Sechs Monate bei Hertha BSC Berlin, die er vor dem Abstieg rettete.

Vermittelt wurde er von Dieter Hoeneß, dem Hertha Manager, der Meyer als Einzigen nennen konnte, die Liga noch zu halten.

Hans Meyer selbst hielt es nach eigenen Worten nicht mehr zu Hause aus, konnte es nicht fassen, dass ein so ruhmreicher Traditionsverein keinen Trainer fand…

Und da war er nun – und nahm am 9. November das Training mit dem Team auf.

War Wolfgang Wolf ein stiller, behutsamer Trainer gewesen, so kam mit Meyer genau das Gegenteil. Der nahm sich kein Blatt vor den Mund, machte aus seinem Herzen keine Mördergrube. Schrie, schimpfte, fluchte und tobte, wenn gegen seine Anweisungen gehandelt wurde…
Sein Training war knallhart, ohne einseitig zu sein. Aber kaum einer der Spieler, der nicht am


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frühen Abend wie tot ins Bett fielen und fix und fertig bis zum Morgen durchschliefen.

Ein Journalist hat es so ausgedrückt: „Selbst die Affen im Tiergarten (Luftlinie ca. 600 – 1000 Meter entfernt) fielen vor Schreck von den Stangen, wenn Meyer seine Mannen anbrüllte.“
Auf die Frage, in welchem Zustand die Mannschaft war, gab er jedoch kaum eine Antwort.

„Aber die Mannschaft sei fit, nur hatte sie absolut kein Selbstvertrauen mehr.“

Auch ex – Trainer Wolfgang Wolf zeigte Rückrat, als er auf dem Trainingsgelände auftauchte und um Erlaubnis bat, sich von seiner Mannschaft verabschieden zu dürfen.
Jedem Spieler gab Wolf die Hand und bedankte sich persönlich für die immer gute Zusammenarbeit. Danach wünschte er seinem Nachfolger das Glück, welches ihm nicht beschert war.
Ein ergreifender Anblick, als sich Beide umarmten und gegenseitig Glück für die Zukunft wünschten…

Glück! Das konnte Hans Meyer brauchen!
Aber auch er stand nach kurzer Zeit hinter seinen Jungens, war überzeugt, dass es besser laufen würde.

Der 13. Spieltag in Kaiserslautern. Die positiven Prognosen treten prompt ein: Der Glubb gewinnt im ersten Spiel unter Meyer mit 3: 1
Niemand ist überraschter als Meyer, denn ein Einstandsspiel hat er noch nie zuvor gewonnen. Nie war ein Sieg wertvoller wie heute: Die Ruhmreichen reichen die Rote Laterne an die Pfälzer weiter und klettern auf den 16. Tabellenplatz…
Mehr noch: Zwei Tage nach diesem Clubsieg übernimmt der Pfälzer Bub Wolfgang Wolf die Roten Teufel – ein erneutes Himmelfahrtskommando!

Dennoch: Die erste Niederlage für Meyer kommt eine Woche später: Im Frankenstadion 1:2 gegen Dortmund. Doch man bleibt 16. weil die Konkurrenz auch nicht punkten konnte.

Am 3. Dezember ist der Glubb bei Borussia Mönchengladbach zu Gast. Die begrüßen ihren ehemaligern Trainer mit frenetischem Jubel – und verlieren mit 0:1!
Der Club findet Anschluss mit 12 Punkten, bleibt aber noch 16.
Leverkusen am 16. Spieltag in Nürnberg. Das Spiel endet mit 1:1
Wieder einen Punkt mehr.

Der 17. Spieltag, das offizielle Ende der Hinrunde. FCN – Hertha BSC lautet die Begegnung, die mit 1:1 endet.
Die Bayern sind Herbstmeister und der FCN hat sich auf Platz 14 hochgemogelt…
In der Winterpause hat man zugelangt, drei neue Spieler geholt. Schnäppchen, versteht
sich. Konditionsschwächen, Trainingsrückstand, fehlende Spielpraxis. Aber langfristig können sie vielleicht helfen.
Marek Mintal ist ja schon seit Beginn an verletzt, Mittelfußknochen gebrochen, Souvenir von einem Länderspiel.
Während der Winterpause im Trainingslager kommt er wieder ran, wird wahrscheinlich in der Rückrunde spielen können.

