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18.08.2017 - 08:58 Uhr
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Artikel über Theater-Abend
Wann seid Ihr das letzte Mal in einem Theater gewesen?

Ich rede jetzt nicht von jenen steifen, staatlich subventionierten Aufführungen, wo die Herren im Smoking und die Damen im Abendkleid Schau – laufend in der Pause Sekt - schlürfend ihre neueste Schmuck – Kollektion klimpernd präsentieren (und während der Vorführung, die sie ja gar nicht interessiert, im sanften, gelangweilten Halbschlaf vor sich hindösen).

Es muss ja auch nicht immer der Klassiker eines großen Dichterfürsten sein – vorgetragen von Schauspielern die monatlich so viel verdienen, wie unsereins in der jährlichen Einkommenssteuer abrechnen muss.

Ein derbes, ehrliches Volksstück tut’ s schließlich auch. So ein bäuerlicher Schwank - kernige Dialoge, im breitesten fränkisch vorgetragen (die beim zufällig hineingeratenen Gast aus Nord – Deutschland flüsternd übersetzt werden müssen). Sicher : Die Handlung dieser Stücke ist fast genormt, bietet wenig Überraschungen bis zum vorausrechenbaren, turbulenten Finale, aber der Reiz liegt nun mal in der Wortwahl (je mehr Sprachhülsen aus der aktuellen Politik oder TV-Werbung, desto besser). Die hohe Schauspielkunst der einzelnen Akteure ist erstaunlich – da sie ja ohne Gage, dafür aber mit viel Enthusiasmus und Idealismus agieren.
Bevor ich zu viel erzähle:
Die Idee zum Besuch kam von einer Arbeitskollegin meiner besseren Hälfte, die in diesem Lustspiel „Blos koane Weiberröck“ eine, wenn nicht gar die tragende Rolle spielte. So kaufte man eben zwei Karten a 6,-- Euro um das Stück und die Kollegin spielen zu sehen… Die Kollegin, ein Urgestein mit heiterem Wesen, und Dank ihres Dialekts soweit vom Hochdeutsch
entfernt, wie ich vom Staats - Examen in Ackerbau und Viehzucht Sieht und hört man sie jedoch mit Feuereifer spielen (und natürlich reden) muss man doch bedauern, dass die ehemalige Umgangs -sprache immer mehr in Vergessenheit gerät.
Manche Kinder sprechen heute nur noch ein kaltes, uniformes Hochdeutsch und würden wie ein Besucher des Lustspiels ebenso einen Übersetzer brauchen.
Was wäre der Sachse ohne sein sächsisch? Der Schwabe ohne sein schwäbisch? (wir können alles, nur kein Hochdeutsch)? Der Bayer ohne sein bayerisch und Franken ohne fränkisch? „Fasd nu schlimmer, als wensd am Sundoch kanne Kniedla mit am knusprigen Schweinsbraden gräigsd…“ Wir sind in Weißenbrunn, einem kleinen Dorf mit zwei oder drei Industrieunternehmen, einem Metzger, zwei Gaststätten, einer Pizzeria und einem idyllisch gelegenen Naturbad: Einmal kurz aufs Gas – und du bist durch. Nicht zu vergessen: Ein Sportplatz mit Vereinsgaststätte, auch sehr romantisch mitten im Wald gelegen. Fragt mich nicht in welcher Klasse der Dorfverein gerade kickt, ist ja im Prinzip auch egal. Zu (traurigen) Ehren kam dieses Vereinsheim bei seiner Sportler - Kirwa in den 90er Jahren als dort Ex- Clubberer und Nationalstürmer Dieter Eckstein seinen Führerschein wegen Trunkenheit verlor. Es war der große Knick in der Kariere des Wahl- Weißenbrunners, denn danach ging’s steil bergab.

Gut! Der erste Stock dieses Sportheimes ist die Heimat der Theatergruppe des FSV- Weissenbrunn, die schon in den 80er Jahren dort auftraten. Da die Bühne jedoch mehr als renovierungsbedürftig war und staatliche Zuschüsse ein chinesisches Sprichwort für den Verein sind, wurden die Einnahmen von einer Spielzeit (vier (!) Aufführungen) für den Bau einer neuen Bühne verwendet.