Meyer setzt ihn behutsam ein, will nichts riskieren. Schwärmt aber von dem eigentlichen nominellen Mittefeldspieler, der eine unglaubliche Übersicht hat. Zusammen mit Robert Vittek, der unter der Regie des 64-jährigen aufgeblüht ist, kann er ein perfektes Sturmduo bilden…
Doch gleich im ersten Spiel passiert es: Mintal knickt um, bricht sich erneut den Fuß. Pfusch? Man wird es nie erfahren.

DIE RÜCKRUNDE:

Stell’ Dir vor: Es ist ein Heimspiel für den Glubb – und der gewinnt tatsächlich!!!
Bisher hat der das nur sporadisch geschafft, aber viel zu selten.
Am 18. Spieltag Ende Januar 2006 gewinnt er und zerlegt den Gegner nach allen Regeln der Kunst – den HSV!!!
2:1 – und dabei ist das Gegentor auch noch ein Eigentor!
Kießling schießt den Siegtreffer, jener Kießling, der in der BILD Zeitung bereits dem Tod sehr nahe war…
Dem HSV tut’s furchtbar weh, denn damit stoppen die Franken die Aufholjagd auf die Bayern, bringen den Hanseaten die erst zweite Niederlage bei.
Dafür steht Nürnberg weiter auf dem 15. Tabellenplatz, hat sich aber ein Zwei – Punkte Polster zum 16. dem FC Köln geschaffen!


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Der 19. Spieltag

Der Glubb muss nach Hannover. Dort ist jetzt der Neururer Trainer, der dem Glubb Unfähigkeit bescheinigt hat. So was muss bestraft werden. Tatsächlich trifft Vittek zum 1:0, der immer wertvoller wird.
Dennoch der dumme Ausgleich zum Endergebnis von 1:1 und nur ein Punkt. Aber keine Angst, irgendwann kommt Neururer nach Nürnberg, dann wird man ihn mit einer Packung nach Hause schicken…
Man bleibt auf einem 15. Platz, aber immer sind es noch 2 Plus - Punkte…

Kapitel 20, 8. Februar, Englische Woche:

Das Wunder legt eine Pause ein. Ein 0:1 in Frankfurt. Künstlerfehler, nix passiert. Weiterhin 2 Punkte Sicherheit. Platz 15.

Ein 1:2 in München.
Sieg und drei Punkte in Wolfsburg.
Nürnberg rutscht rauf auf 14, zieht Wolfsburg nach unten.
0:2 in Schalke.
3:0 im Kellerduell gegen Duisburg. Der erste 3er von Robert Vittek.

4:3 in Köln am 25. Spieltag,
Wieder 3 Tore von Vittek. Was ist denn mit dem passiert?
Aber auch Saenko trifft, wird immer besser.
Sprung auf Platz 12, 37 Punkte.
Bahnt sich da in Franken ein Wunder an?
Vor ausverkauftem Stadion ein 3:1 gegen den haushohen Favoriten Bremen. Erneut ein Vittek Festival. 2 Tore – den Rest erledigt Schroth.
Position 11. Punktzahl 30. Reicht das etwa schon?
Ein 0:0 in Bielefeld, 3:0 gegen Mainz. Erneut ausverkauftes Stadion. Saenko, Kießling, Vittek. 4. Heimsieg in Serie. Die Kasse klingelt, das Punktekonto auch: 33!