Theater-Abend  (Seite 2 von 4)
Was Zuschüsse vom Staat wegen betrifft steht der Theaterverein im Konzert der Großen ohnehin auf einem der letzten Plätze. Krösus ist hier das Dehnberger Hoftheater, das nicht nur von Stadt und Land bevorzugt wird, sondern auch auf das Budget von fetten Sponsoren zurückgreifen kann. Dafür gastieren im Hoftheater aber auch Prominente und hoch dotierte Stars und Kabarettisten. Ein derbes Bauernstück läuft hier selten, wäre den meist leicht elitären Zuschauern (die man an den Krawatten ablesen Kann) wohl auch zu gewöhnlich. Denn im DHT geht man schon mal hin um nicht nur zu sehen sondern auch gesehen zu werden. Nummer zwei im Landkreis war bisher die Simmelsdorfer Mühle, die sich diesen Platz wohl bald mit dem Kulturverein Feucht (Schall und Rauch) teilen muss. (Obwohl man ursprünglich intellektuelle Kost und hohe Schauspielkunst ins Hinterland transportieren wollte hat man inzwischen das Fähnlein gedreht und sich mehr der seichteren Comedy verschrieben, die - ob gewollt oder ungewollt – nicht selten auch unter die Gürtellinie gerät. Aber was soll’s, Kultur kann man so oder so sehen…..). Bei beiden regiert das Sponsoring und der Geldadel.

Andere Amateurvereine haben inzwischen doch einen hohen Beliebtheitsgrad erreicht. Sie sind bekannter, spielen auch mehr Aufführungen in der Saison und rühren dafür kräftig die Werbetrommel. Zudem sind sie nicht irgendein Verein, sondern haben klangvolle Namen wie zum Beispiel „Sandhasn“ oder „Pengertzapostel“ (diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen).

Zurück zu Weißenbrunn und seiner
Theatergruppe. Hier übt man ein ganzes Halbes Jahr lang in der Freizeit ein einziges Stück ein, welches dann nur viermal aufgeführt wird. Eigentlich doch eine Ressourcen - Verschwendung, aber wenn die Leute schon so viel Freizeit opfern, wollen sie nicht unbedingt für zwei Monate lang Wochenende für Wochenende auf der Bühne stehen. Die Stücke werden von Waltraud Felßner ausgesucht und in Co - Produktion mit Marianne Lorenz bearbeitet, meist ins fränkische übertragen und mit aktuellen Geschehnissen gewürzt. Wir haben uns mit der charmanten, entwaffnend - ehrlichen Waltraud Felßner unterhalten, die ein bisschen aus dem Nähkästchen plauderte. Gegründet wurde der Verein bereits 1983. Damals spielte man vorwiegend Ein - Ackter in ziemlich wechselnder Besetzung. Nach sieben Jahren löste man den Verein wieder auf, da die Zahl der aktiven Mitglieder immer weniger wurde. Manche Dame fiel wegen Schwangerschaft aus, die Herrn der Schöpfung kämpften um Karriere oder waren mit Hausbau beschäftigt. Kurzum, niemand hatte mehr Zeit. Ende 90 aktivierte man den Verein erneut.
Damals wie auch bei der Neugründung war es der Vorsatz der Beteiligten etwas Sinnvolles zu tun. Anstelle in Discos zu rennen oder nur das Heimchen am Herd und Putzfrau und Köchin zu spielen so entstand der Gedanke neu. Wenn auch finanziell nichts hängen blieb, so war man dann doch eine zusammen geschweißte Einheit, die da oben auf den Brettern stand, um das Brot des Künstlers, den Applaus zu genießen und sich im Bad der Menge zu tummeln. So dumm es klingt, dieser Applaus


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und dieser Erfolg war der Lohn für harte Monate, die man mit lernen und einüben der Texte verbrachte. Vierzehn Personen zählt die Theatergruppe momentan, gleichberechtigt aufgeteilt zu je sieben Damen und Herren.

Nicht zu vergessen: Viele ungenannte Helfer, ohne die der Theaterbetrieb nicht zustande kommen könnte. Nur Nachwuchs ist kaum in Sicht – was nicht zunächst wieder am Dialekt liegt. Zwei bis drei Schauspieler mussten bei diesem Stück mit hochdeutscher Sprache agieren, was wiederum auch nicht so einfach ist.