Am 29. Spieltag verliert man in Stuttgart.
Zeit sich zu orientieren:
34 Punkte, 9 Punkte Abstand zum Tabellen – 16. Dort steht überraschend Kaiserslautern mit ex Trainer Wolf und 27 Punkten. Wölflein hat gepunktet, könnte es auch schaffen.
Eigentlich müsste es reichen. Rechnerisch. Aber erinnern wir uns an Friedel Rausch…
Lautern ist der nächste Gegner. Ausverkauft.
Die Zuschauern feiern beide Trainer. Wolf würdigt Roth keines Blickes.
Vittek leitet das Scheibenschießen ein. 1:0.
Die Pfälzer gleichen aus, gehen mit 2:1 in Führung. Der ehemalige Amateuer Paulus (von Wolf in den Profikader geholt und behutsam aufgebaut) gleicht in der 62. Minute aus. Als schon alles gelaufen schien, zieht Vittek in der 87. Minute ab, erzielt das 3:2.
Bitter für Wolf! Zählte doch gerade der Slowake zu seinen Lieblingsschülern und zu seinem Sorgenkind. Vittek, von dem sich Wolf nicht sehnlicher gewünscht hatte, als dass der endlich sein hohes Potential ausspielen würde.
Die Ruhmreichen springen auf Position 9, haben jetzt ein Polster von 10 Zählern, können rechnerisch fast nicht mehr absteigen. Dafür ist Lautern um die Hoffnung von drei Punkten gebracht, wären jetzt punktgleich mit Wolfsburg und Mainz…
Dafür sind Duisburg und Köln faktisch und rechnerisch bereits abgestiegen.
Für Clubfans wird dieser Sonntag ein langer Feiertag.

Aber noch sind es vier Spiele.
Der Teufel hat immer noch eine Großmutter und man hat schon Pferde kotzen sehen, vor der Apotheke.

31. Spieltag

Der Glubb verliert mit 1:2 in Dortmund – und steigt ab: Auf den 10. Tabellenplatz.

Unten sind es noch vier Abstiegsaspiranten: Lautern hat sich erneut nach vorne geschoben, ist noch einen Punkt vom rettenden Ufer entfernt. In Nürnberg drückt man Wolf die Daumen. Mainz, Wolfsburg und Frankfurt müssen mit dem Schlimmsten rechnen.

32. - 2. Mai 2006

Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach.
Ausverkauft. Zweimal Vittek, Saenko, Polak, Kießling 5:2!
Der Trainerstuhl von Horst Köppel wackelt nun bedenklich. Und es ist nicht nur ein Bein, sondern deren Drei.
Jetzt kann nichts mehr passieren.
Das Frankenstadion bekommt einen neuen Namen: „easyCredit Stadion“ und die Fans maulen lautstark. Dämlicher Name!


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Aber er spült eine warme Welle in die Vereinskasse. Für Statistiker: Das 6. Heimspiel in Folge, das nicht verloren geht.
Wolfsburg verliert erneut unter Klaus Augenthaler – und das ausgerechnet in Mainz.
Lautern und Frankfurt spielen Unentschieden.
Frankfurt hat es geschafft. Selbst wenn es die beiden restlichen Spiele verlieren sollte hat es noch die bessere Tordifferenz…
Der Club liegt mit 40 Punkten auf Platz 9. Super!

Vorletzter Spieltag, 6. Mai:

Der Club führt mit einem Tor von Mnari in Leverkusen mit 1:0, wird aber danach übermütig. Berbatow gleicht aus, erzielt den Treffer zum 2:1. Erst in der 90. Minute sorgt Kießling mit dem 2:2 den Ausgleich. Egal wie, aber der Stefan wird dem Club fehlen…

Wolfburg verliert erneut mit 1:2, diesmal in Stuttgart. Die Roten Teufel teilen sich die Punkte in München beim großen FC Bayern.
Auch Mainz holt drei Punkte auf Schalke, ist gerettet. Liegt jetzt vor Hannover 96 (Neururer hat’s wohl doch nicht gebracht, hähähäh) und Bielefeld. Lautern fehlt noch ein mickriger Punkt…

Showdown:

Wer jetzt geglaubt hatte, das sich die Ruhmreichen zurücklehnen würden, wie es in der Vergangenheit meist der fall war, nach einem Aufstieg oder einem Nichtabstieg, sieht sich angenehm enttäuscht: Obwohl längst in Sicherheit, gibt der Glubb im ausverkauften Stadion noch mal Gas. Wer anders als Robert Vittek erzielt dabei das 1:0?
Ach ja: Der Gegner heißt Hertha BSC Berlin, und deren Dardai macht kurz vor der Pause noch den Ausgleich.
Danach geht es hin und her. Fast sieht es so aus, als sollte das letzte Heimspiel mit einem Remis enden, doch dann schlägt Saenko, der lange gescholtene Russe in der 86. Minute für das 2:1.
Partytime in Nürnberg.
Roth lässt sich nicht lumpen.
Freibier und „Drei in am Weckla“ (3 Nürnberger Bratwürste in einem Brötchen – die Redaktion), und für jeden Besucher a Halbe(Bier).
Weil davon Niemand satt werden kann, verdoppelt der Präsident in bester Laune, was sonst(?) die Ration noch mal…
Blumen für den scheidenden Stefan Kießling, ein wertvoller Perser – Teppich für den Trainer, ein Monster von 3 Meter mal zwei Meter, für dessen Wert Meyer auch einen nicht so billigen Mittelklasswagen bekommen hätte.
Auch Dieter Hoeneß bekommt einen Perser, nicht so groß, aber immerhin…
Der Dank für die Vermittlung des Trainers.
Eine nette, honorige Geste!
Zum ersten Mal äußerst sich Hans Meyer übrigens zu der Frage, ob er am Valznerweiher weiter machen würde. Eine Frage, die Nürnberg schon seit Wochen beschäftigt, aber nie beantwortet wurde.
Daraufhin Meyer trocken: „Sagen wir mal, ich beginne zumindest weiterhin als Trainer die nächste Saison. Ob ich länger bleibe, entscheidet die Mannschaft und der Punktestand.“
Fügt aber sachlich dazu: „In diesem Team steckt noch eine ganze Menge an Potential. Aus ihm kann eine Spitzenmannschaft werden, doch dazu ist auch viel Geduld nötig. Wer in der nächsten Saison eine Position unter den ersten Fünf erwartet, ist ein Phantast. Für meinen Begriff sind wir ohnehin 4 Positionen zu hoch gekommen, als es realistisch wäre.
Ich wäre froh, wenn wir in der nächsten Serie in der Endabrechnung Platz 9 bis 12 belegen würden…“

Ach so, ja: Der Club, unser Glubb schließt die Saison mit 44 Punkten als Tabellen – Achter ab. 12 Mal ging man als Sieger vom Platz, 14 Mal als Loser. Acht Mal spielte man Unentschieden und schoss 49 Tore, der ausgezeichnete Torhüter Raphael Schäfer musste aber 51 Mal die Kugel aus dem Netz holen. Erfolgreichster Torschütze war Robert Vittek mit 16 Treffern, jener Stürmer, an den Wolfgang Wolf lange, lange Zeit geglaubt hatte. Dessen Aufblühen aber selbst als Trainer nicht mehr erlebte.


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Für den Glubb bedeutet dieser 8. Rang das drittbeste Ergebnis seit der Meisterschaft 1968.
Vor allem darf man nie vergessen, dass der Glubb nach 12 Spieltagen nur 6 Punkte auf dem Konto hatte! So gesehen war Hans Meyer, der 63-jährige Coach der Magier, der in 22 Spieltagen 38 Punkte holte, das Wunder in Nürnberg erst mit seiner Person ermöglichte…

Und was macht Wolfgang Wolf und Kaiserslautern?
Die müssen ausgerechnet am letzten Spieltag nach Wolfsburg!
Eine teuflische Dramaturgie, deren Drehbuch niemand besser schreiben kann, als das Leben selbst.
Ein Schicksalsspiel für die beiden letzten Trainer, die in Nürnberg arbeiteten und zunächst viel Erfolg hatten. Den Abstieg gönnt ihnen Niemand, aber – „Es kann nur Einen geben!“
Die Teufel führen ab der 20. Minute, erst in der 66. erzielt Wolfsburg den Ausgleich. Kampf pur. Nur drei Minuten später die Führung durch Klimovicz. Kein Grund für die Wölfe, jetzt nachzulassen! Den Lautern ist und bleibt gefährlich. Erzielt noch den Ausgleich zum 2.2.
Aber dann geht einfach nichts mehr.
Wolfsburg bleibt mit Augenthaler erstklassig und die Teufel steigen mit Wolf ab. Nur ein Tor hat gefehlt. Grausames Schicksal.
Dabei wollte Wolf gleich zu Beginn der Saison zu Kaiserlautern, hat sich in Nürnberg überreden lassen…



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