Doch wollen wir zum Theaterstück selbst kommen:
Da lebt der Bauer Anton Burg-staller (Werner Eckstein) fast Weiber - los auf seinem Bauernhof und duldet kein fremdes Weibsvolk auf seinem Hof. Die Einzige, die er akzeptiert ist seine langjährige Haushälterin Mariele = Marie – Luise Tauber (Waltraud Felßner). Wegen einer unglücklichen Liebe kinderlos geblieben, soll eines Tages sein Neffe Adrian (Heinz Kratzer) alles erben. Dieser stellt sich jedoch nicht unbedingt als geeigneter Landwirt heraus, und hat einen Sp – sp – sp- spr- spra – Schprachfehler (der Publikumsliebling in diesem Dreiakter). Eines Tages kommt der Testaments - Vollstrecker Benno Würmling (Harald Eckstein) zu Mariele und kündigt ihr das Kommen ihrer bisher unbekannten Nichte an. Zusätzlich hat er noch einen Brief dabei, indem Mariele von ihrer verstorbenen Schwester erfährt, dass diese eine kurze aber innige Beziehung zu ihrem Bauern Anton hatte. Mariele dreht fast durch, denn außer ihr will der Bauer ja keine Weiberröck auf seinem Hof
sehen. So bittet Mariele ihre beste Freundin Isolde (Angelika Eckstein) darum, die Nichte bei sich aufzunehmen. Gesagt getan: Nur kommt an ihrer Stelle der Nichte Freundin Vroni (Andrea Kratzer), in die sich Max, Isoldes Sohn (Hans Weiß) unsterblich verliebt Franziska, die wahre Nichte (Ingrid Schreimel), taucht dafür als Stallbursche verkleidet bei Bauer Anton auf, wovon aber weder Bauer noch Mariele etwas ahnen. Als Vagabund Jo – hann ist noch Manfred Dauphin zu erwähnen. Der Abend hat Spaß gemacht (drei Akte a 45 Minuten). Die jeweiligen Pausen konnte man zum Rauchen verwenden Getränke und Wurstweckla kaufen – und sich vor allem die Beine vertreten.

Was auch bitter notwendig war: Auch unsere Gesäßmuskulatur weist in den letzten Jahren doch eine gewisse Dekadenz auf, ist nur noch Federkern gewöhnt. Und so rutscht man auf den normalen Holzstühlen während der drei Stunden doch etwas unruhig hin und her. Ein mitgebrachtes Sitzkissen würde da schon Wunder wirken! Wie dem auch sei, am Muskelkater unseres Aller wert testen wird einem doch bewusst, dass unsere ganzen Fitness- Übungen eben nicht für für den A….. waren und wir diesen künftig besser behandeln sollten.

In der Hoffnung den Verein auch im nächsten Jahr spielen zu sehen versprechen wir eins: Wir sind (mit Sitzkissen) wieder dabei.


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PS: Der Sprecher am Anfang und Ende des Dreiakters fragte vor Beginn des Stückes ob denn eine hoch stehende Persönlichkeit unter den Anwesenden wäre, die man gesondert begrüßen müsste, denn dummerweise hat man neulich übersehen, dass der Bürgermeister einer Nachbargemeinde anwesend war, der sich darauf bitter beschwerte. War aber keine da.

Dafür weilten bei der Premiere auch zwei Geistliche, die auch nicht sonderlich gegrüßt werden wollten . Einer der Pfarrer lobte besonders den Auftritt des Adrian - Mimen Hans Kratzer. Zugleich spendete er ihm tröstende Worte mit der Bemerkung: „Siehst du mein Sohn - auch Gott hat Gnade für die etwas leicht Behinderten unter uns. Auch wenn du einen Sprachfehler hast, so hast du doch deine Rolle mit Bravour gespielt“. Wie schon erwähnt, stotterte unser guter Heinz in seiner Rolle, sprach aber im realen Leben „normal“, was er auch dem Herrn Pfarrer mitteilte. Das Erstaunen des Geistlichen war mehr als groß, und der Würdenträger hatte es plötzlich sehr eilig …. .

Kann es für einen Schauspieler ein größeres Kompliment geben???



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